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Lehrreiche Charme-Offensive

Wie kann ich Energie sparen? Im Vattenfall-Klimaschutzbus bekamen Cottbuser Gymnasiasten darauf Antworten.
Wie kann ich Energie sparen? Im Vattenfall-Klimaschutzbus bekamen Cottbuser Gymnasiasten darauf Antworten. FOTO: Michael Helbig
Hartmuth Zeiß, Bergbau-Vorstand bei Vattenfall, und Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) haben gestern in Cottbus die Vattenfall-Klimaakademie für Lausitzer Schulen gegen Kritik aus den Reihen von Bündnisgrünen, Linken und Umweltschutzverbänden verteidigt. Der Auftakt der Aktion im Cottbuser Max-Steenbeck-Gymnasium kam bei den Schülern gut an. Von Daniel Preikschat

Die zehn Neuntklässler im Physik-Kabinett des Cottbuser Max-Steenbeck-Gymnasiums schmunzeln. Das junge Pärchen in dem Film macht aber auch wirklich alles falsch: Da läuft die Nacht über bei angekipptem Fenster volles Rohr die Heizung. Für ein schmutziges Hemd wird gleich die Waschmaschine angeworfen. In einem Riesentopf köcheln nur zwei Eier. Der Staubsauger läuft, obwohl er gar nicht funktionieren kann, weil der Beutel voll ist. „Der Kühlschrank stand Minuten lang offen“ , ist Florian (15) außerdem aufgefallen. Fabian Kliche vom Mobilen Umwelttechnikzentrum hat aufgeweckte Schüler vor sich. Im Nu haben sie die Quellen der Energieverschwendung benannt.
Nach dem Film geht es in den Klimaschutzbus, der auf dem Schulhof parkt. Drinnen wird ein Kurzunterricht abgehalten. Das Thema: Klimaverschwendung als ein gesamtgesellschaftliches Problem. In Deutschland produziere ein Mensch pro Jahr elf Tonnen CO 2 . „Unsere Erde verträgt aber nur zweieinhalb Tonnen pro Mensch“ , so der Referent. „Wir tun so, als hätten wir mehrere Erden zur Verfügung.“ Gerade eine In dus trienation wie Deutschland müsse beim Reduzieren der CO 2 -Emissionen mit gutem Beispiel vorangehen.

Schüler loben Stromerzeuger
Ob auch der Stromerzeuger Vattenfall mit gutem Beispiel voran geht, kommt im Bus nicht zur Sprache. Dabei stammen immerhin zwei Drittel des CO 2 -Ausstoßes in Brandenburg aus Vattenfall-Braunkohlekraftwerken. Um an den Brennstoff zu kommen, müssen Dörfer weichen.
Vor dem Bus steht eine Gruppe Elftklässler. Aus Interesse haben die 16- und 17-Jährigen bei dem Aktionstag mitgemacht. Obwohl er eigentlich nur für Schüler der Klas sen 9 und 10 gedacht ist. „Was Vattenfall macht, ist unvermeidlich“ , sagt Henry mit Blick auf die Abbaggerungen. Regenerative Energien reichten nun mal nicht aus, um den Bedarf zu decken. „Irgendwo muss der Strom doch herkommen“ , so Klassenkamerad Paul, der außerdem auf die wirtschaftliche Bedeutung des Konzerns für die ganze Region hinweist. Kevin lobt den Vattenfall-Aktionstag: „Ich finde es toll, dass sie uns objektive Informationen anbieten.“
Ähnlich äußern sich an diesem Tag viele Steenbeck-Schüler. Sie finden die von Vattenfall Klimaakademie genannte Informationsveranstaltung über Energieeffizienz im Alltag „aufschlussreich“ und „spannend“ .
Der Kritik erwehren müssen sich Vattenfall-Bergbau-Vorstand Zeiß und Bildungsminister Rupprecht jedoch in einer Pressekonferenz mittags in der Aula. Dabei geht Zeiß auf den Vorwurf von Bündnisgrünen, Linken und Naturschutzbund ein, es gehe Vattenfall nur darum, das „Image aufzupolieren“ (die RUNDSCHAU berichtete). Hier wolle jemand vorschreiben, wer der Richtige ist, das Richtige zu tun. Das sei, so Zeiß, „vermessen“ und werde „der Sache in keinster Weise gerecht“ .
Holger Rupprecht, dem vorgeworfen wurde, er habe als Schirmherr der Klimaakademie keine kritische Distanz zu Vattenfall als Werbeträger in Schulen, wehrt sich ebenfalls. Jede der 13 Schulen, die in Brandenburg an dem Projekt teilnehmen, würden dies freiwillig tun. Rupprecht räumt ein, dass von einer „Charme-Offensive“ Vattenfalls gesprochen werden könne. „Ich sehe aber nicht die Gefahr, dass mit der Klimaakademie vom Kohlendioxid-Ausstoß abgelenkt wird.“
Andreas Käßner, Leiter des Steenbeck-Gymnasiums, ergänzt: „Vattenfall arbeitet doch an Lösungen, die Kohlendioxid-Emissionen zu minimieren.“ Die Klimaakademie passe genau in das naturwissenschaftliche Profil seiner Schule. So kooperiere das Gymnasium mit anderen Schulen im europäischen Ausland in einem auf drei Jahre angelegten Comenius-Projekt. Auch dabei gehe es um Klimaschutz, regenerative Energien und die Endlichkeit von Ressourcen.

24 weitere Schulen in der Lausitz
René Schuster, interessierter Beobachter von der Grünen Liga Brandenburg, überzeugen diese Argumente nicht: „Vattenfall geht es darum, auf das Denken junger Menschen in ihrem Sinn Einfluss zu nehmen.“ Die Klimaakademie in dieser Region zuzulassen, sei skandalös.
Fest steht indes, dass der Klimaschutzbus in den nächsten Wochen in der Lausitz auf 24 weiteren Schulhöfen halten wird. Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz holen Schulen in Vetschau, Lübbenau, Calau, Ortrand, Ruhland und Schwarzheide die Klimaakademie zu sich. Im Landkreis Elbe-Elster werden Herzberg und Elsterwerda angesteuert.
Im März geht es in die sächsische Lausitz. Auf dem Tourplan stehen unter anderem: Schleife und Weißwasser (Niederschlesischer Oberlausitzkreis), Hoyerswerda und Lauta (Kamenz).