Der Hochschulrat steht seit Monaten unter heftigem Beschuss, weil er die Bewerbung der Rektorin Beate Schücking für eine weitere Amtszeit abgelehnt hatte. Die hofft seitdem auf den Senat und die Studentenvertreter, um doch noch auf die Bewerberliste zu kommen.

Doch noch ist nichts entschieden. Eine Sitzung des Senats Anfang der Woche brachte kein wirkliches Ergebnis. Wie aus der internen Sitzung bekannt wurde, hätten einige Senatoren versucht, die Liste der Kandidaten für den Führungsposten zu erweitern - nämlich um Schücking. Doch die Aussichten sind eher schlecht - denn der Senat hat auf die Personalie nur geringen Einfluss.

Anders als der Hochschulrat. In dieser Art Aufsichtsrat für die Hochschule sitzen neun Leute. Fünf von ihnen werden vom Wissenschaftsministerium in Dresden benannt. Ihr Einfluss macht sich gerade bei Besetzungsfragen bemerkbar. Auf die Rektorenwahl haben die neun großen Einfluss. Sie legen dem Senat die handverlesenen Bewerber vor, aus denen der dann auswählen kann.

Für die 2016 neu zu besetzende Stelle hat der Hochschulrat der Leiziger Uni zwei Historiker von außerhalb im Auge. Neben dem Münsteraner Osteuropa-Experten Eduard Mühle hat auch der Historiker und Philologe Tassilo Schmitt von der Uni Bremen den Hochschulrat überzeugt. Zwei Leipziger Bewerber gehen leer aus. Weder der Physik-Dekan Jürgen Haase noch Amtsinhaberin Schücking sind noch im Rennen.

Die 59-jährige Medizinerin leitet die Uni seit 2011. In ihrer Amtszeit hatte das Haus schmerzhafte Sparauflagen aus Dresden zu stemmen. Die Situation verglich Schücking in der Öffentlichkeit mit der "Amputation ganzer, gut funktionierender Muskelgruppen". Als sie im Juli von ihrer Absetzung erfuhr, ging sie gleich in die Gegenoffensive. Sie solle abgestraft werden für ihre Weigerung zu sparen, erklärte Schücking öffentlich. Zwar hat die schwarz-rote Staatsregierung in Dresden die Einsparungen der Vorgängerregierung weitgehend kassiert. Doch als Relikt der CDU-FDP-Ära bleibt der Hochschulrat, der noch von Ex-Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) eingesetzt wurde. Der Studentenrat fordert jetzt gar den Hochschulrat zum Rücktritt auf. Mit ihm sei "das Wohl der Hochschule in Gefahr", heißt es in einer Mitteilung. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) mahnt dagegen Mäßigung an. Es sei "kein rechtlicher Verstoß beim bisherigen Verfahren erkennbar".

Beate Schücking beruft sich unterdessen auf ihre Erfolge: "Wir sind eine sehr attraktive und in vielen Bereichen erfolgreiche Universität", betont die Rektorin. Mehr als 7000 junge Leute beginnen in diesem Wintersemester ihr Studium an der Alma Mater in Leipzig. Ein Drittel aus Westdeutschland, elf Prozent aus dem Ausland.