Von Mathias Hausding

 Im Streit darüber, welche Gebühren Notärzte bei einer Leichenschau abrechnen dürfen, hat sich jetzt die Brandenburger Landesärztekammer mit einer Klarstellung zu Wort gemeldet. Hintergrund ist die Beschwerde eines Hinterbliebenen aus dem Kreis Märkisch-Oderland. Torsten Volkmann hatte in der RUNDSCHAU seinem Ärger darüber Luft gemacht, dass die nach dem Tod seiner Schwiegermutter gerufene Notärztin unter anderem eine „Fremdanamnese“ in Höhe von 67,80 Euro abgerechnet habe. Der Bestatter hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, dass er leider eine offensichtlich überhöhte Rechnung an die Familie weiterleiten müsse. Mit Beschwerden bei der Landesärztekammer über  jene unter Medizinern teilweise verbreitete Abrechnungspraxis sei er abgeblitzt, wie der Bestatter der RUNDSCHAU sagte. „Das kommt bundesweit immer wieder vor, leider auch in unserer Region“, bestätigte Fabian Lenzen, Sprecher der Bestatter-Innung Berlin-Brandenburg.

Nun stellt die Brandenburger Landesärztekammer auf Anfrage schriftlich klar: „Die Fremdanamnese ist nach herrschender Meinung nicht abrechenbar.“ Daniel Sobotta, Justiziar der Kammer, verweist zur Begründung für die Unzulässigkeit auf die Abrechnungsziffer 100 in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), die Leistungen für die Untersuchung eines Toten umfasse. Hinzu könnte dann etwa noch Wegegeld oder ein Feiertagszuschlag kommen.

Die Fremdanamnese aber ist laut Gebührenordnung eine Leistung, die Ärzte ausdrücklich bei Kranken abrechnen können, zum Beispiel wenn ein Mediziner Infos über einen Patienten von Dritten einholt oder Angehörige darüber unterrichtet, wie sie die Person versorgen können.

„Meine Schwiegermutter war aber nicht krank, sondern tot“, hatte sich Torsten Volkmann über die Rechnung der Ärztin geärgert.

Der Streit um die Leichenschau-Gebühren hat indes auch bei unseren Lesern für intensive Diskussionen gesorgt. Ein offenbar fachkundiger Mann kritisierte mit Blick auf die anonymisiert abgedruckte Rechnung in einer Gesamthöhe von 173,90 Euro, dass die betreffene Medizinerin auch am Satz für die Untersuchung der Toten unerlaubt gedreht habe. Dessen Basissatz liegt laut GOÄ bei 14,57 Euro und kann bei Erschwernis um einen Faktor erhöht werden. Die Ärztin hat nun jenen Faktor gleich zwei Mal angewendet – also 14,57 mal 2,3 mal 2,3. Ihr Ergebnis: 77 Euro. Kammer-Justiziar Daniel Sobotta wollte sich zu dem konkreten Fall nicht äußern, ließ aber durchblicken, dass ein zweimaliges Anwenden des Faktors unstatthaft sei.

Torsten Volkmann indes hat inzwischen wie angekündigt Anzeige wegen Abrechnungsbetrugs gegen die Ärztin erstattet. Außerdem hat er am Dienstag eine erste Rückmeldung von der Kammer zur Beschwerde über die Rechnung erhalten. Man werde sich nun mit der Ärztin in Verbindung setzen, habe ihm die Kammer mitgeteilt.

Gebührenordnung: www.e-bis.de