Jetzt sollen Lehrer bald zum "TÜV": "Leistung muss wieder im Mittelpunkt stehen", so der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Ludwig Georg Braun. "Ein regelmäßiger Leistungscheck für Lehrer alle fünf Jahre - das sind wir unseren Kindern schuldig." Nach Ansicht der Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva-Maria Stange, ist diese Forderung jedoch ein "populistischer Schnellschuss", wie sie gegenüber der RUNDSCHAU kommentierte.
Dass das deutsche Bildungssystem gravierende Mängel aufweist, ist spätestens seit der Pisa-Studie unumstritten. Nach den Leistungen der Schüler geraten aber zunehmend auch die Lehrer ins Visier - seit längerem schon diskutieren Bildungsexperten über Leistungsanreize, die Lehrerausbildung und damit über die Qualität der Pädagogen in Deutschland. Erst kürzlich hatten mehrere Studien von Erziehungswissenschaftlern der Universität Siegen beispielsweise ergeben, dass jeder dritte Viertklässler im Lesen so gut wie ein "schwacher" Lehrer ist. "Mehr Leistungen erreichen wir nur, wenn auch die Lehrer mitziehen", fordert nun DIHK-Präsident Braun. Qualität und externe Kontrolle müssten im Interesse der Kinder eine Selbstverständlichkeit sein - genauso wie die konsequente Weiterbildung. Erst im Juli des vergangenen Jahres hatte eine repräsentative Umfrage des Südwestfunks ergeben, dass mehr als zwei Drittel der Bürger in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg für eine regelmäßige Überprüfung der Leistungen von Lehrern durch Tests sind.
Auf völlig taube Ohren trifft Braun mit seinem Plan bei der Gewerkschaft allerdings nicht. Grundsätzlich spreche nichts gegen eine Überprüfung "guter Leistungen von Schulen und Lehrkräften", meinte die GEW-Vorsitzende Stange gegenüber der RUNDSCHAU. "Dazu müssten wir aber wissen, was hinter dem Begriff Leistungscheck überhaupt steht." Völlig unklar sei nämlich, ob es sich bei der Forderung der Wirtschaft zum Beispiel um eine Wissensprüfung oder einen psychologischen Test handele. Laut Stange ist die Gewerkschaft jedoch bereit, sich mit der Unternehmensverbänden über Kriterien zu verständigen, was ein guter Lehrer und eine gute Schule ist. "Dann kann man sicherlich auch darüber sprechen, ob das regelmäßig überprüft werden muss." Die GEW habe sich seit Pisa schließlich daf ür eingesetzt, dass die Qualität von Schulen besser und auch regelmäßig evaluiert werde. "Eine gute Schule ist nun mal dadurch gekennzeichnet, dass möglichst viele Schüler zu bestmöglichen Leistungen gebracht werden."
Nach Angaben des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) würden Lehrer in allen Schulen und Schularten bereits heute alle vier Jahre von der Schulleitung nach ihren methodischen, didaktischen und pä-dagogischen Fähigkeiten beurteilt. In einer Diskussion über mehr Leistung von Lehrern müsse auch das unzureichende staatliche Fort- und Weiterbildungsangebot berücksichtigt werden. Derzeit komme nur jeder zehnte Lehrer in den Genuss einer staatlichen Fortbildung.