Ein braches Bahngelände westlich des Hauptbahnhofs gerät jetzt in den Fokus der Stadtplaner. Das Areal von 108 000 Quadratmetern hat der Immobilien-Entwickler Aurelis Real Estate aus Berlin kürzlich verkauft. Neue Besitzerin ist die "Leipzig 1 GmbH", eine Gründung zweier Bremer Immobilienunternehmen. Damit macht sich die Hoffnung breit, dass es auf einer der letzten großen Freiflächen der Innenstadt endlich losgehen kann. Auf dem Gelände am ehemaligen Thüringer Bahnhof soll ein gemischtes Quartier mit Wohnungen, Büros und Gewerbeflächen entstehen, teilte Aurelis am Freitag mit. Das Unternehmen, das vor allem Grundstücke aus ehemaligem Besitz der Bahn entwickelt, hatte den Thüringer Bahnhof in Leipzig 2005 erworben. Pläne, hier Wohnungen zu bauen, kamen aber nicht weit, deshalb jetzt der Verkauf an einen Investor.

Der müsste zuerst einiges abreißen. Auf der lange nicht genutzten Fläche stehen noch alte Wartehallen, Lager und Speicher. Historisch wertvoll ist indes das ehemalige Zollgebäude westlich des Hauptbahnhofs - es steht unter Denkmalschutz. Ein weiterer neuer Stadtteil soll weiter nördlich entstehen. Für das Gelände des ehemaligen Eutritscher Freiladebahnhofs kündigte Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) bereits einen baldigen Bebauungsplan an. Leipzig könne sich "glücklich schätzen, über solche innerstädtischen Potenziale für ein weiteres Einwohnerwachstum zu verfügen", sagte Dubrau der Leipziger Volkszeitung. Sie warnte aber vor zu viel Euphorie - es dauere 15 bis 20 Jahre, bis die letzten Häuser stehen würden.

Der Schwerpunkt des Wachstums rückt damit in den Norden der Stadt. Denn die bereits ins Auge gefassten Projekte südlich des Zentrums stocken. Die vor fünf Jahren angestoßenen Entwicklungspläne für das Gelände hinter dem alten Bayerischen Bahnhof kommen nicht recht voran. Die Stadt wollte laut Dubrau das Gelände erwerben, ist sich aber mit den Grundstückseigentümern noch nicht einig geworden.

Weiter ist die Stadt am Lindenauer Hafen. Für die Grundstücke am neuen Verbindungskanal läuft derzeit die Investorenauswahl. Vor einem Jahr wurde das Verbindungsstück zwischen dem Hafen aus der Gründerzeit und dem Elster-Saale-Kanal geflutet. So entstand eine 75 Meter lange Promenade. Fünfgeschossige Stadthäuser stellt sich die Baubürgermeisterin hier vor. Die meisten Grundstücke sind schon weg, in den nächsten Monaten sollen die Bagger anrollen.