Vize-Regierungssprecher Thomas Steg hatte in der vergangenen Woche angesichts des Widerstands aus Polen eine Vertagung des Themas angedeutet.Steinbach selbst sagte, sie wäre zu einem Verzicht auf einen Sitz im Stiftungsrat des geplanten Zentrums bereit gewesen. Dies sei aber vor einer Woche von Präsidiumsmitgliedern des Bundes der Vertriebenen (BdV) einhellig abgelehnt worden. Das BdV-Präsidium hatte die CDU-Politikerin zu Jahresbeginn einstimmig für den Beirat der Bundesstiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" nominiert. Über die Besetzung des Gremiums entscheidet die Bundesregierung. Steinmeier sagte: "Ich gehe davon aus, dass es auf parlamentarischer Ebene oder im Kabinett demnächst zu einer Klärung kommt." Grüne und FDP forderten, die BdV-Präsidentin nicht zu berücksichtigen.Vergleich mit WilliamsonSteinbach zeigte sich enttäuscht, dass sie nach Angriffen des Deutschland-Beauftragten der polnischen Regierung, Wladyslaw Bartoszewski, hierzulande nicht in Schutz genommen worden sei. Bartoszewski hatte laut dem Bericht einer polnischen Zeitung gesagt, eine Berufung Steinbachs in den Stiftungsrat sei, "als ob der Vatikan den Holocaust-Leugner Bischof Williamson zum Bevollmächtigten für die Beziehungen zu Israel ernannt hätte". Steinbach sagte: "Wenn mich öffentlich jemand in die Nähe dieser Geisteshaltung stellt, erwarte ich, dass ich verteidigt werde."Vizekanzler Steinmeier sagte, Polen habe sich darauf verlassen, dass Steinbach keine Rolle in den Gremien der Stiftung spielen werde. Allerdings sei die Entsendung Steinbachs in den Stiftungsrat ein CDU-internes Thema. Er könne sich aber nicht vorstellen, "dass durch eine Entscheidung der Union ein Vorschlag kommt, in dem neue Belastungen in das deutsch-polnische Verhältnis hineingetragen werden".Der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, sagte: "Es wäre von der Bundesregierung fahrlässig, wenn die Personalie Steinbach erneut das deutsch-polnische Verhältnis belasten sollte." Jemanden, der die Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze abgelehnt habe, müsse man in Polen nicht als Freund und Versöhner sehen.Rückzug nahegelegtFDP-Fraktionsvize Werner Hoyer erklärte: "Am besten wäre, wenn Steinbach die Größe hätte, selbst zurückzuziehen." Falls sie dies nicht tue, sollte man die Benennung so lange verzögern, bis man in vertraulichen Gesprächen eine für beide Seiten einvernehmliche Lösung gefunden habe. dpa/ab