Das Beste, was sich vom Jahr 2020 sagen lässt, ist wohl: Gut, dass es endlich zu Ende ist. Und doch ist das natürlich ein verkürzter Blick auf dieses oft so beklemmende, verunsichernde Jahr mit der allgegenwärtigen und anhaltenden Corona-Pandemie.
Viele haben Leid und Schmerz erfahren, um liebe Menschen gebangt oder sie verloren. Das macht traurig. Viele sind über sich hinausgewachsen in der unberechenbaren Pandemie, im komplizierten Alltag. Und das macht Mut.

Corona-Virus hat Lausitz eingeholt

Geht es tatsächlich zu Ende? Lange schien – zumindest von außen betrachtet – Cottbus in puncto Corona eine Insel der Glückseligkeit. Wir haben immer gewarnt vor Sorglosigkeit und Selbstzufriedenheit. Das Virus hat uns eingeholt wie es die gesamte Lausitz erfasst hat.
Gefordert waren und sind in erster Linie Ärztinnen und Ärzte, das Pflegepersonal in Kliniken und Heimen, Rettungssanitäter und Feuerwehrleute – zumeist ehrenamtlich aktiv – und nicht zuletzt Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, die Gesundheitsämter, letztere in dankenswerter Weise unterstützt durch Bundeswehrangehörige und Mitarbeiter aus anderen Verwaltungsbereichen und Behörden.
Es ist eine immense Kraftanstrengung, die über Monate nötig war und sein wird: personell, logistisch, finanziell.
Die Pandemie bleibt eine Herausforderung für uns alle. Sie ist eine Bewährungsprobe für die Menschen in der Demokratie, für die Verteidigung der Menschenwürde, der Menschenrechte, der Werte, der Freiheit.
Wir erleben eine fortlaufende Abwägung der Verhältnismäßigkeit von Erfordernissen des Gesundheitsschutzes und der Wirkung von Einschränkungen und Regeln auf die Gesellschaft und jede/n Einzelne/n. Wir lernten und lernen jeden Tag. Wir mussten nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden, Fehler eingeschlossen.
Ich danke allen, die dafür ihren Kopf hingehalten haben und weiter hinhalten. Wer die Schicksale der Betroffenen kennt, wer weiß, unter welcher Belastung die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kliniken und in der Pflege, im Handel und an so vielen weiteren Stellen arbeiten, wer die Statistiken liest, wird demütig.

Impfstoff bringt Hoffnung auf Normalität

Demut sollte einer der Ratgeber des neuen Jahres sein. Gewiss ist es leichter geschrieben als getan, wenn man sagt: Die Krise ist auch und gerade eine Chance. Eine Chance auf neuen Zusammenhalt, eine Chance auf Kontroversen um das überzeugende Argument und plausible Lösungen, eine Chance auf Kompromiss, Verständigung, gegenseitiges Verstehen.
Kitas auf oder zu, Unterricht in der Schule oder zu Hause, Theater vor Zuschauern oder im Stream, ein volles Stadion der Freundschaft oder TV-Fußball? Für die richtigen Antworten zur richtigen Zeit brauchen wir Mut und Zuversicht.
Der Impfstoff gegen Covid-19 bietet Hoffnung auf die Rückkehr zu einem Leben, wie wir es gewohnt waren. Dennoch: Unsere Gewohnheiten sind ohnehin infrage gestellt. Ein Fahrplan für die Arbeit von morgen ist geschrieben, der Strukturwandel hat Fahrt aufgenommen.
Es sind Milliarden Euro zugesagt, die wir immer wieder einfordern, vor allem aber mit Ideen und Planungen untersetzen werden. Träume und Ideen werden sich in den kommenden Jahren an der Realität und an der Tatkraft von uns allen messen.
Lassen Sie uns also die Zuversicht nicht verlieren, dass das neue Jahr 2021 ein besseres wird. Die vielfach gelebte Solidarität und das Miteinander sollen in unserer Stadt und in der ganzen Lausitz stärker bleiben als der Egoismus und die Missachtung Schwächerer.
Wir wollen uns im neuen Jahr jenseits von Videokonferenzen oder Telefonschalten wieder mit Familien und Freunden in Restaurants, Museen, Kino, Theatern treffen und sprechen können, und wir werden klüger und stärker sein, wenn wir uns wiedersehen.

Zur Person

Holger Kelch absolvierte eine Ausbildung in der Verwaltung und studierte BWL an der Wirtschaftsakademie Cottbus. Er arbeitete unter anderem als Elektromonteur/Signalwerker im Tagebau Greifenhain, war Sachbearbeiter im Landratsamt Calau und dann Leiter der dortigen KfZ-Zulassungsstelle. Von 1994 bis 2002 war Leiter des Ordnungsamtes vom Oberspreewald-Lausitz-Kreis und danach Beigeordneter der Stadt Cottbus.

Seit 1990 ist Kelch CDU-Mitglied, war Kreisvorsitzender der CDU Oberspreewald-Lausitz und später stellvertretender Vorsitzender der CDU Cottbus. Seit 30. November 2014 ist Holger Kelch Oberbürgermeister der Stadt Cottbus