Detlef Fahrentholz, Vorsitzender der Taxigenossenschaft in Cottbus, hofft, dass möglichst ein Sieg rausspringt. Dann, so sagt der Unternehmer, wird im Stadion kräftiger gefeiert, was den Taxiruf bei ihm öfter klingeln lässt. Außerdem erhöhe ein Erfolg die Chancen auf den Wiederaufstieg in die erste Bundesliga. "Da war bedeutend mehr los, auch für uns", schätzt er ein.
Energie Cottbus als Wirtschafts- und Imagefaktor in der Lausitz war dieser Tage ein Thema, das zahlreiche Mitglieder des Unternehmerverbandes Brandenburg in die VIP-Lounge des Stadions der Freundschaft gelockt hatte. Schließlich interessiert es Wirtschaftsleute, wie groß der Kuchen ist, von dem man vielleicht mit naschen kann, und wie die sportlichen Perspektiven des Aushängeschildes der Region sind. "Cottbus hatte mal die Bundesgartenschau. Dass die Region aber immer noch im
Gespräch ist, ist dem Profifußball bei Energie Cottbus zu verdanken", unterstreicht Energie-Vizepräsident Ernst Thierfelder beim Treff der Klein- und Mittelständler.

Etat über elf Millionen Euro

Energie wirtschaftet in dieser Saison mit elf Millionen Euro. Das ist zwar nur die Hälfte des Erstligaetats, neben Bielefeld aber Spitze in der zweiten Bundesliga. Der Haushalt liegt damit zwei Millionen Euro über dem des heutigen Gegners. Tabellenführer Rot-Weiß Oberhausen kann nur 4,3 Millionen Euro ausgeben.
Der größte brandenburgische Fußballverein ist unmittelbarer Arbeitgeber für 20 Frauen und Männer, die in der Verwaltung fest angestellt sind, die Technik im Stadion der Freundschaft sowie im ehemaligen Lok-Stadion, dem heutigen Nachwuchszentrum des Klubs, betreuen, als Manager und Trainer seine wirtschaftlichen und sportlichen Geschicke leiten. Hinzu kommen 130 Ordner und Kassierer an Spieltagen sowie Trainer- und Übungsleiter, die mit Pauschalverträgen im Verein den Nachwuchs betreuen.

Aufträge für Firmen der Region

Rund 6,9 Millionen Euro gibt Energie insgesamt an Personalkosten aus. "Das ist Geld, von dem über Steuern und andere Ausgaben viel in der Region bleibt", so Ernst Thierfelder. Er erinnerte zudem an Investitionen wie den Bau der neuen Osttribüne. Lediglich die Dachkonstruktion stamme von einem Stahlbaubetrieb aus Salzgitter, alle anderen Arbeiten an dem elf Millionen Euro teuren Bau hätten Firmen der Region erledigt.
Für einheimische Unternehmer ist der Profiklub ein wichtiger Werbeträger, den sie unterstützen, um ihn für sich zu nutzen. "Nach dem Abstieg in die zweite Bundesliga haben vor allem auch die regionalen Partner zu uns gehalten. Deren Zahl ist sogar noch gestiegen", schätzt Marketing-Chef Ralf Lemke ein. Neben den 4,7 Millionen Euro aus Einnahmen aus dem Bundesliga-Fernsehtopf sind die aus Werbe- und Sponsorenverträgen mit 3,7 Millionen Euro zweites Standbein des Klubs.
In heftige Turbulenzen sei der Verein durch die Kirch-Krise geraten, räumt Manager Klaus Stabach vor den Unternehmern ein. Inzwischen bewege sich Energie wirtschaftlich wieder in etwas ruhigerem Fahrwasser, so Stabach, der gegenwärtig die Lizenzanträge für die neue Saison vorbereitet.