Wie gestern bestätigt wurde, haben Mediziner schon vor Wochen in seinem Blut Spuren eines Medikamentes gegen Lepra und Tuberkulose festgestellt. Dieses Mittel kann die Mittel gegen Bluthochdruck und Herzprobleme unwirksam machen, die Milosevic von seinen behandelnden Ärzten verschrieben wurden. Niederländische Mediziner hatten bei einer Obduktion einen Herzinfarkt als Todesursache festgestellt.
Ein niederländischer Toxikologe, Donald Uges von der Universität Groningen, der vor Wochen Milosevics Blut untersucht hatte, bestätigte Berichte, dass es Spuren des Antibiotikums Rifampicin zur Behandlung von Lepra und Tuberkulose enthalten habe. Milosevic litt an keiner dieser Krankheiten. Völlig unklar blieb, ob Milosevic das Lepra-Mittel freiwillig genommen hat und wie er es sich im Gefängnis hätte besorgen können. Milosevic habe mit der Einnahme des Antibiotikums eine medizinische Behandlung in Russland erzwingen wollen, sagte Uges.
Nach der Obduktion sollen Laboruntersuchungen Auskunft darüber geben, ob sich im Körper Milosevics giftige Stoffe befanden. Ergebnisse lagen gestern noch nicht vor.
Das russische Außenministerium bestätigte, einen handgeschriebenen Brief von Milosevic erhalten zu haben, in dem dieser sich über eine "unangemessene Behandlung" durch die Ärzte des Haager Tribunals beklagt habe. In dem Schreiben nahm Milosevic demnach Bezug auf eine Blutuntersuchung im Januar. Er befürchte, vergiftet zu werden, schrieb er demnach. Russlands Außenminister Sergej Lawrow kündigte die Entsendung russischer Ärzte nach Den Haag an. (dpa/roe)