Mit bis zu 2,5 Milliarden Euro sei dies das deutschlandweit bislang größte Nahverkehrspaket, das vergeben werden soll. Korruptionsexperten erwarten schon jetzt einen Kampf mit harten Bandagen um die Schienenstränge unter der Messestadt.
Insgesamt sind in und um Leipzig ab 2009 rund 11,2 Millionen Zug-Kilometer zu vergeben, davon 7,4 Millionen im ZVNL-Gebiet. "Zusammen ist das rund ein Drittel des gesamten Nahverkehrs in Sachsen", erklärt Glowienka. Vor Jahren hatte die Ausschreibung des Schienenpersonennahverkehrs in Brandenburg Aufsehen erregt. Damals ging es um eine Summe von rund 1,9 Milliarden Euro. Der Zuschlag ging an die Deutsche Bahn, doch Dauer-Konkurrent Connex brachte den Fall vor Gericht.
Das Oberlandesgericht in Brandenburg (Havel) entschied im September 2003 gegen Connex. Nahverkehr müsse nicht öffentlich ausgeschrieben werden, sondern könne im Ermessen des Aufgabenträgers vergeben werden, urteilten die Richter. Genau das will der ZVNL jedoch nicht. "Wir wollen europaweit ausschreiben", sagt Glowienka. Neben der Bahn rechnet er mit Angeboten von Connex und sechs weiteren Bahn-Unternehmen, unter anderem aus den Niederlanden, Dänemark, England, vielleicht auch ein asiatisches Konsortium.

Drohgebährden denkbar
Mit diesem Wettbewerb werde sich die Bahn aber kaum anfreunden, prophezeit Ralf Leinemann. Der Berliner Anwalt berät die Anti-Korruptionsorganisation "Transparency International" (TI) und hat einschlägige Erfahrungen mit Verkehrs-Vergaben. Das Brandenburger Urteil habe die Bahn damals als großen Erfolg gefeiert, sagt er. "Die werden versuchen, Druck auszuüben", sagt Leinemann. Drohen könne man zum Beispiel mit Arbeitsplätzen und Bahn-Werken.

Politischer Einfluss macht Angst
Glowienka weiß, worauf er sich eingelassen hat. Die Aufgabe ist riesig, aber vor der technisch-formalen Seite habe er weniger Angst. Man habe sich juristischen Beistand geholt, um ja keine Fehler im Verfahren zu machen, die unterlegene Anbieter dann anfechten könnten. "Der politische Einfluss ist es, der mir Angst macht", sagt er. Jeder Politiker wolle mitreden, immerhin seien durch den City-Tunnel fünf angrenzende Landkreise und die entsprechenden Zweckverbände betroffen. "Und insgesamt vier Bundesländer", fügt er hinzu.
TI-Anwalt Leinemann sieht die Probleme noch weiter oben angesiedelt. "Das ist das ganz große Spiel", sagt er. Bereits in der Vergangenheit habe die Bundesregierung immer versucht, die Bahn zu bevorzugen. Und er verweist auf die momentane personelle Situation: Der ehemalige Leipziger Bürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) ist heute Bundesverkehrsminister und als solcher für die Bahn zuständig.