Nach dem verhaltenen Frühjahr hat die Wirtschaft in der Lausitz an Dynamik gewonnen. Das ist ein Ergebnis der 6. gemeinsamen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) Cottbus und Dresden für das Gebiet der brandenburgischen und sächsischen Lausitz. Betrachtet wurde dabei das Gebiet zwischen Herzberg im Westen, Guben im Osten und Görlitz im Süden. Dort sind immerhin mehr als 340 000 Menschen mit steigender Tendenz sozialversicherungspflichtig beschäftigt. In ganz Brandenburg sind es mehr als 800 000 und in Sachsen 1,5 Millionen Menschen.

Fast identisch in beiden Bundesländern bewertet etwas mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen seine Geschäftslage als gut. Rund 41 Prozent sehen sie als befriedigend an. Die wenigen anderen bewerten ihre Lage als eher schlecht.

Die positivere Grundstimmung in der Lausitz wurde ohne "die großen Stimmungsmacher" erreicht, wie Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden, Ballungszentren wie Dresden und Meißen bezeichnet. "Keine Branche reißt negativ aus. Selbst der Handel ist zufrieden", sagt er. In der Industrie habe sich die Stimmung verbessert. Die Dienstleister halten ihr Niveau. Der Handel partizipiere von der Konsumfreude, und das Baugewerbe profitiere von der anhaltend hohen Nachfrage nach Leistungen besonders im Wohnungsbau, im Straßenbau und vonseiten der Wirtschaft.

Getragen werde die weniger von der Exportwirtschaft bestimmte positive konjunkturelle Verfassung vom "Verbraucherkonsum und der Inlandsnachfrage auf Basis eines niedrigen Zinsniveaus, eines stabilen Arbeitsmarktes und von Einkommenszuwächsen", so die Kammern.

Gefragt hatten die Industrie- und Handelskammern auch nach den Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung. Binnen eines Jahres hat sich der Fachkräftemangel an die Spitze geschoben. Haben dies vor einem Jahr noch 38 Prozent der Unternehmen als Problem bewertet, so sind es jetzt 52 Prozent. "Das hat uns überrascht", gibt Detlef Hamann unumwunden zu. Dahinter folgen die Furcht vor steigenden Arbeitskosten, vor einer sinkenden Inlandsnachfrage und vor sich ändernden wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.

Auf den Fachkräftemangel haben immer mehr Unternehmen reagiert. Sie sichern sich ihren Nachwuchs durch Ausbildung. "Viele Unternehmen haben inzwischen die Verantwortung für ihre eigene Entwicklung erkannt", lobt der Dresdner IHK-Chef Hamann. Manche würden gar bereits Fachkräfte "bunkern", weil sie nicht wissen, was ihnen diesbezüglich die Zukunft bringt.

Sein Cottbuser Kollege Wolfgang Krüger rät dazu, alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Auch Rückkehrwillige sollten gewonnen werden, obwohl sich der Erfolg bisheriger Aktionen in Grenzen gehalten habe. Ausschlaggebend für Fachkräfte, die zurück in ihre Lausitzer Heimat möchten, sind neben nicht allzu großen Gehaltseinbußen die Arbeitsplatzsicherheit und eine hohe Lebensqualität.

Hierzu zählt der IHK-Hauptgeschäftsführer auch eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur, um zügig zur Arbeit gelangen zu können. Eine gemeinsame Aufgabe sei es, suchende Firmen und Rückkehrwillige zusammenzubringen.

Trotz der insgesamt ausgezeichneten Lage, so die Kammern, blicken die Unternehmen verhalten optimistisch in die Zukunft. Nur 13 Prozent rechnen in nächster Zeit mit günstigeren Geschäftsverläufen, aber immerhin 70 Prozent erwarten eine gleichbleibende Entwicklung. Bei den Investitionen wird mit einer leichten Belebung gerechnet.

Zum Thema:
Für ihren Konjunkturreport Herbst 2016 haben die IHKs Cottbus und Dresden 2180 Lausitzer Betriebe angeschrieben. Geantwortet haben 354 aus Brandenburg und 209 aus Sachsen. Dies sei ein guter Wert. Die Lausitz beiderseits der Ländergrenze zählt insgesamt 52 700 Betriebe. Immerhin 86 Prozent der Unternehmen wollen die Anzahl ihrer Beschäftigten halten oder gar erhöhen.