Der neue Standort weitab des Leipziger Zentrums ist wenig repräsentativ, die Rückflanke und die beiden Seiten des 33-Tonnen-Monuments werden von profanen Betonwänden umhüllt, in denen das Relief verankert wird. Nur von vorne hat man freie Sicht auf Karl Marx. Mit den Fingerspitzen bugsieren die beiden Kranführer das Denkmal vor die Wand, lassen es langsam herab, und dann beginnt die Feinarbeit der Monteure, damit der Philosoph wieder einen festen Stand hat. Seit dem Frühjahr hatte er an der Uni Leipzig liegend auf seine Montage gewartet.

Heftiger Streit
In diesen Monaten hatte es heftigen Streit darum gegeben, ob das 33 Tonnen schwere Relief des kommunistischen Theoretikers überhaupt wieder aufgerichtet werden sollte. Prominente Leipziger wie der ehemalige Nikolaipfarrer Christian Führer oder der Schriftsteller Erich Loest reagierten ablehnend bis empört. Ein Marx, gar in dieser Größe, gehöre nicht mehr öffentlich ausgestellt. Doch die Universität, der das Denkmal gehört, setzte sich durch. Das Monument sei ein zeitgeschichtliches Zeugnis, mit dem man sich aktiv auseinandersetzen müsse, argumentierte Uni-Rektor Franz Häuser. Und zur Beruhigung der Kritiker bekommt das 14,4 mal 6 Meter große Monument noch eine Schautafel hinzugefügt, auf der der Philosoph und die Folgen seines Werks historisch und politisch eingeordnet werden.

Pragmatische Monteure
Die Arbeiter sehen die Rückkehr des Kapitalismuskritikers gestern in Leipzig eher praktisch. "Wir montieren normalerweise Brücken und große Industrieteile", sagt Kranführer Klaus Wild. Das Monument stelle da technisch keine großen Herausforderungen. Windig dürfe es nicht sein, wegen der großen Fläche, und gegen die Sonne arbeiten sei auch schwierig, man sehe dann so schlecht. An diesem Tag gelingt es ihm jedoch, das Denkmal problemlos durch die Luft zu bugsieren.
"Das sind wahre Artisten", lobt Ullrich Kühne die Baggerführer. Kühne ist Geschäftsführer der Kunstgießerei Lauchhammer, die das Monument 1974 hergestellt und 2006 auch wieder vom Hauptgebäude der Leipziger Uni am Augustusplatz mitten in der City entfernt hat. Mit dem Relief verschwanden auch gleich große Teile der im nüchtern-sozialistischen Stil errichteten ehemaligen Karl-Marx-Universität, um einem modernen Neubau Platz zu machen.
In den vergangenen Monaten hatten Kühnes Arbeiter den für die Demontage in drei Teile zersägten Bronze-Marx in der Horizontalen wieder zusammengeschweißt und für die Montage präpariert. Den Streit um Marx kann Kühne dabei nicht nachvollziehen. "Ich hab' so viele Bismarcks schon aufgestellt, nie hat sich einer darüber beschwert", sagt er.