Besonders in Latein, teilweise aber auch in Naturwissenschaften, fehlt es in Sachsen vereinzelt an Lehrern. In einigen Fächern werde es zunehmend schwieriger, Pädagogen zu finden, sagte der Minister gestern und verwies darauf, dass sich Sachsen künftig auf einen stärkeren Wettbewerb einstellen muss. "Punktuell haben wir bereits einen Mangel, und der wird sich noch verschärfen", so Wöller. Lücken könnten bisher aber noch durch Umsetzungen und Aufstockungen bei Teilzeit-Verträgen geschlossen werden. Die Unterrichtsversorgung sei grundsätzlich abgedeckt, betonte Wöller.
Der Minister appellierte zugleich an angehende Lehramts-Studenten, besonders die dünn besetzten Fächer zu wählen. Er denke auch darüber nach, einzelnen Studienanfängern individuell bereits eine Einstellungszusage zu geben. Über eine stärkere Lenkung der Studenten führe er auch Gespräche mit dem Finanzminister und der Wissenschaftsministerin.

Erneut weniger Schüler
Am Montag beginnt für 448 000 Schüler das nächste Schuljahr. Das sind erneut rund fünf Prozent weniger als noch vor den Sommerferien. 31 700 ABC-Schützen haben dabei ihren ersten Schultag, ebenso viele wie im Vorjahr. Gymnasiasten werden ab der Klasse 11 erstmals nach dem reformierten Lehrplan unterrichtet. Dabei sind Physik, Chemie und Biologie Pflichtfächer geworden. Die Reform sei eine Antwort auf Nachwuchsprobleme in den Ingenieur- und Naturwissenschaften, sagte Wöller. Die Stärkung dieses Bereichs sei für die Zukunftsfähigkeit Sachsens besonders wichtig. An den Mittelschulen wird zudem verstärkt eine zweite Fremdsprache schon ab Klasse 6 angeboten. Mehr als die Hälfte der Mittelschulen bieten jetzt eine zweite Fremdsprache schon ein Jahr früher an als bisher.
Die Linke warf Wöller indes vor, er unterschätze die Probleme der Schulen. Die Landeschefin des Lehrerverbands, Ingrid Schwaar, forderte zugleich, um die Lücken zu füllen, müsse der Lehrerberuf wieder ein Vollzeitberuf sein. Viele Pädagogen müssten verbeamtet werden. Die Unterrichtsversorgung müsse an allen Schularten gewährleistet sein, auch an Förder- und Berufsschulen, so Schwaar. Wöller selbst hat sich vorgenommen, künftig einen "Schultag" im Monat einzulegen und eine Einrichtung im Freistaat zu besuchen.

1423 Schulen im Land
Von den 448 000 Schülern sind 395 000 an öffentlichen und 53 000 an Schulen in freier Trägerschaft. Das Land verfügt dabei über 1423 Schulen mit 35 300 Lehrern. Dabei handelt es sich um 777 Grund- und 291 Mittelschulen sowie 119 Gymnasien, 140 Förder- und 97 Berufsschulen. 330 Lehrer wurden neu eingestellt. Der Unterrichtsausfall habe im vorigen Schuljahr rund 3,2 Prozent betragen.
An den Grundschulen werden Wöller zufolge derzeit mit 6400 Lehrern Gespräche geführt, um sie von ihren Teilzeit-Job wieder in Vollzeit zu bringen. Allerdings wollten viel Lehrer die Teilzeit beibehalten.