Vorlesen vermittelt Kindern Sprachkompetenz und weckt später Lust, selbst ein Buch in die Hand zu nehmen, ist sich Christoph Schäfer von der Mainzer Stiftung Lesen sicher. Trotzdem gaben 42 Prozent von 1000 Eltern in einer Befragung der Stiftung an, mit ihren Kindern bis zum Alter von zehn Jahren gar nicht oder nur unregelmäßig in Büchern zu schmökern.Schäfer glaubt, die Ursachen für die elterliche Vorlese-Unlust zu kennen. "Es fehlt an Bewusstsein für die Bedeutung des Vorlesens", sagt er. Hinzu komme der Zeitmangel gestresster berufstätiger Eltern. Der 2007 gegründete Verein LeseLust Leipzig organisiert Veranstaltungen rund um das Buch wie Lesewanderungen, Lesungen, ein Lesefest im Sommer und sucht nach Paten, die Kindern in Buchhandlungen, Cafés, Kitas oder Schulen Bücher näher bringen. "Das Buch soll bei Kindern einen besonderen Stellenwert bekommen", wünscht sich Jana Haußmann. Die 27-Jährige ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins und organisiert mit ihren meist ebenso jungen Vereinskollegen regelmäßig Lesungen für die Kleinen. Erst kürzlich ging es im Kindercafé "Nebenan" in Leipzig um "Flori Flunkerfisch" und seine Abenteuer. Wie immer bei solchen Veranstaltungen saßen ehrenamtliche Lesepaten wie Gudrun Gartenmann mit den Kindern auf einem plüschigen Sofa, um ihnen spannende Geschichten zu präsentieren. Die Kleinen im Alter zwischen einem und fünf Jahren hörten gespannt zu. "Ich habe eine achtjährige Enkelin, der ich früher viel vorgelesen habe. Inzwischen liest sie selber sehr gut", berichtet Lesepatin Gartenmann. Die Endfünfzigerin ist seit einem Jahr dabei. Über die Leipziger Freiwilligen-Agentur sei sie zum Verein gekommen. Der habe ihr einen kostenlosen Workshop ermöglicht, bei dem sie viel über Vorlese-Technik und kreatives Gestalten gelernt habe. Gartenmann ist eine von 90 Lesepaten, auf die der Verein zurückgreifen kann. "Wir wollen auch an die Kinder aus bildungsfernen Schichten ran, die oft zu Hause nicht so viel vorgelesen bekommen", sagt Vereinsmitglied Tomma Ahlers. Die Stiftung Lesen in Mainz startete zudem vor vier Jahren in Sachsen und Rheinland-Pfalz das Projekt "Lese-Scouts". Das sind nach Angaben von Schäfer Schüler der 5. bis 10. Klassen, die jüngere Kinder für Bücher begeistern wollen. "Sie organisieren Vorlese- und Quizaktionen oder gehen mit anderen Kindern in eine Literaturverfilmung", berichtet Schäfer. Mittlerweile gebe es allein im Freistaat 400 solcher Lese-Scouts. Während der Leipziger Buchmesse in der kommenden Woche wird die Stiftung den "Preis der jungen Leser" vergeben. Aus mehr als 63 000 Lieblingsbüchern von Kindern wird damit das beliebteste ausgezeichnet.