Als sich die Frau schwer verletzt mit letzter Kraft über einen Zaun auf das Nachbargrundstück rettet, liegen schreckliche Minuten hinter ihr. Ihr Ex-Freund ist ihr mit einem Messer auf den Fersen. Der neue Partner liegt blutüberströmt tot im Schlafzimmer. 28-mal stach der Berliner im Dezember auf den Mann in ihrem Haus im Spreewald ein - aus Eifersucht. Davon ist das Landgericht Cottbus überzeugt. Es verhängte am gestrigen Dienstag eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes.

"Bis zum Lebensende begleiten"

Der 46 Jahre alte Angeklagte nickt immer wieder, als der Vorsitzende Richter Frank Schollbach das Urteil begründet. Zu Prozessbeginn Ende Mai gab der große Mann mit rötlichem Haar die Taten bereits zu. Bei seinen Abschlussworten bat er um Entschuldigung: "Das wird mich bis zu meinem Lebensende begleiten", sagte er in der vergangenen Woche.

Als der Richter auf die einzelnen Messerstiche eingeht, an denen der 44-Jährige starb, schießen der Frau Tränen in die Augen. Sie ist Nebenklägerin in dem Mordprozess. Neben ihr sitzen Familienangehörige des getöteten Opfers.

Als der Täter im Dezember 2014 zum Grundstück der Frau in Neu Lübbenau (Dahme-Spreewald) fährt, liegt die Trennung noch nicht sehr lange zurück. Der Richter sagt: "Der Angeklagte war tief getroffen." Kennengelernt hatten sich die beiden 2008. Irgendwann habe er mitbekommen, dass es einen neuen Mann an der Seite seiner Ex-Freundin gab. "Für sie war die Angelegenheit geklärt", sagt Schollbach.

Aber nicht für den Berliner. Er zersticht nach Überzeugung des Gerichts am Tatabend die Autoreifen des 44-Jährigen, schlägt danach mit einem Tontopf die Terrassentür ein und stürmt mit einem Jagdmesser ins Schlafzimmer. "Die Kammer geht davon aus, dass er spätestens hier den Tötungsvorsatz gefasst hat", sagt der Richter. Er sticht demnach noch auf sein Opfer ein, als es bereits tot ist.

Dann nimmt er sich die Frau vor, die sich zwar zunächst vor das Haus retten kann, aber an einem Zaun scheitert. "Mit ruhigen Worten" fordert der Täter sie laut Gericht auf, ins Haus zurückzukommen. Die Frau gehorcht. Die Wohnungstür verschließt er, wirft ihr Handy auf den Boden und tritt darauf herum. Mindestens 17 Stiche fügt er ihr zu und zerrt sie an den Haaren durch die Küche. Schließlich gelingt es der Frau, zu fliehen und den Zaun zu überwinden. "Er hat sie gesucht, um sein Treiben fortzusetzen", sagt Richter Schollbach über den Angeklagten. Das Gericht geht von versuchtem Totschlag aus.

Der Mann steckt schließlich ein Nebengelass des Anwesens in Brand und ruft selbst die Feuerwehr. Noch am Tatort nimmt ihn die Polizei fest. Einem Beamten sagte er laut Gericht, dass er das alles nicht mehr habe ertragen können.

Ähnlicher Fall in Forst

Der Fall erinnert an ein mutmaßliches Eifersuchtsdrama, das derzeit ebenfalls am Landgericht verhandelt wird: Einen Beil-Überfall in einem Schlafzimmer in Forst an der Grenze zu Polen. In der vergangenen Woche gab ein 30-Jähriger vor Gericht zu, den neuen Partner seiner Ex-Freundin angegriffen zu haben. Das Opfer konnte sich aber wehren und den Angreifer vertreiben. Die Staatsanwaltschaft geht in diesem Fall von versuchtem Mord aus.