Diese jungen Leipziger Schwimmer können auf die Austragung der Olympischen Spiele in Leipzig hoffen. Denn die sächsische Metropole landet knapp hinter Hamburg auf dem zweiten Platz der Auswahlkommission – und die endgültige Entscheidung fällt erst am 12. April in München.
In einer gestern in Frankfurt/Main veröffentlichten Bewertung der NOK-Kommission liegt die zweitgrößte deutsche Stadt mit 428,18 Punkten vor Leipzig (421,37), Frankfurt (417,32), Düsseldorf (409,44) und Stuttgart (408,32). Benotet wurden 16 Kriterien, darunter zehn durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) vorgegebene Themen.

Rostock im Rennen
Bei den Bewerbern um die olympischen Segelregatten fällt die Entscheidung voraussichtlich zwischen Kiel (343,38) und Rostock (335,86). Die Ostsee-Städte liegen klar vor den Mitbewerbern Lübeck (315,08), Stralsund (295,45) und Cuxhaven (287,90). Kiel, 1936 und 1972 bereits zwei Mal olympische Segelstadt, wurde in neun der zwölf Kriterien am höchsten bewertet.
NOK-Präsident Klaus Steinbach nannte den von der Auswahlkommission erarbeiteten Prüfungsbericht eine „hervorragende Grundlage zur Meinungsbildung. In ihm steckt viel mehr Substanz als das reine Zahlenwerk“. Zugleich betonte Steinbach, dass „jede Stadt noch eine Chance hat“. Das „aussagestarke Gutachten“ liefere für die Entscheidung eine „wichtige, aber nicht alleinige Grundlage“. Die Aufgabe des NOK sei es nun, jene Stadt auszuwählen, die international die größten Chancen hat.
Der Vorsitzende der Evaluierungskommission, Dieter Graf Landsberg-Velen, sagte: „Alle fünf Bewerber sind für das Finale qualifiziert. Wer da als Erster über die Ziellinie geht, kann heute keiner sagen.“ Das NOK selbst habe auf ein Ranking verzichtet, um offen zu lassen, „was am 12. April bei der Stimmenabgabe passiert“. Bei der Außerordentlichen NOK-Mitgliederversammlung verfügen 73 Mitglieder über 137 Stimmen.
Die Olympia-Bewerber werden sich in den verbleibenden vier Wochen besonders um die Voten der 32 Fachverbände mit olympischen Sportarten bemühen, deren Vertreter in München jeweils drei Blockstimmen zu vergeben haben. „Natürlich wird es in den nächsten vier Wochen Einflussnahme geben auf die Abstimmenden. Ich hoffe nur, es sind faire Einflussnahmen“, sagte Landsberg-Velen.
Hamburg hat mit seiner Bewerbung („Spiele am Wasser“) rund um die Hafen-City, die die Veranstaltung von 90 Prozent der Wettkämpfe in einem Radius von zehn Kilometern rund um das Olympische Dorf ermöglicht, in neun der 16 Kriterien den ersten Platz belegt. Düsseldorf liegt vier Mal vorn, Leipzig und Frankfurt je drei Mal, Stuttgart ein Mal. In den Internationalen Kriterien nimmt die Hansestadt (299,52) vor Frankfurt (296,40) und Leipzig (295,36) Platz Eins ein. Düsseldorf (284,36) belegt mit der Flächenbewerbung Rhein-Ruhr den letzten Platz hinter Stuttgart (286,06).
Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust reagierte zurückhaltend auf die gute Bewertung durch das NOK. „Das wichtigste ist, das Deutschland Austragungsort für die Olympischen Spiele 2012 wird“, sagte von Beust.
Zufrieden zeigte sich Gerry Kley, Sportminister Sachsen-Anhalts und Vorsitzender der Sportministerkonferenz: „Der Countdown findet am 12. April statt. Jeder Bewerber wird seine Chance bei dieser Präsentation zu nutzen wissen. Endlich war wieder Aufbruchstimmung zu spüren. Über den Sport ist es möglich geworden, die Regionen zu mobilisieren.“

„Chance für Nachwuchssport“
Hermann Winkler, Präsident des Landessportbundes Sachsen, erklärte: „Unsere Bewerbung liegt beim Kriterium Bevölkerungszustimmung auf Platz eins. Das ist für den Landessportbund eine wichtige Sache. Es war richtig, von Anfang an die Vereine mit ins Boot zu nehmen, weil sie in der Bewerbung eine Chance für den Nachwuchsleistungssport sehen. Deshalb geht mein Dank an unsere Vereine. Mit dieser Mannschaftsleistung können wir auch das Endspiel gewinnen.“ Ihm pflichtete Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt bei: „Ich freue mich über das Ergebnis. Es zeigt, dass wir eine hervorragende Bewerbung abgegeben haben. Jetzt beginnt der Endspurt. Bis zum 12. April werden wir kämpfen und alles geben, um noch auf Platz eins zu kommen. Ich werde mich bis zur endgültigen Entscheidung des NOK wie bisher bei allen sich bietenden Gelegenheiten für Leipzig einsetzen. Natürlich diskret, nicht im Sinne einer großen Road-Show. Denn die Unabhängigkeit jedes einzelnen NOK-Mitglieder muss respektiert werden. Wir wollen sie nicht bedrängen.“
IOC-Vizepräsident Thomas Bach meinte: „Der deutsche Kandidat wird ein sehr starker Kandidat sein in einem Wettbewerb, der härter denn je sein wird.“ Er nannte den Bewertungsbericht „exzellent, er bietet eine sehr wesentliche Entscheidungshilfe.“
Das IOC vergibt die Olympischen Spiele des Jahres 2012 im Juli 2005 in Singapur. (dpa/rw)