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Lebenszeichen von deutscher Geisel

Ghasni.. Die Taliban haben dem in Afghanistan verschleppten Deutschen gestern Gespräche mit Journalisten ermöglicht und zwei ihrer 21 südkoreanischen Geiseln freigelassen.

Taliban-Sprecher Jussuf Ahmadi stellte einen Telefonkontakt zwischen einem AFP-Korrespondenten in Kandahar und einem Mann her, der sich als Rudolf B. vorstellte und sagte, er werde von den radikalen Islamisten in den Bergen festgehalten. "Mein Leben ist in Gefahr, die Taliban wollen mich töten", sagte der Gesprächspartner auf Englisch mit deutschem Akzent. Auch der katarische Nachrichtensender Al Dschasira berichtete von einem Telefonat mit dem 62-jährigen Bauingenieur.
In dem Gespräch bedauerte der Mann, weder die afghanische Regierung noch die deutsche Botschaft in Kabul hätten auf seine Hilferufe reagiert. Das letzte Telefonat mit der Botschaft liege eine Woche zurück. "Ich habe seitdem nichts von ihnen gehört", sagte die mutmaßliche Geisel. Die Taliban verlangten demnach direkte Gespräche mit der afghanischen Regierung und den mit der Geiselnahme befassten Verantwortlichen innerhalb der deutschen Regierung und der deutschen Botschaft. Der als B. identifizierte Gesprächspartner rief zur Hilfe auf, um die geforderten Kontakte herzustellen. Außerdem bat er darum, einen Kontakt mit seinem Sohn zu ermöglichen, der sich in Kabul aufhalte.

Seit dem 18. Juli entführt
Al Dschasira berichtete von ähnlichen Aussagen. "Er schien krank zu sein, er sagte, dass sein Leben in Gefahr ist", sagte ein Korrespondent des Senders in Afghanistan, der nach eigenen Angaben mit dem Deutschen telefoniert hatte. Die Geisel habe die deutsche Regierung gebeten, sich ver stärkt um eine Einigung mit den Taliban zu bemühen.
B. befindet sich seit dem 18. Juli in der Gewalt von Entführern. Er wurde zusammen mit einem zweiten Deutschen in der Provinz Wardak verschleppt. Die andere Geisel wurde laut Obduktionsbericht nach einem Kreislaufzusammenbruch von den Geiselnehmern erschossen.
Zwei Südkoreanerinnen kamen nach dreieinhalb Wochen in der Gewalt der Taliban frei. Sie wurden zunächst dem Stammesältesten und Vermittler Hadschi Sahir übergeben und dann zum Internationalen Komitee des Roten Kreuzes in Ghasni gebracht. Das Rote Kreuz teilte später mit, die Freigelassenen einer südkoreanischen Delegation übergeben zu haben. Die Organisation spielte nach eigenen Angaben eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen mit den Taliban.
Eine der freigelassenen Geiseln sagte am Telefon, sie und ihre Freundin seien "okay". Sie gab das Alter der beiden Frauen mit 32 und 36 Jahren an. Über ihre Namen und den Zustand der 19 weiteren Geiseln konnte zunächst nichts in Erfahrung gebracht werden, da die Gesprächspartnerin nur gebrochen Englisch sprach. Die Gruppe von ursprünglich 23 Südkoreanern war am 19. Juli in der Provinz Ghasni verschleppt worden.
(AFP/cd)