Fast 20 Jahre, nachdem sie ihren letzten Messereisenden verabschiedet haben, richtet das Ehepaar nun sein Fernsehzimmer wieder für Besucher her: Die Voßbecks haben sich bei der Aktion "Betten für Leipzig" angemeldet. Weil in der zweiten Juniwoche für drei Großveranstaltungen in Leipzig 280 000 Gäste erwartet werden, suchen die Veranstalter per Aufruf nach privaten Unterkünften. Denn die Stadt hat nur etwa 12 000 Hotelbetten. Die Idee, dass die Leipziger zusammenrücken und so Platz für die Besucher schaffen, gab es schon in den 1920er-Jahren. Zu DDR-Zeiten war es eine der wenigen Gelegenheiten, Gäste aus aller Welt kennenzulernen. "Wir fanden das spannend damals", erzählen Heidemarie und Günter Voßbeck. "Auch unsere beiden Kinder haben sich drauf gefreut." Den Begriff "Messemutti", der hier und da zu hören war, findet Heidemarie Voßbeck persönlich "schrecklich und miefig", wie sie sagt. Schließlich sei sie damals eine junge Frau gewesen. Schon ihre Mutter habe in den 1950er-Jahren vermietet, erzählt Heidemarie Voßbeck. Dabei musste alles seinen geordneten, sprich sozialistischen, Gang gehen: "Beim Messeamt mussten wir uns als Vermieter registrieren lassen. Anschließend kam eine Dame vorbei, die sich das Zimmer anschaute. Dann wurde der Preis ausgemacht", erinnert sich Heidemarie Voßbeck. Auch wie das Frühstück auszusehen hatte, wurde festgelegt. Ein Ei, etwas Wurst, Käse, dazu ein Kännchen Kaffee. Kam dann der Messegast, musste er sich beim Hausverwalter ins Hausbuch eintragen beziehungsweise in ein Buch, das die Voßbecks selbst führten. Vermietet haben viele Leipziger - laut Andreas Schmidt von der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH waren es Tausende. Dieser kleine Nebenverdienst war über all die DDR-Jahre relativ sicher: "Die Hotelbetten reichten ja nie aus, vor dem Messeamt standen immer Schlangen." dpa/mb