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Leag streicht bei Tagebauplänen in der Lausitz

ARCHIV - Der Sonnenaufgang am frühen Morgen des 29.11.2016 hinter einem Absetzer für Abraum aus dem Braunkohletagebau Jänschwalde der LEAG (Lausitz Energie Bergbau AG), ehemals Vattenfall AG, in Grötsch (Brandenburg). Lausitzer Kommunen, Landräte und Politiker wollen in Spremberg in Südbrandenburg Ideen zur Zukunft der traditionellen Braunkohleregion diskutieren.
ARCHIV - Der Sonnenaufgang am frühen Morgen des 29.11.2016 hinter einem Absetzer für Abraum aus dem Braunkohletagebau Jänschwalde der LEAG (Lausitz Energie Bergbau AG), ehemals Vattenfall AG, in Grötsch (Brandenburg). Lausitzer Kommunen, Landräte und Politiker wollen in Spremberg in Südbrandenburg Ideen zur Zukunft der traditionellen Braunkohleregion diskutieren. FOTO: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
Cottbus. Die Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) gibt die Pläne für die beiden neuen Tagebaufelder Jänschwalde-Nord und Nochten II weitgehend auf. Damit bleiben 400 Millionen Tonnen Braunkohle in der Erde. 2400 Menschen wird die Umsiedlung erspart. Umziehen sollen wegen des Bergbaus nur noch 200 Einwohner von Mühlrose. Über ein drittes Erweiterungsfeld, Welzow-Süd II, soll bis 2020 entschieden werden.820 Menschen bleiben dort weiter in Ungewissheit über die Abbagerung ihrer Häuser. Von Simone Wendler

Das gaben Vorstandschef Helmar Rendez und Aufsichtsratsvorsitzender Hartmuth Zeiß am Donnerstagabend nach einer Aufsichtsratssitzung bekannt. Das Gremium hatte am Nachmittag ein neues Konzept für das Lausitzer Revier beschlossen, das für 25 bis 30 Jahre Grundlage der Braunkohlenwirtschaft sein soll.

Nach diesem Konzept wird es keinen Kraftwerksneubau mehr in Jänschwalde geben. Der laufende Tagebau Jänschwalde wird 2023 die letzte Kohle liefern. Das Kraftwerk soll dann für 8 bis 10 Jahre noch Kohle aus dem Südteil des Revieres bekommen.

Auch 2007 vom vorherigen Eigentümer Vattenfall gefasste Pläne für die Felder Bagenz-Ost und Spremberg-Ost sind endgültig vom Tisch. Der Leag bleibt damit eine Gesamtmenge von einer Milliarde Tonnen Rohbraunkohle, die gefördert werden kann. Wird Welzow-Süd II aufgeschlossen, sind es 200 Millionen Tonnen mehr.

Leag-Vorstandschef Rendez erklärte, die Entscheidung sei mit all ihren Konsequenzen abgewogen worden. Er kritisierte die massiven regulatorischen Eingriffe in Energiewirtschaft und Strommarkt: "Wir müssen feststellen, dass seitens der Bundesrepublik offensichtlich der Wille besteht, Deutschlands Klimaziele im Wesentlichen auf dem Rücken der Braunkohle zu erreichen."

Die Leag sieht noch immer die Notwendigkeit Welzow-Süd II aufzuschließen. Bis 2020 sollen jedoch vor einer entsprechenden Investition noch die Auswirkungen des Atomausstiegs auf Versorgungssituation und Strompreis, sowie energiepolitische Entscheidungen der neuen Bundesregierung abgewartet werden.

Rendez kündigte an, dass sich die Leag auch neuen Geschäftsfeldern im Energiebereich zuwenden wird. Nähere Angaben machte er nicht. Eine unmittelbare Auswirkung auf die 8.000Arbeitsplätze in der Kohle hat die neue Revierstruktur noch nicht. Der Abbau von 600 Jobs mit der schrittweisen Stillegung von zwei 500-MW-Blöcken in Jänschwalde ist jedoch bereits beschlossen.

Videointerview mit Dr. Helmar Rendez