Nach der Wende vollzog sich mit der Stilllegung der Tagebaue und Fabriken ein radikaler Strukturbruch, der Zehntausende die Arbeit kostete. Zugleich begann die Rekultivierung der ökologischen Hinterlassenschaften: Das Leipziger Neuseenland ließ sich zunächst wie eine Vision an. Heute gehört es zu den Großprojekten der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau- Verwaltungsgesellschaft LMBV, ebenso wie in Sachsen-Anhalt die Goitzsche bei Bitterfeld oder der Geiseltalsee bei Merseburg.
"Das Neuseenland wird künftig zehn Seen umfassen", sagt Karin Franke, LMBV-Sprecherin in Sachsen. Auf rund 450 Quadratkilometern wächst eine Landschaft mit Seen, Wäldern und Hügeln - ein Paradies für Wassersportler und Wanderer. "Für den Markkleeberger See wird der Wasserendstand Mitte 2007 erreicht sein", sagt Franke. Dann hat der See eine Tiefe von maximal 58 Metern. Trotz weiterer Flutung und etliche Arbeiten, die noch zu tun sind, steht der Nutzung nichts mehr im Wege.

Aufwertung der Lebensqualität
Die Stadt Markkleeberg schaut weniger auf vordergründige wirtschaftliche Aspekte, wenngleich man sich von Tourismus auch gute Geschäfte erhofft. "Die Markkleeberger haben den See vor der Haustür. Das ist eine deutliche Aufwertung der Lebensqualität und ein Angebot für Freizeit und Erholung", sagt Stadtsprecherin Anke Patzschke. Während das Südufer der Natur vorbehalten bleibt, locken an den anderen Gestaden eine Seepromenade sowie Badestrände. Highlight soll der Kanupark sein.
Für die LMBV ist seit rund zwei Jahren die Flutung der Bergbaufolgeseen Schwerpunkt. An 37 von 46 größeren Bergbaufolgeseen wurde bisher damit begonnen. Die LMBV rechnet damit, dass auch in der Lausitz die zum Teil erst später ausgekohlten und stillgelegten Tagebaue bis Mitte des kommenden Jahrzehnts gesichert und geflutet sind.

Investition in die Zukunft
Für LMBV-Chef Mahmut Kuyumcu ist die Braunkohlesanierung eine wirksame Investition in die Zukunft, mit der die ehemaligen Braunkohleregionen wieder eine Perspektive bekommen. "Die Ergebnisse werden zunehmend überregional und auch international wahrgenommen", sagt er. Allein im Jahr 2005 wurden 328 Millionen Euro für die Braunkohlesanierung bereitgestellt.
Während sich im früheren ostdeutschen Braunkohlerevier eine Seenplatte mit gigantischen Ausmaßen ausbreitet, fehlt es an abgestimmten und länderübergreifenden Nutzungskonzepten, wie kürzlich bei einer Veranstaltung des Regionsforums Mitteldeutschland beklagt wurde. Noch kochen die Anrainerkommunen zumeist ihr eigenes Süppchen.
Politiker aus Sachsen-Anhalt und Sachsen mahnen indessen, im Interesse von Investitionen und Arbeitsplätzen kommunale Egoismen rasch zu überwinden und sich an einen Tisch zu setzen.