Die Lausitzer Rundschau hat Leserinnen und Leser zum Mauerfall 1989 und den Folgen befragt. Dabei ging es in einer Frage auch um Vorurteile, die Lausitzern als „Ossis“ in den alten Bundesländern, also dem Westen aus ostdeutscher Sicht, begegnet sind.

Demnach antworten nur 36 Prozent der befragten 546 Teilnehmer im LR-Umfragecenter, ihnen begegneten keine Vorurteile im Westen. Während weitere zwei Prozent der Befragten aus dem Westen kommen, sagt eine Mehrheit von 53 Prozent, dass sie das eine oder andere Vorurteil zu hören bekommen haben. Bei dieser Frage waren mehrere Antworten möglich.

Das häufigste Vorurteil demnach: „Ostdeutsche meckern immer nur.“ Dies haben nach eigenen Angaben 23 Prozent der Befragten schon zu hören bekommen. „Alle Ostdeutschen sind Nazis“ – in solcher Pauschalität haben das 13 Prozent der Befragten schon an den Kopf geworfen bekommen.

Vorurteile zu Ostdeutschen: Faul, humorlos, gefärbte Haare

Elf Prozent geben an, dass Ostdeutschen im Westen Arbeitsscheu vorgehalten wird. Dass Ostdeutsche keinen Humor hätten, haben demnach drei Prozent schon gehört – knapp dahinter folgt das Vorurteil „Ostdeutsche Frauen haben oft bunte Strähnen im Haar/ bunt gefärbtes Haar“ (zwei Prozent der Nennungen).

Ergebnisse der LR-Umfrage zum Mauerfall: Diese Vorurteile begegnen Leserinnen und Lesern im Westen Deutschlands.
© Foto: LR-Grafik/ Sebastian Schubert

Eine Antwort-Möglichkeit in der LR-Umfrage bestand darin, unter „Sonstiges“ eigene Erfahrungen aufzuschreiben. Das waren neun Prozent der Antworten. Einige sagen auch hier, ihnen würden in der Regel keine Vorurteile zu Ostdeutschen oder auch Westdeutschen begegnen.

Cottbus

Ein Leser (die Umfrageergebnisse sind anonymisiert) kritisiert die Fragestellung: „Ostdeutscher sein ist ein Urteil, kein Vorurteil, nach 30 Jahren doch nicht mehr. Die Fragen und vorgegebenen Antworten sind Diskriminierung.“

Lesermeinung: Bitte keine endlose Ossi-Wessi-Diskussion!

Ein anderer schreibt sinngemäß, es komme doch darauf an, sich als Ostdeutsche oder Ostdeutscher auch im Westen souverän, selbstbewusst und kompetent zu geben - und nicht auf „diese endlose Ossi-Wessi-Diskussion“. Ein weiterer Umfrageteilnehmer mutmaßt, Vorurteile zwischen Ost und West beruhten auch auf Gegenseitigkeit: „So wie sich jeder selbst gibt, wird er auch vom Gegenüber beurteilt.“

Bis zum 2. Oktober 1990 verlief eine Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschlandmit Bundesländern und Deutschen Demokratischen Republik mit Bezirken.
© Foto: dpa-infografik GmbH/F. Bökelmann

Auffällig ist bei den freien Antworten, dass als Vorurteil im Westen gegenüber den Ostdeutschen häufiger genannt wird, dass der Westen dem Osten den Aufbau bezahlt habe und man hier nun auch dankbar zu sein habe.

Cottbus

Manche der Aussagen zeugen dabei von gegenseitigem Unwissen. So berichtet ein Leser, ihm sei im Westen gesagt worden, nur Wessis bezahlten den Soli bei der Steuer. Oder die Renten im Osten (bezahlt angeblich allein vom Westen) würden infrage gestellt, antwortet ein anderer Leser. Vielleicht hilft da miteinander reden und sich füreinander interessieren. Ein Leser schreibt jedenfalls: „Ich bewerte Menschen nach anderen Kriterien.“

Ein Leser nutzt die Kommentarfunktion der LR-Umfrage zu einem ausführlichen Statement: „Wir ,Alten’ mit DDR-Wurzeln sollten uns auch endlich das Ost-West-Vergleichen abgewöhnen“, fordert der Verfasser. Sicher gebe es noch reichlich Unterschiede und auch Ungerechtigkeiten (Löhne, Tarifverträge etc.), aber jeder könne in diesem Land auch seine Möglichkeiten nutzen.

Lesermeinung: Berichten Sie von Lausitzern im Westen

„Und wenn unsere Region oder der Osten uns und unseren Kindern nicht die Perspektiven bietet, dann kann oder muss man eben seinen Lebensmittelpunkt (vielleicht auch nur für eine gewisse Zeit) verlagern.“ Luftveränderung, neue Kontakte und Menschen kennen lernen hätten noch keinem geschadet. Die Aufforderung des Kommentators an die LR-Redaktion: „Berichten Sie bitte weiter von erfolgreichen Lausitzern im ‚Westen’ und auch von Rückkehrern mit ihren Erfahrungen.“

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