Es ist der Tag danach. Der Tag, nachdem die Lausitzer Energie Bergbau AG (Leag) ihr "Revierkonzept für die Lausitz" für 25 bis 30 Jahre vorgestellt hat. Der Tag, wo sich Politik und Wirtschaft, Kohlebefürworter und -gegner zu Wort melden. Der Tag, an dem Sektkorken knallen, aber auch Verbitterung wächst. Und der Tag, an dem an allen Leag-Standorten gut 8000 Mitarbeiter über das Konzept aus erster Hand informiert werden.

In Jänschwalde und im Tagebau Welzow war der Leag-Gesamtbetriebsratschef Rüdiger Siebers mit vor Ort und hat eine "verhaltene und ruhige Atmosphäre" wahrgenommen. Die Arbeitnehmervertretung stehe hinter dem Lausitzkonzept, das für Siebers weit über die Vattenfall-Planungen hinaus geht. "Für das Kraftwerk Jänschwalde ist ein Aufschlag von sechs bis acht Jahren mit Kohle aus Welzow vorgesehen", erläutert Siebers und verweist auf die von Vattenfall nie geäußerte Option, Arbeitsplätze über neue Geschäftsfelder zu binden. Der Ansatz, Strukturwandel mit der Leag, sei hoffnungsvoll. Schon 2017 soll es konkreter werden, was neue Geschäftsfelder sein könnten.

Auf die Rolle der Leag beim Strukturwandel in der Region setzen auch die Länder Brandenburg und Sachsen. In ersten Reaktionen verweisen die Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) und Stanislaw Tillich (CDU) darauf, "dass es für die betroffenen Regionen jetzt mindestens für die nächsten zwei Jahrzehnte weitgehend Planungssicherheit gibt".

Für Brandenburgs Wirtschafts- und Energieminister Albrecht Gerber (SPD) bedeute das Bekenntnis der Leag zum Braunkohle-Geschäft Stabilität und Planungssicherheit für die Region. "Und wenn ich von Region spreche, meine ich zuallererst die Menschen, die zu Tausenden mit ihren Familien in und von der Kohle leben." Zur aufgeschobenen Entscheidung für Welzow-Süd erklärte Gerber: Der Tagebau sei eine "energiewirtschaftliche Notwendigkeit". Die erneuerbaren Energien seien "noch nicht so weit, wie viele das gerne hätten".

Für die Sprecherin für Klimapolitik in der grünen Bundestagsfraktion Annalena Baerbock ist das Revierkonzept ein Beleg, "dass das Geschäft mit der schmutzigen Energie weitergeht". Die Bundesregierung wie auch die Landesregierungen von Brandenburg und Sachsen würden erklären müssen, so Baerbock, wie sie die nun zusätzlichen rund 150 Millionen Tonnen CO, die durch den Aufschluss von Nochten II entstehen werden, mit ihren Klimazielen in Einklang bringen wollen.

Dass die Leag die Entscheidung über die Tagebauerweiterung Welzow-Süd II auf die lange Bank schiebt, "ist für die Menschen nicht zumutbar", kritisiert Christiane Averbeck, Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland. "Die Unsicherheit über ihre Zukunft ist eine schwere Last und zerrüttet ganze Dörfer. Das schädigt auch die Wirtschaft in der Lausitz und ist das Gegenteil von Strukturentwicklung." Die IHK Cottbus nennt die offene Entscheidung zu Welzow-Süd II insbesondere mit Blick auf die Unternehmen in Tagebaunähe und die Bürger von Welzow "bedauerlich". IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger sagt vor dem Hintergrund der aktuellen deutschen Energiepolitik: "In der Braunkohlenbranche muss bei Investitionen in großen Zeithorizonten gedacht werden, was derzeit kaum möglich ist." Unter den gegebenen Umständen trage das Revierkonzept dazu bei, einen Interessenausgleich zwischen den Beteiligten herzustellen.

Die Wirtschaftsinitiative Lausitz und die Gewerkschaft IG BCE sehen im Lausitzer Revierkonzept ein gutes Signal für die Beschäftigten. "In der Region wird es keinen strukturpolitischen Blackout geben", konstatiert Petra Reinbold-Knape, geschäftsführendes Vorstandsmitglied.

Mit Blick auf Nochten II sind sich Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) und der Vorsitzende der Domowina David Statnik einig: Geschlossene Verträge müssten eingehalten werden. Dulig betonte, dass in den vergangenen Jahren bestimmte Entscheidungen zur Infrastruktur in der Region im sorbischen Siedlungsgebiet aufgeschoben wurden, da deren Zukunft unklar gewesen sei. Das Kabinett in Dresden wolle sich am Dienstag mit der Situation befassen.

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