Angesichts des Lehrermangels in Sachsen haben mehrere Berufsvertretungen der Pädagogen vor einem Bildungsnotstand im Freistaat gewarnt. „Die Politik muss jetzt endlich nachhaltig handeln“, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende des Beamtenbundes, Gerhard Pöschmann, am Dienstag in Dresden. Sein Vorwurf: „Der Freistaat tut nicht wirklich etwas, um das Problem der Personalsituation zu lösen.“ Die Lage an den Schulen sei schon jetzt teilweise dramatisch, die Verhältnisse würden sich angesichts der Überalterung weiter verschärfen. „Wir denken, dass der Bildungsstandort langfristig in Gefahr ist“, sagte Pöschmann.

Pöschmann unterbreitete für die Verbände, die im Beamtenbund organisiert sind, einen Sieben-Punkte-Plan. Die Vorschläge reichen von besserer Werbung um Studenten über eine Verbeamtung der Pädagogen bis hin zu Altersteilzeitregelungen, um Neueinstellungen zu ermöglichen. Angestellte Lehrer dürften im Vergleich zu ihren verbeamteten Kollegen nicht finanziell benachteiligt werden. Dabei sei auch über die Landesgrenzen hinaus zu blicken, weil die neuen Bundesländer schon jetzt um Kollegen aus dem Westen konkurrierten. Sachsen stehe zusammen mit Mecklenburg-Vorpommern bei der Bezahlung seiner Lehrer ganz hinten.

Gegen kürzeres Referendariat

Zudem sprechen sich die Verbände gegen die beschlossene Verkürzung des Referendariates aus, weil sie um die Qualität der praktischen Lehrerausbildung fürchten. Es gebe schon jetzt etwa Signale aus Bayern, solche Referendare nicht einzustellen. Pöschmann begründete den neuerlichen Vorstoß der Verbände mit den anstehenden Beratungen für den nächsten Doppelhaushalt Sachsens. Er hoffe auf die CDU-Landtagsfraktion, in der die Signale teilweise angekommen seien. Ausdrücklich lobte er deren Bildungsexperten Thomas Colditz. „Von der FDP spreche ich lieber nicht“, fügte er mit Blick auf den Koalitionspartner hinzu.

Einer im März veröffentlichten Analyse zufolge werden bis zum Jahr 2020 etwa 10 700 Pädagogen in Sachsen in den Ruhestand gehen, die meisten von ihnen schon ab dem Jahr 2015. Seither reißen die Forderungen nach schnellen Veränderungen nicht ab. Bis 2010 mussten nahezu alle Lehrer in Sachsen in Teilzeit arbeiten.

Die Maßnahmen des Kultusministeriums reichen den Verbänden, allen voran der Gewerkschaft GEW, nicht. Im Beamtenbund sind kleine Vertretungen der Pädagogen, unter anderem der Lehrerverband, der Philologenverband und der Lehrerverband Berufliche Schulen Sachsens, organisiert.

Zum Thema:

Zum Thema Grundschullehrer erhalten im Freistaat im Vergleich mit Kollegen aus anderen Schularten nach Angaben des Sächsisches Lehrerverbands (SLV) die niedrigsten Gehälter. Anders als die meisten Nachbarbundesländer werden in Sachsen keine Lehrer verbeamtet, Ausnahmen sind einige Schulleiter und Stellvertreter. Die Beschäftigten werden in Entgeltgruppen (EG) eingestuft. Gymnasiallehrer erhalten monatlich 3 014,14 Euro in der niedrigsten Gehaltsstufe und 4 379,63 Euro in der höchsten Gehaltsstufe (13). Mehr als die Hälfte der Grundschullehrer wird um zwei Gehaltsstufen niedriger bezahlt als Gymnasiallehrer. Ein Drittel wird nach EG 10 bezahlt, fünf Prozent erhalten zwischen 2 206,31 Euro und 3 191,34 Euro in Stufe 9.