Mit sächsischem Mundwerk und Mutterwitz bedient sie Kunden. Doch wehe es versucht jemand, die Idylle zu stören. Schon zweimal wurde Edith Flohr (59) von den berüchtigten Räubern, die seit Monaten Angst und Schrecken in Leipziger Lottogeschäften verbreiten, überfallen.Aber immer bot sie den Gangstern die Stirn.Eigentlich glaubt sie zuerst an das Gute im Menschen. Seit über 40 Jahren ist sie Verkäuferin. Doch wenn heutzutage die Tür vom Mini-Lädchen aufgeht, schaut sie erst einmal skeptisch. Seitdem in Leipzig von Unbekannten systematisch Lottoläden mit nur einer Angestellten überfallen werden, sind Edith Flohrs innere Antennen auf Alarm ausgerichtet. Glücklicherweise entpuppt er sich meist als Fehlalarm. Aber zweimal geriet sie hinter ihrem Ladentisch in Situationen, die sie bis dahin nur aus Krimis kannte. "Das erste Mal wollte ein junger Typ um die Mittagszeit Zigaretten kaufen. Als ich ihm die Schachtel geben wollte, fuchtelte er mit einer Pistole rum und rief: Geld her!", erinnert sich Edith Flohr. Da sie instinktiv vermutete, dass es sich um eine Spielzeugpistole handelte, ging sie auf Konfrontation. "Ich brüllte ihn an, dass er mir gerade noch in meiner Raupensammlung gefehlt hat und drückte ihm die Schachtel Zigaretten ins Gesicht. Damit hatte er nicht gerechnet. Gleichzeitig schubste ich ihn aus dem Laden", erzählt sie siegessicher und schimpft: "Diese jungen Kerle sollen gefälligst arbeiten gehen. Ich sehe gar nicht ein, dass sie so leicht an Geld kommen." Im November, nur fünf Monate später, musste sie den nächsten Überfall über sich ergehen lassen. Diesmal waren es gleich zwei Täter. "Einer forderte mich auf, die Kasse zu öffnen, während mich der andere mit einem Messer bedrohte", beschreibt sie die brenzlige Situation. Edith Flohr schaltete auf stur und meinte, dass der Räuber gefälligst selbst die Kasse aufziehen soll. "Er kannte sich wirklich gut aus, tippte 3,90 Euro ein und holte alle Scheine raus. Als er auch noch das Hartgeld wollte, reichte es mir. Ich nahm die Kassenlade und alles sonst noch Greifbare und schlug die Täter damit in die Flucht", denkt sie zurück. Seitdem plagen sie nachts Albträume. Sie hat immer wieder das Messer vor Augen. Doch ans Aufhören denkt sie nicht. "Ich bin mit Leib und Seele Verkäuferin. Die Arbeit in meinem Lädchen ist für mich die beste Therapie", glaubt die Angestellte. Dabei macht sie keinen Unterschied zwischen ihren Kunden. "Ich bediene den Professor genau so freundlich wie den Straßenbauer. Nur bei Räubern, da kann ich fuchtig werden.".