Doch ob in Ulm, Dresden, Mainz oder Kiel: Der Ärztepräsident mit dem schmalen Gesicht und dem sanften Auftreten nutzte die große Bühne des Ärztetages von Jahr zu Jahr aufs Neue, um grundlegend andere Weichenstellungen im Gesundheitswesen einzufordern. Jetzt ist Hoppe mit 71 Jahren nach längerer Krankheit in Köln gestorben.

Was Hoppe umtrieb, war die Entwicklung ärztlichen Alltags weg von einem Idealbild des freiberuflichen, nur seinem Ethos verpflichteten Mediziners. Dokumentationsbögen, lange Schichtdienste, Honorarbudgets – es schien so, als sei dem Klassikliebhaber vieles von dem, was den Arztberuf im verästelten Gesundheitssystem heute ausmacht, höchst suspekt.

Der Ärztepräsident beließ es nicht dabei, im Gewand des Interessenvertreters von mehr als 400 000 Ärzten mehr Geld zu verlangen. Er verband seine Forderungen mit einer düsteren Analyse einer in seinen Augen durchökonomisierten Medizin.

Den Ärzten selbst verordnete er mehr Bescheidenheit etwa bei den oft fragwürdigen Leistungen, die die Versicherten selbst zahlen müssen. Der Politik warf Hoppe Unehrlichkeit vor: Im Modell einer Priorisierung fand er dafür sein Thema. „Mit den Mitteln, die uns heute zur Verfügung stehen, werden wir den medizinischen Fortschritt zukünftig nicht mehr in den Praxen und Kliniken abbilden können“, sagte er. Wenn das Geld schon nicht für alles reiche, müsse die Politik entscheiden, was Ärzte hintanstellen sollen. Nicht immer fielen die Reaktionen so heftig aus wie bei der damaligen SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, die Hoppe menschenverachtende Forderungen vorwarf.

Bis vor fünf Monaten stand der Pathologe an der Spitze der Ärztekammer. Sein Engagement galt auch medizinethischen Fragen. Zu Präimplantationsdiagnostik und ärztlicher Beihilfe zu Sterbehilfe sagte er zunächst unbeschränkt Nein – später nahm er pragmatischere Positionen ein.

Hoppe starb am Montag. Er hinterlässt eine Frau und drei Kinder.