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Lausitzring bekommt neues Profil

Als Motorsportstrecke hat der Lausitzring offenbar ausgedient. Die Dekra hat den Ring erworben und will keine Rennen mehr veranstalten. Für Tausende Fans heißt dass: keine spannenden Rennen, kein Jubel mehr.
Als Motorsportstrecke hat der Lausitzring offenbar ausgedient. Die Dekra hat den Ring erworben und will keine Rennen mehr veranstalten. Für Tausende Fans heißt dass: keine spannenden Rennen, kein Jubel mehr. FOTO: dpa
Klettwitz. Der Lausitzring bekommt ein neues Profil, und ein Cottbuser Uni-Professor sieht darin eine große Chance: Alexander Kölpin betrachtet die Versuche zum autonomen Fahren, wie sie auf der Anlage geplant sind, als das große Zukunftsthema. wr/kr

Das grundsätzliche Profil des Lausitzrings wird sich "massiv ändern": Davon geht der geschäftsführende Gesellschafter Josef Meier aus. "Veranstaltungen wie bisher finden wohl nicht mehr statt", sagt er. "Den klassischen Rennbetrieb wird es so auch nicht mehr geben." Für ihn steckt in dieser Nachricht "ein Punkt der Traurigkeit".

Mit welchen Herstellern die Dekra bei den Tests zum automatisierten Fahren auf dem Lausitzring zusammenarbeiten will, dazu äußert sich Wolfgang Sigloch von der Pressestelle der Prüfgesellschaft momentan nicht näher. Er sagt: "Wir wollen ein Partner für die Industrie in Bezug auf Tests und Entwicklung sein."

Ein Wissenschaftler aus Cottbus reagiert mit Enthusiasmus auf die Pläne der Dekra. Professor Alexander Kölpin von der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) erforscht bereits Radarverfahren, die ohne direkte Berührung den Herzschlag von Autofahrern messen. Sie sollen künftig dazu beitragen, den Gesundheitszustand von Personen zu erkennen, die am Steuer sitzen - um im Ernstfall selbst die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen. Alexander Kölpin sagt: "Das automatisierte Fahren ist das große Zukunftsthema, und deshalb glaube ich, dass eine solche Teststrecke auf dem Lausitzring neue Arbeitsplätze in unsere Region bringen wird." Nach seinen Worten existieren in Deutschland nur wenige Strecken, auf denen sich die Szenarien des autonomen Fahrens untersuchen lassen.

"Es ist das Beste, was uns in der Region passieren konnte", freut sich Klaus Prietzel, Bürgermeister der Gemeinde Schipkau über den Verkauf des Lausitzrings. "Da gibt es ein richtiges Entwicklungspotenzial." Mindestens 70 neue Arbeitsplätze in einem zukunftsträchtigen Bereich sollen entstehen, hat ihm Dekra-Vorstand Clemens Klinke zugesagt. Aber auch den jetzigen Betreibern zollt er viel Lob für ihr Engagement und für "alles, was sie in die Region geholt haben". Aber es gebe mittlerweile einen Investitionsstau, der mit der Verkaufsentscheidung sicher behoben werden kann, sagt Klaus Prietzel.

Allerdings überwiegt mit Blick auf das automatisierte Fahren noch die Skepsis bei deutschen Konsumenten: 61 Prozent könnten sich derzeit nicht vorstellen, selbst ein solches Auto zu benutzen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann-Stiftung vom Januar 2017 hervor. Ihr Titel lautet: „Automatisiertes Fahren: Aktuelle Einstellungen in Deutschland“ . Die Teilnehmer schätzen im Durchschnitt, dass es noch 18 Jahre dauern wird, bis sich Autos ohne Einfluss eines Fahrers vollkommen sicher im Straßenverkehr bewegen.