An die 25 000 Bücher werden jedes Jahr im Vorfeld der Leipziger Buchmesse veröffentlicht. Für diesen Frühling verspricht Buchmesse-Direktor Oliver Zille ein "gigantisches Feuerwerk der Literatur". Wie die Branche, so entwickelt sich auch Deutschlands zweitgrößte Buchmesse. 2014 verstopften 175 000 Bücherfreunde die Leipziger Messehallen - 7000 mehr als im Jahr davor.

Jedes Frühjahr Mitte März strömen die Massen in die Hallen, um ihre Lieblingsautoren zu treffen und Muster abzugreifen. Im Jahreskalender der Branche ist Leipzig die Plattform, um die Frühjahrs-Neuerscheinungen zu präsentieren. Anders als die große Konkurrenzveranstaltung in Frankfurt/Main setzt Leipzig zuerst aufs Publikum, erst danach auf die Verleger, Agenten und Buchhändler.

Die Begegnung zwischen Autor und Besucher steht im Vordergrund - deshalb, so heißt es, geht es im März in Leipzig geselliger zu als im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse, auch wenn dort deutlich mehr umgeschlagen wird.

Dabei hatte Leipzig die Frankfurter bereits im 17. Jahrhundert überflügelt, und lag bis 1945 vorn. Nach 1989 arbeitete man sich weiter nach vorn - und schaffte es bis jetzt auf den Vize-Posten.

Gelungen ist das quasi als Massenbewegung. Die Messe wird seit Jahren flankiert von Lesungen und kleineren Events in der City. Das Programm "Leipzig liest", das inzwischen als Europas größtes Lesefestival gilt, bot im vergangenen Jahr 3200 Lesungen an mehr als 400 Orten in der ganzen Stadt. Diesmal sollen es nicht weniger sein, kündigt Direktor Zille an.

Da lässt sich leicht vergessen, dass die Buchbranche schwere Zeiten hinter sich hat. 2013 konnten die Buchhandlungen und Verlage wieder stabile Einnahmen verzeichnen - mit 9,54 Milliarden Euro war das immerhin ein Plus von 0,2 Prozent, vermeldet der Börsenverein des deutschen Buchhandels.

Etwas hoffnungsfroher sieht es auch wieder im klassischen Sortimentshandel der Buchläden aus. Zum ersten Mal schnitt der stationäre Buchhandel deutlich besser ab - und der Online-Buchhandel fiel zurück.

Besser sieht es in den Verlagen aus, wo die Einnahmen leicht steigen. Das E-Book, gefeiert als digitale Alternative zum Papier, kommt nur langsam in die Gänge - es machte 2013 knapp vier Prozent des Umsatzes aus. Durchgesetzt haben sich indes Hörbücher, die sich immer besser verkaufen. Sie sind auch in Leipzig an den meisten der mehr als 2000 Stände zu finden. Geht es um Bücher oder um Autos, ist die Hütte voll.

Die Buchmesse ist neben der Automesse Auto Mobil International (Ami) das publikumswirksame Zugpferd der Messe in der Messestadt. Die Ami steigt alle zwei Jahre in Kombination mit der Amitec, einer Messe für Zulieferer und Zubehör. Auch hier versuchen die Leipziger den Größenunterschied mit Publikumsnähe auszugleichen: Man wirbt mit einem riesigen Angebot an Probefahrtmöglichkeiten im Straßenverkehr. Den Verlust der Games Convention vor sieben Jahren verdaute die Leipziger Messe nur schwer. Die europä ische Leitmesse für interaktive Unterhaltungssoftware wanderte 2008 nach Köln ab.

Als wirtschaftliches Zugpferd im Portfolio hat sich dafür die Ot-World etabliert, die Fachmesse für Orthopädie und Reha-Technik. Die kommt indes ohne große Besuchermassen aus.