Zeitweise trat er dem traditionellen gelben Quietsche-Entchen den Rang ab. Der acht Zentimeter kleine Tiefseetaucher wurde Kinderspielzeug Nummer 1 in ostdeutschen Badezimmern. Da blubberte nicht nur der mit Holz und Kohle befeuerte gute alte Badeofen, sondern auch das Kunststoffmännchen. Das konnte man im mit Kiefernadelschaumbad aufgeschäumten Wasser per Mund-zu-Mund-Beatmung beliebig lange auf- und absteigen lassen. Saugte man die Luft in dem mit einem Schlauch verbundenen Mundstück an, tauchte das Männchen ab. Blies man Luft hinein, stieg es wieder auf. Und minutenlang wurde der damals oft geträumte Kinder-Wunsch, später einmal Kosmonaut zu werden, vom Verlangen verdrängt, als Taucher in die Tiefen der Ozeane abzusteigen. Dabei lag der Preis für diese Wannenvorstellung auf Quietsche-Entchenniveau: Je nach Art der Verpackung variierte er von 76 Pfennig bis 1,15 Mark.
Der Preis war es auch, warum der Tiefseetaucher überhaupt das Licht der Spielzeug- Welt erblickte. "In den fünfziger Jahren wurde Kunststoff modern. Viele Firmen stiegen von Holz auf Plaste und Elaste um, doch dafür brauchten sie Formen, die mein Vater in seiner Firma herstellte", erinnert sich Reinhard Franz (58). Formen, mit denen später Teile für Modellflugzeuge, Haushaltwaren oder sogar Rumbakugeln gefertigt wurden. "Aber mein Vater wollte unbedingt auch eigene Produkte haben. Und so begann er, kleines Spielzeug, wie etwa einen Trillervogel oder einen Rennwagen, zu entwickeln", weiß der Sachse mit Norbert-Blüm-Charme. Und noch heute hört er die ehrenvollen Worte seines Vaters: Junge, sagte er damals, die Leute sollen sich das Spielzeug auch leisten können. Diese Intention hatte Reinhard Franz Senior im Hinterkopf, als er 1957 den Tiefseetaucher entwarf, patentieren ließ und herstellte. Und wie damals vor allem auch im Erzgebirge typisch: Die rund zehn Teile wurden von etwa 50 Heimarbeiterinnen zusammen gesetzt. Über 1,5 Millionen Taucher wurden bis 1972 vorwiegend in den Farben Grün, Blau, Rot und Orange hergestellt und auch exportiert. Mit der Verstaatlichung der Firma versenkte man ihn jedoch zugunsten größerer und teurerer Spielzeuge. Eine Legende ging auf Dauer-Tauchstation.
Doch Reinhard Franz Junior vergaß nie die Erfindung seines Vaters. Nach der Wende reprivatisierte und erweiterte er die ehemalige Familien-Firma u. a. um die Wolkensteiner Kunststoffschmiede "Sonja-Plastic", in der bis dahin rund 300 verschiedene Haushaltwaren hergestellt wurden. Und hier wollte der Diplomingenieur zusammen mit seiner Tochter Jasmin Franz das Spielzeug wieder auftauchen lassen. Aber wie es der Zufall will, hatte diese Idee auch ein Ex-Spielwarenhändler aus Potsdam.
Es drohte ganz nach dem Vorbild des unendlichen Ampelmännchenstreites ein Tiefseetaucherstreit rund um das Patent- und Urheberrecht auszubrechen. Zwar war Reinhard Franz Junior der Erbe des Männl-Erfinders, doch der Potsdamer hatte den Mann einfach modernisiert und ein neues Modell anfertigen lassen. Er meldete es beim Deutschen Patent- und Markenamt in München als Gebrauchs- und Geschmacksmuster an. Dagegen klagte der Annaberg-Buchholzer im Herbst 2005 vor dem Leipziger Landgericht. Schließlich einigte man sich gütlich. Die Neuauflage des Originals fällt mit 14 Zentimetern etwas größer aus und ist anno 2006 unter zehn Euro in Geschäften zu haben.