Waren die alten DDR-Marken lange kaum in den Regalen der Supermärkte zu finden, sprechen Handelsexperten jetzt sogar von einer Renaissance. „Wer zu Ostprodukten greift, ist längst nicht mehr der Ewiggestrige“, sagt Hubertus Pellengahr vom Einzelhandelsverband HDE. Es werde immer weniger zwischen Ost und West unterschieden. Kathis Kuchenmehl, Wernesgrüner und Spreewaldgurken hätten zudem längst nicht mehr das Ost-Image. Ohnehin sei oft nur der Name alt, Inhalt und Verpackung aber völlig neu. Anfang der 90er-Jahre kämpften viele Ost hersteller noch darum, bei den großen Handelskonzernen gelistet zu werden. Mittlerweile wird das Angebot aus ostdeutschen Landen immer mehr geschätzt, und das nicht nur zwischen Rügen und Erzgebirge.

„In einer globalisierten Welt setzen die Unternehmen auf Regionalität, davon profitieren auch die Produkte aus Sachsen oder Mecklenburg“, sagt Pellengahr. „Die Sehnsucht nach einem Stück Heimat und den guten alten Werten wächst“, beobachtet auch Konsumexperte Wolfgang Twardawa vom Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK.

Konzept der Regionen

Mit einem Anteil von 30 Prozent führt Penny eines der größten Ostsortimente unter den Lebensmittelbilligheimern. Ziel des Discounters ist, die Vielfalt der verschiedenen Regionen in Deutschland abzubilden. Ostdeutschland gelte dabei als Vorreiter für dieses Konzept. Unter dem Motto „Östlich gleich köstlich“ hatte Penny schon im vergangenen Sommer begonnen, den Anteil von Ostwaren ausbauen.

Radeberger als Flaggschiff

Alte Ost-Marken wie Radeberger Pils oder Spee-Waschmittel gingen schon kurz nach der Wende in den Besitz von großen Westkonzernen. So übernahm Henkel die DDR-Monopolmarke Spee, Radeberger wurde von der Frankfurter Binding-Brauerei geschluckt. Mittlerweile ist das Pils Flaggschiff der gleichnamigen Brauerei-Gruppe des Oetkerkonzerns.

Eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte ganz anderer Art schrieb der zunächst für Westgeschmack als viel zu süß verschriene Rotkäppchen-Sekt. 1993 stieg der Spirituosenhersteller Harald Eckes als Privatmann bei der Kellerei aus Freyburg in Sachsen-Anhalt ein. 2001 übernahm der ostdeutsche Sektproduzent die westdeutschen Traditionsmarken Mumm und MM und entwickelte sich zum gesamtdeutschen Marktführer. Allein 2008 wurden 186 Millionen Flaschen Sekt, Spirituosen und Wein abgesetzt.