(iwe) Er ist der größte freie Schulträger in Berlin und Brandenburg: Wenn die Evangelische Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz heute in der Potsdamer Nikolaikirche ihr 15-jähriges Bestehen feiert, kann sie auf eine große Erfolgsgeschichte zurückblicken.

24 Standorte mit 32 Schulen und rund 10 000 Schüler finden sich heute in Berlin und Brandenburg unter ihrem Dach. Neun Standorte, elf Schulen und 4000 Schüler sind es in Brandenburg. Auch die beiden evangelischen Schulen in Cottbus sowie die Schulen in Neuruppin, Schwedt und Wriezen gehören zur Schulstiftung.

„Insgesamt geht es uns gut“, sagt der Vorstand der Schulstiftung, Frank Olie. „Wir haben solide Finanzen und Schulen, die sich gut entwickelt haben.“ Manche Probleme, die das öffentliche Schulwesen auch habe, setzten sich allerdings an den Schulen in freier Trägerschaft fort: Zum Beispiel der Lehrermangel.

„Rund 25 Prozent unserer Neueinstellungen sind Quereinsteiger“, sagt Olie. Sie würden vor dem Unterrichtsbeginn in den Sommerferien verbindlich an einem zweiwöchigen Vorbereitungskurs teilnehmen und müssten parallel zum Unterricht Seminare belegen. „Wir haben für diese Quereinsteiger ein eigenes Qualifizierungsmodell entwickelt, das auf große Nachfrage stößt“, sagt Olie.

Dass sich junge Lehrer für eine Tätigkeit bei der Schulstiftung entscheiden, liegt laut ihres Vorstandes daran, dass die kirchlichen Schulen tarifgebunden seien. Aber auch am pädagogischen Konzept der Schulen: „Wir wollen jedem einzelnen Schüler zugewandt sein“, sagt Olie.

Zudem kämen viele Schüler, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, aus Familien, die eher bildungsorientiert seien. „Bei uns müssen sich Eltern gezielt anmelden“, sagt Olie. „Es gibt keine Schüler, denen die Schule zugewiesen wird.“ Die den Schulen in freier Trägerschaft oft vorgeworfene soziale Segregation lässt er dagegen nicht gelten.

„20 Prozent der Familien, die ihre Kinder bei uns anmelden, sind als Transferleistungsempfänger vom Schulgeld befreit – oder sie zahlen als Familien mit einem kleinen Einkommen nur den untersten Satz von 30 Euro im Monat“, sagt Olie. Denn das Schulgeld an den Schulen der Evangelischen Schulstiftung werde nach dem Einkommen der Eltern gestaffelt.

Probleme gibt es dagegen weiterhin mit der staatlichen Refinanzierung. „Wir haben 2012 in Brandenburg erhebliche Kürzungen bei den Zuschüssen für Schulen in freier Trägerschaft erlebt“, sagt Olie. „Wir mussten aber zum Glück keine Schule schließen.“

Heute habe sich die Situation teilweise entspannt: Denn die Tariferhöhungen und die Besserstellung der Lehrkräfte im öffentlichen Schulwesen seien an die freien Schulen, die je nach Schulform rund zwei Drittel ihrer Kosten als Landeszuschuss erhalten, weitergegeben worden.

Ärger gebe es aber bei den Erfahrungsstufen der Lehrer: Je länger ein Lehrer im Dienst bleibe, desto mehr steige sein Gehalt. Und der Staat hat nun bei seinen Lehrern die Erfahrungsstufe sechs eingeführt, refinanziere für die freien Schulen aber nur das Gehalt von Erfahrungsstufe vier. Bleiben Lehrer länger bei den freien Schulen, machen die Träger also ein Minus.

„Wir zahlen unseren Lehrern bei Erreichen der entsprechenden Voraussetzungen natürlich ebenfalls Gehälter der höchsten Erfahrungsstufen“, sagt Olie. „Wir sind ja tarifgebunden.“ Doch die Zuschüsse müssten den Tarifentwicklungen angepasst werden, „nicht ohne Grund haben wir kürzlich in Potsdam demonstriert.“