Nein, es war nach Überzeugung der Schwurgerichtskammer am Landgericht Cottbus kein Unglück, was sich am späten Abend des 30. März in einer Wohnung in Schönewalde (Elbe-Elster) abspielte, sondern ein Verbrechen. Nick J. habe dort dem neuen Freund seiner getrennt von ihm lebenden Frau absichtlich schwerste Verbrennungen zugefügt, so der Vorsitzende Richter Frank Schollbach.

"Wer einem Menschen Benzin über Kopf und Oberkörper gießt und ihn anzündet, nimmt dessen Tod billigend in Kauf", so der Richter in der Urteilsbegründung. Er habe mit bedingtem Tötungsvorsatz und grausam gehandelt.

Deshalb verurteilte die Schwurgerichtskammer den 37-Jährigen zu lebenslanger Haft wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung. Nick J. verfolgte die Urteilsverkündung und anschließende Begründung der Entscheidung mit versteinerter Miene.

Nach Überzeugung des Gerichtes war es Eifersucht, die den Russlanddeutschen bei der Tat antrieb. Mit der Trennung von seiner Frau, mit der er zwei Söhne hat, habe er sich abgefunden. Doch einen neuen Partner an ihrer Seite sei er nicht bereit gewesen, zu akzeptieren. Deshalb habe er den Mann schon vorher bedroht.

Am Tattag sei er seiner Frau von Bayern aus in die Lausitz nachgefahren, um zu sehen, ob sie sich mit ihm trifft. Als er das Auto seiner Frau vor dessen Haustür sah, habe er Benzinflasche und Feuerzeug aus seinem Auto geholt und sei gewaltsam in die Wohnung eingedrungen.

Angaben des Angeklagten, er sei nur in die Lausitz gefahren, um seine Söhne zu sehen, wertete das Gericht als Schutzbehauptung. Ebenso seine Darstellung, er habe mit der Benzinflasche nur drohen wollen und die brennbare Flüssigkeit dann durch Schubserei mit dem Opfer verschüttet.

Ausführlich ging der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung auf den erschütternden Zustand des Opfers ein. Der 50-Jährige habe laut Aussage einer Sachverständigen drei Monate lang in akuter Lebensgefahr geschwebt. Fast die Hälfte seines Körpers, Kopf, Arme und Oberkörper, hätten Verbrennungen dritten Grades erlitten. Verbandswechsel seien lange nur in Vollnarkose möglich gewesen.

Dass er überhaupt überlebte, sei nur dem medizinischen Fortschritt der vergangenen 20 Jahre zu verdanken. Doch die dauerhaften Folgen der schweren Verbrennungen, so der Vorsitzende Richter, beraubten ihn jeder Lebensfreude.

Kopf und Oberkörper seien so schwer vernarbt, dass er weder richtig essen noch mühelos atmen könne. Sein Gehör sei beeinträchtigt. Der Mann müsse Kompressionskleidung tragen, die er sich nicht selbst anziehen könne, weil seine Arme nur noch bis Schulterhöhe beweglich seien. Er werde nie wieder arbeiten können und müsse voraussichtlich dauerhaft Schmerzmittel einnehmen.

Schollbach erinnerte an die Zeugenaussage eines Nachbarn, der den Verbrannten unmittelbar nach der Tat auf dem Hof nicht wiedererkannt hatte: Den Kopf völlig entstellt und ohne Haare, die ausgebreiteten Arme mit herunterhängenden Hautfetzen, "wie ein Schmetterling".

Von der Möglichkeit, bei einem Mordversuch unter der lebenslangen Strafe zu bleiben, machte das Gericht keinen Gebrauch. Schollbach begründete das vor allem mit der "Vollendungsnähe" der Tat. Die Verbrennungen, die Nick J. dem Opfer zugefügt habe, seien so schwer gewesen, dass er von dessen Tod ausgehen konnte. Dafür spreche auch, dass er sich danach in der Wohnung seiner Frau mit den Worten "und jetzt bist du dran" zuwandte.

Mit der lebenslangen Haftstrafe entsprach das Gericht der Forderung des Anwaltes des Geschädigten als Nebenkläger. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölfeinhalb Jahre Gefängnis wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung gefordert, die Verteidigung höchstens siebeneinhalb Jahre wegen versuchten Totschlags in einem minderschweren Fall.

Rechtsanwalt Sandro Kranke, der Nick J. verteidigt, wollte sich gestern noch nicht ausdrücklich festlegen, ob er gegen das Urteil in Revision zum Bundesgerichtshof geht: "Wir prüfen das jetzt gründlich." Doch angesichts des harten Urteils und seines eigenen Plädoyers wäre es mehr als überraschend, wenn er keinen Revisionsantrag stellen würde.