Nein, das schielende Opossum Heidi war nicht das Lieblingstier des Leipziger Zoodirektors Jörg Junhold. Zwar nahm der 47-Jährige den Hype um die unlängst dahingeschiedene Beutelratte als Spielball auf und freute sich über die mediale Aufmerksamkeit. Aber er versuchte, das Interesse stets auf den gesamten Zoo zu lenken.

Junhold hat ein Händchen für Marketing, aber er ist auch ein kühl kalkulierender Geschäftsführer. Jetzt tritt er einen weiteren Leitungsposten an: Er führt in den nächsten zwei Jahren ehrenamtlich den Weltverband für Zoos und Aquarien (WAZA). Das empfinde er als große Ehre.

Junhold ist promovierter Veterinärmediziner, hat von 1985 bis 1990 an der Universität Leipzig studiert. „Darauf bin ich sehr stolz“, sagt er. Den weißen oder grünen Tierarztkittel hat er aber längst an den Haken gehängt und gegen Anzug und Schlips getauscht. Erst betätigte er sich im Management einer Tierfutterfirma, dann war 1997 die Stelle des Zoodirektors in Leipzig ausgeschrieben.

Er griff zu und macht bis heute den Eindruck, so richtig zufrieden zu sein. „Das ist ein Traumjob, wie ich ihn mir nicht hätte besser zimmern können“, sagt er denn auch. Träume und Ideen hat Junhold viele – und er hat offensichtlich auch den nötigen Biss, sie umzusetzen. Er baute den Leipziger Zoo um, steigerte die Besucherzahlen von schwachen 678 000 auf dieses Jahr voraussichtlich 1,8 Millionen. Die notorisch klamme Stadt Leipzig überzeugte er, ein Riesenprojekt in den Tat umzusetzen: Seit dem 1. Juli ist Gondwanaland geöffnet, eine gigantische, 67 Millionen Euro teure Tropenhalle. Heidis Ruhm – und dem kräftigen Rühren der Werbetrommel – sei Dank, zieht sie Besucher in Scharen an. Fast 800 000 kamen seit der Eröffnung. Das bloße Hantieren mit Besucherzahlen mag der charismatische Zoo-Chef aber nicht als einzige Messlatte gelten lassen. „Man kann Zoos auf viele Arten vergleichen, flächenmäßig, nach dem Tierbestand, nach dem Konzept.“ Damit ist er bei seinem Lieblingsthema. „Es ist für mich der Maßstab, dass ein modernes Konzept umgesetzt wird, in dem wir die Verbindung schaffen, zwischen dem, was die Menschen hier an Tierwelt erleben können und dem Schutz bedrohter Tierarten. Das mit hohem fachlichen Anspruch und einem Erlebniswert umgesetzt – da sehe ich Leipzig in den Top-Zoos der Welt.“

Als Zoo-Chef ist er auch immer wieder der Kritik von Tierschützern ausgesetzt. „Gegen berechtigte Kritik wird sich niemand wehren“, sagt er. Blanke Emotionen ohne fachliche Argumente jedoch ärgerten ihn. „Dass Zoos immer einen Kompromiss darstellen, zwischen natürlicher Haltung und menschlicher Obhut, das weiß jeder Fachmann. Dass es manchmal noch alte Anlagen gibt, das hat nichts damit zu tun, dass wir unser Handwerk nicht verstehen, sondern das hat finanzielle Gründe. Qualifizierte Biologen, Tierärzte und Tierpfleger sind alles andere als Tierfeinde, sie haben die Tierliebe zum Beruf gemacht.“

Und welches Tier hat es nun geschafft, dem weltweiten Darling Heidi den Rang abzulaufen und den Zoo-Direktor zu begeistern? Man könnte drauf kommen, wenn man sich das großformatige Gemälde in seinem lichten, modernen Büro ansieht – dort ist eine Elefantenherde verewigt. „Elefanten haben es mir angetan. Das sind schöne, majestätische, kluge, gedächtnisstarke, soziale Tiere.“