Die braunen Eierleger von Christian Schandog in Raddusch können sich sehen lassen. Ihr dichtes Gefieder glänzt wie in einem Landwirtschafts-Lehrbuch. Ruhig gackern und scharren die 1900 Tiere auf dem Hof des 25-jährigen Bauern zurzeit in einem Stall und zwei mobilen Stallwagen. Die Hennen haben breite Sitzstangen aus Holz, Heustreu auf dem Boden und Sandflächen, auf denen sie sich tummeln können. Doch ihr Stallaufenthalt ist trotz idealer Lebensbedingungen nur ein vorübergehender Zustand. Schandog setzt aus Überzeugung auf Freilandhaltung. Daran wird auch die Vogelgrippe nichts ändern.
„Wir sind kein Ökohof, aber wir halten Tiere naturnah. Die Hennen sollen sich wohlfühlen, das ist mir wichtig“ , sagt Christian Schandog. Dafür wird er investieren, denn er rechnet damit, dass in den kommenden drei bis fünf Jahren immer wieder Stallpflicht verordnet wird, um ein Überspringen des gefährlichen Virus H5N1 von Wildvögeln auf die Geflügelbestände der Bauern zu verhindern. „Dass sich der Erreger in Deutschland insgesamt weiter verbreitet, wird niemand aufhalten können“ , ist Schandog überzeugt.

Wiese mit Dach und Bewässerung
50 000 bis 60 000 Euro will er deshalb ausgeben, um für seine Hennen Wiesenflächen zu überdachen. Die Seiten werden durch Drahtgeflecht gegen Wildvögel abgeschirmt. „Dazu kommt eine Bewässerung, damit das Gras auch unter dem Dach nachwächst“ , kündigt der Bauer an. Im Sommer sollen auf den geschützten Flächen rund 4000 Hennen scharren. Der Legenachwuchs wird auf dem eigenen Hof ausgebrütet.
Das Geld für das Überdachen der Wiesen hat Schandog in den vergangenen drei Jahren angespart. Eigentlich wollte er seinen Hof damit ausbauen, denn der junge Bauer hält neben seinen Legehennen auch 30 Fleischrinder und 30 Schafe. Dazu produziert er noch Heu. „Das ist schon ein großer Einschnitt jetzt, der Umbau für die Hennen, aber da müssen wir durch“ , sagt er. Andere Baumaßnahmen müssten erstmal warten.
Weg von den Eiern auf andere Erzeugnisse auszuweichen, ist für ihn keine Lösung. „Dann kommt die Schweinepest, dann die Maul- und Klauenseuche“ , winkt er ab. Wenn er sich nur nach Tierkrankheiten richten würde, könnte er dauernd seinen Hof umkrempeln. Mit den Freilandeiern hat er sich inzwischen einen Markt geschaffen. Geschäfte und Restaurants im Spreewald sind seine Kunden. 200 Eier legt jedes Schandog-Huhn pro Jahr.
Für Privatabnehmer wird die zerbrechliche Ware bis nach Hamburg und Hannover verschickt. Zwei Cottbuser Unternehmen haben sogar bei Schandog Hennen „geleast“ . Deren Eier bekommen die Kunden als ungewöhnliches Werbegeschenk.
Um seinen Absatz muss sich auch Werner Schulze aus Werben (Spree-Neiße) keine Sorgen machen. Zweimal pro Woche baut er in Cottbus einen Klapptisch auf und verkauft frische Freilandeier, meist an Stammkunden. 230 Mistkratzer scharren auf seinem großen Gehöft, zurzeit im Stall. „Die Tierärztin war schon da und hat kontrolliert, ob alles in Ordnung ist“ , versichert er. „Die war zufrieden.“
Gegen Schandogs Legehennenbestand ist der Hof des Werbeners ein Minibetrieb. Doch für Werner Schulze ist der Eierverkauf nur ein Zubrot. Er ist 65 Jahre alt und bekommt Rente. Geflügelzüchter ist er seit mehr als 50 Jahren mit Leib und Seele. Ganz ohne Hühner zu sein, kann er sich gar nicht vorstellen, auch nicht angesichts der Vogelgrippe. Ebenso wenig kann er sich vorstellen, die Tiere immer wieder für mehrere Monate eingesperrt zu halten.
Wenn die Stallpflicht länger dauert, will er die Hälfte seiner Hennen abschaffen. So wie er denken auch viele andere Hobby-Hühnerhalter, die meist schon im Rentenhalter sind. Jens-Uwe Schade, Sprecher des Brandenburger Landwirtschaftsministeriums, bestätigt diesen Trend: „Die Privathalter haben schon viele Tiere abgemeldet.“ Als geschützter Auslauf für seine Hennen dient Werner Schulze ein altes Folienzelt: „Früher hatte ich dort meine Tomaten, jetzt meine Hühner.“
Werner Schulze erwartet, dass die Vogelgrippe-Debatte zu einem Rückgang der Freilandhaltung von Hennen insgesamt führen wird. „Die Großbetriebe können sich die Hände reiben“ , sagt er. Auch Christian Schandog denkt, dass Freilandhalter aufgeben werden. „Vielleicht wird das Käfighaltungsverbot sogar wieder ganz gekippt.“

Debatte um Käfighaltung
Unter der rot-grünen Regierung war 2002 eine Verordnung in Kraft getreten, nach der Hühnerhaltung in Käfigbatterien nur bis Ende diesen Jahres erlaubt sein soll. Die Geflügelbranche kämpft darum, diesen Termin um zwei Jahre zu verschieben. Einige Bundesländer wollen eine Kleinkäfigregelung durchsetzen. Brandenburg und Sachsen gehören nicht zu den Bundesländern, die dabei in der ersten Reihe stehen. Doch dass aus Brandenburg Unterstützung für den Vorstoß kommen könnte, verhehlt der Sprecher des märkischen Landwirtschaftsministers nicht. „Wir waren von Anfang an gegen diese Festlegung und haben längere Übergangsfristen gefordert“ , so Schade.
Vorhaben, wie die geplante Wiesen überdachung für die Legehennen von von Christian Schandog in Raddusch werden in Potsdam mit Interesse beobachtet. „Wir müssen sicher insgesamt über neue Haltungsformen nachdenken“ , sagt Ministeriumssprecher Schade, denn die Stallpflicht werde aller Voraussicht nach Ende April noch nicht aufgehoben.