Der Absturz der Wälder in den Landkreisen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz in der aktuellen Gesundheitsskala für 2006 ist beängstigend. Nach der jüngsten Erhebung ist jeder zweite Baum stark geschädigt. Im vergangenen Jahr waren es nur 14 Prozent. Zusammengenommen sind nur sieben Prozent der Kiefern, Eichen und Buchen richtig gesund. Im Jahr zuvor traf diese beruhigende Prognose immerhin noch auf jeden vierten Baum zu.

Seit Jahren angespannte Situation
Hubertus Kraut, Chef des Forstamtes Doberlug-Kirchhain, kennt die Ursachen. In den Wäldern um Hohenbucko im Norden des Elbe-Elster-Kreises sowie um Ruhland und Schwarzheide im Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises waren Forstschädlinge besonders gierig. Liegen solche Reviere im Beobachtungsraster, kommt es zu solchen gravierenden Ergebnissen. „Ob es nur Momentaufnahmen sind, kann man gegenwärtig noch nicht sagen“ , reagiert Kraut zurückhaltend. „Fakt ist, dass wir seit Jahren eine angespannte Situation beim Waldzustand haben“ , stellt er fest.
Vor allem im Wasserhaushalt und beim Klima, neben dem Boden die entscheidenden Standortfaktoren, gebe es erhebliche Veränderungen. „Die Extremsituationen häufen sich“ , so Kraut. Größere Niederschlagsmengen im Winter und geringere im Sommer würden zunehmend zur jährlichen Normalität in unserer Region, hat Förster Kraut beobachtet. „Die Bäume sterben nicht gleich ab, der Stress aber nimmt zu.“ Dadurch seien sie weniger widerstandsfähig gegen Forstschädlinge.

Buchen und Eichen auf dem Prüfstand
Für Hubertus Kraut drängen sich langfristige Schlussfolgerungen auf. Der Waldumbau mit großflächigen Einmischungen von Buchen und Eichen in die dominierenden Kiefernbestände gehört für ihn auf den Prüfstand. „Wir brauchen die Laubbäume als Klima- und Wasserreserve, allerdings auf optimalen Standorten“ , regt er an. Wo die natürlichen Bedingungen grenzwertig seien, hätten diese Baumarten langfristig keine Überlebenschance, ist Kraut überzeugt. „Bei allen Problemen bleibt die Kiefer die stabilste Baumart der Region.“
Günter Naumann vom Forstamt Peitz (Spree-Neiße) sieht es ähnlich. Insgesamt habe sich die Situation in den Wäldern dieser Region dank der widerstandsfähigen Kiefer verbessert, schätzt er ein. „Bei der Eiche sieht es traurig aus. Bei zwei Dritteln der Bestände hat sich nichts verbessert“ , legt Naumann den Finger in die Wunde. Sogar Pappeln und Erlen seien vom Trockenstress des Sommers gezeichnet. Fast 200 Millimeter Niederschlag wurden bisher weniger gemessen als in Durchschnittsjahren. Für das nächste Jahr befürchtet er nach jetzigen Erkenntnissen den Vormarsch von Schädlingen wie dem Blauen Kiefernprachtkäfer.
„Die Klimaänderungen sind schon da“ , gibt es für Naumann keinen Zweifel. „Ich bin seit 30 Jahren im Amt. Die höchste Waldbrandwarnstufe IV am Stück wie im Juli und August dieses Jahres hat es in diesen drei Jahrzehnten noch nie gegeben“ , nennt Naumann als untrügliches Zeichen. „Wer tiefer im Boden gräbt, der bemerkt, dass es staubtrocken ist“ , fügt er hinzu. Er persönlich sei davon überzeugt, dass in enger Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) über den Waldumbau neu nachgedacht werden muss. „Wenn das PIK für die nächsten Jahrzehnte für die Lausitz savannenähnliche Zustände vorhersagt, haben einige Baumarten bei uns keine Überlebenschance“ , steht für Günter Naumann außer Zweifel.
Im Bereich des Forstamtes Lübben, das weite Teile der Landkreise Dahme-Spreewald und Oberspreewald-Lausitz umfasst, wurden an den 42 Messpunkten zur Erfassung des Waldzustands keine gravierenden Veränderungen festgestellt. Der Anteil der stärker geschädigten Bäume blieb im Vergleich zum Vorjahr mit zehn Prozent konstant. Eine geringfügige Abnahme der gesunden Bäume von 42 auf 35 Prozent könne auf die ungünstige Niederschlagsverteilung im Jahre 2005 zurückgeführt werden, erklärt Delia Wuttge, Sachbearbeiterin Waldschutz im Amt für Forstwirtschaft Lübben. Insbesondere in der Hauptwachstumszeit von April bis Juni habe es Defizite gegeben.

Unterschiede auch im Spreewald
Grundsätzlich müsse der Waldzustand differenziert betrachtet werden, weil durch das feste Rasternetz in besonders gefährdeten Gebieten möglicherweise keine Messpunkte angelegt seien, schränkt Delia Wuttge ein. Betroffen sei zum Beispiel der Oberspreewald, wo schon seit Jahren der Phytophtera-Pilz große Schäden in den Erlen anrichtet. Im Unterspreewald hingegen, wo der Pilz viel seltener auftritt, wurde ein Erlenbestand bei Groß Wasserburg als völlig gesund eingestuft.
Insgesamt befürchten Waldökologen der brandenburgischen Landesforstverwaltung nachhaltige Folgen für den Gesundheitszustand der Wälder. Nach Messungen des Deutschen Wetterdienstes war der Herbst 2006 der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Die Durchschnittstemperaturen lagen 3,4 Grad über dem langjährigen Mittel. Die Bäume kommen nicht zur Ruhe, der Motor droht heiß zu laufen.
Die Eberswalder Experten warnen, dass vor allem die Laubbäume ihre Reserven für den Austrieb der Blätter im nächsten Jahr schon jetzt verbrauchen. Dennoch sagen sie: Trotz oder gerade wegen dieser Entwicklung gibt es zum Waldumbau keine Alternative. Gemischte Wälder seien stabiler gegenüber Schäden und würden auch mehr Grundwasser liefern.

Wasser für Pflanzen nicht verfügbar
Sorgenvoll geht Revierförster Michael Bayer durch seine Wälder im ostsächsischen Uhyst. Er sieht zwar in der gegenwärtigen Temperatur kein akutes Problem, sehr wohl aber, wenn sich die Tendenz der letzten Jahre fortsetzen sollte. So registrierte die Waldklimastation Neukollm bei Hoyerswerda beispielsweise in diesem Jahr für die Zeit ab Mitte Juli bis Anfang August, dass das Wasser aufgrund der Hitze so sehr im Boden festgehalten wurde, dass es für Pflanzen nicht schnell genug oder gar nicht mehr zur Verfügung stand. Sie verwelkten.
„Wenn weitere Sommer dieser Art kommen, dann kann die Lage explodieren“ , befürchtet der Uhyster Revierförster Bauer. Enorme Gefahren würden vor allem durch Schädlinge drohen. Ganz klar ist deshalb, was auf seinem Wetter-Wunschzettel ganz oben steht: Schnee im Winter, ein feuchtes Frühjahr und einen Sommer um 25 Grad mit Sonne und Regen.