Er sei froh, dass Leipzig nun von "diesem Albtraum" befreit ist, sagte Polizeipräsident Horst Wawrzynski am Montag in Leipzig. Auch vielen Eltern vor allem im Leipziger Südosten, wo Michelles Familie bis zu dem Mord wohnte, wurde nun die Angst genommen, dass der Täter noch einmal zuschlagen könnte. Michelle war am 18. August auf dem Heimweg von ihrem Ferienhort verschwunden. Ihre Eltern meldeten sie daraufhin als vermisst. Drei Tage später dann wurden die schlimmsten Befürchtungen wahr: Ein Spaziergänger fand die tote Michelle in einem Wäldchen. Ihre Leiche lag in einem Teich, gut anderthalb Kilometer von der damaligen Wohnung von Michelles Familie entfernt. Fieberhaft suchte die Soko "Michelle" seitdem nach dem Mörder. Es sei der "akribischen Ermittlungsarbeit", dem "Durchhaltevermögen" der Beamten und nicht zuletzt der Arbeit von Profilern zu verdanken, dass der mutmaßliche Mörder von Michelle nun gefasst wurde, sagte Wawrzynski. Am Sonntag gegen 17.10 Uhr wurde der 18-Jährige festgenommen. Gegen ihn wurde am Montag Haftbefehl erlassen. Offenbar fühlte sich der junge Mann zuletzt extrem in die Enge gedrängt. Denn für Sonntagnachmittag hatte sich die Ermittlertruppe angemeldet, um ihn in seiner Wohnung zu befragen - wie zuvor schon Tausende andere Anwohner im Wohngebiet von Michelle. Anhand eines streng schematischen Frageprogramms hatte die Soko in den vergangenen Monaten Haus um Haus, Straße um Straße abgearbeitet. Doch zur Befragung des 18-Jährigen kam es nicht mehr. Er erschien stattdessen gemeinsam mit seiner Mutter auf einem Polizeirevier. Druck der VernehmungZunächst versuchte sich der Jugendliche noch, durch Unwahrheiten herauszulavieren. So erklärte er, ein Unbekannter habe ihm nach Michelles Verschwinden einen Sack zugeworfen mit der Aufforderung, diesen "zu entsorgen". Deshalb habe er die Leiche des Kindes im Teich abgelegt. Unter dem Druck der Vernehmung gab der 18-Jährige schließlich zu, Michelle getötet zu haben. Zuvor soll er nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Hans Strobl versucht haben, die Achtjährige zu missbrauchen. Aufgrund der Aussagen des Verdächtigen fanden die Ermittler auch die pinkfarbene Tasche des Mädchens, die seit der Tat verschwunden war. Es war die größte Sonderkommission, die es in Sachsen jemals zur Aufklärung eines Verbrechens gegeben hat. Rund 20 000 Hinweise sowie Spuren - von Fingerabdrücken bis zu Hautschuppen - haben die Ermittler ausgewertet. Rund 10 000 Anwohner wurden zu dem Fall befragt, wie Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) betonte. Die Polizei durchkämmte leer stehende Häuser, Grundstücke und Friedhöfe. Spezielle Suchhunde wurden eingesetzt. Soko mit 177 Beamten Sogar die TV-Sendung "Aktenzeichen XY. . .ungelöst" berichtete über den Fall. Die Soko wurde zeitweise auf bis zu 177 Beamte aufgestockt. Zur Aufklärung des Gewaltverbrechens hatte die Polizei 10 000 Euro ausgesetzt. "Mir ist jedesmal angst und bange geworden, wenn wieder ein vermisstes Kind gemeldet wurde", sagte Wawrzynski. Wie Michelle gestorben ist, dazu gaben die Ermittler keine Auskunft. Klar ist nur: Das Mädchen mit der rotblonden Pagenfrisur starb noch am Tag ihres Verschwindens. Und der Täter kannte sie offenbar über seine Ausbildung zum Sozialassistenten. Michelles Familie, die nach dem Verbrechen aus Leipzig weggezogen ist und heute an einem unbekannten Ort lebt, nahm die Ergreifung des mutmaßlichen Mörders mit Erleichterung auf. Der Vater habe "sehr ruhig und gefasst" reagiert, sagte die Anwältin der Opferfamilie, Ina Alexandra Tust. Den Verlust ihrer Tochter kann der Fahndungserfolg freilich nicht wettmachen.