Der Oberbürgermeister befürwortet auch eine "Konzentration im Leipziger Raum" durch eine Fusion der Landkreise Delitzsch und Leipziger Land. Die betroffenen Landräte Petra Köpping (SPD) und Michael Czupalla (CDU) würden über das Thema bereits Gespräche führen. Dass die Landkreise heute von unterschiedlichen Parteien geführt werden, sei in 15 Jahren unerheblich. "Wenn die Leistungen für die Bürger so weit wie möglich erhalten bleiben sollen", so Tiefensee in einer Erklärung, "dann geht an effizienten Verwaltungsstrukturen kein Weg vorbei. Sie sind das A und O - und nicht etwa lokale Befindlichkeiten."
Als SSG-Vizepräsident räumte Tiefensee allerdings große persönliche Betroffenheit und Empörung bei einigen Kommunalvertretern ein. So sei von den Städten Zwickau und Plauen, die ihre Kreisfreiheit verlieren sollen, verständlicherweise Protest zu erwarten. Hoyerswerda und Görlitz haben dagegen die Aufgabe der Kreisfreiheit schon beschlossen. Trotz der unterschiedlichen Interessen wolle der Städte- und Gemeindetag eine einheitliche Position finden. Für den 8. November ist dafür eine Sondersitzung von Präsidium und Vorstand einberufen.
Eine Expertenkommission der Regierung will am 18. Oktober offiziell ihre Vorschläge zur Verwaltungsreform vorstellen. Bereits am Abend des 17. Oktober plant Regierungschef Georg Milbradt (CDU) ein Gespräch mit den CDU-Landräten. Hintergrund ist die Wiederwahl Milbradts als Parteichef Anfang November. Tiefensee fordert, die Staatsregierung und der Landtag sollten zügig zu Entscheidungen kommen. Scharf wies der Oberbürgermeister die Absicht der Bundesregierung zurück, Hartz IV-Zuschüsse von den Kommunen in Milliardenhöhe zurückzufordern. Das Vorhaben sei "realitätsfremd", und "unseriös". Auf Sachsens Kommunen kämen Belastungen von rund 250 Millionen Euro zu. Damit drohe den Städten und Kreisen der "Notstand", so Tiefensee. Der Bund müsse die zugesicherte Entlastung der Kommunen um bundesweit 2,5 Milliarden einhalten.
Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch beschlossen, den Bundesanteil von 29,1 Prozent der Miet- und Heizkosten für Bezieher von Arbeitslosengeld II rückwirkend zum 1. Januar 2005 zu streichen. Dadurch drohe Sachsens Kommunen "die größte Krise seit 1990", so Tiefensee. Sie litten ohnehin unter der rasant wachsenden Zahl von Hilfeempfängern - allein in Leipzig stieg die Zahl von 33 000 auf 43 000. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund droht bereits mit dem Rückzug der Kommunen aus der Betreuung der Langzeitarbeitslosen.