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| 19:30 Uhr

Umwelt
Lausitzer suchen Alternativen zum Bierbecher

Die Zeit der Einwegbierbecher könnte bald vorbei sein. Die EU will die Becher verbieten.
Die Zeit der Einwegbierbecher könnte bald vorbei sein. Die EU will die Becher verbieten. FOTO: ZB / Julian Stähle
Cottbus . Die EU-Kommission will Plastikgeschirr verbieten. Plastikbecher gehören etwa beim Cottbuser Stadtfest bisher dazu und wären dann tabu. Von Lydia Schauff

Dass die EU-Kommission Plastik-Wegwerfgeschirr verbieten möchte, kann Christina Schlodder, die das Energie-Eck am Stadion des FC Energie Cottbus betreibt und bei Spielen im Stadion ausschenkt, gelassen sehen. Sie setzt seit Jahren auf Hartplastikbecher, die gespült und wiederverwendet werden können. Damit die stabilen Becher mit Henkel auch wieder zurückkommen, erhebt sie darauf einen Euro Pfand. Die Reinigung der Becher übernimmt eine externe Firma. Und schon beim nächsten Energie-Spiel kann der saubere Becher wieder ein kühles Blondes beherbergen.

Die wiederverwendbaren Getränkebecher sind besser für die Umwelt, aber: „Das ist auch eine Frage des Geldes“, sagt Christina Schlodder. Während ein Einwegplastikbecher drei Cent das Stück kostet, sind es bei einem Mehrwegbecher sieben Cent. Und es kommen die Kosten für die Reinigung dazu.

Schausteller Heinz-Günter Schoppe aus Wittichenau, der einen Imbisswagen betreibt und Langos verkauft, weiß aber aus Erfahrung: „Es gibt viele Veranstaltungen, bei denen kein Wasseranschluss da ist.“ Er selbst wäre von der EU-Regelung nicht direkt betroffen, da er Pappteller benutzt. Da die beschichteten Teller aber auch Einwegwaren sind und dann im Restmüll landen – wegen der Beschichtung können sie nicht recycelt werden – könnte es sein, dass auch das Dasein des Pappgeschirrs befristet ist. Für Heinz-Günter Schoppe steht mit Blick auf die geplante Anti-Plastikgeschirr-Regelung fest: „Es muss erst eine gute Alternative geben, bevor etwas komplett verboten wird.“

An einer solchen Alternative arbeitet Thomas Büsse mit seinen Kollegen in Schwarzheide. Büsse ist Leiter des dortigen Verarbeitungstechnikums Biopolymere, eine Außenstelle des Potsdamer Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung. Ein sehr großes Problem mit Plastik aller Art entstehe dann, wenn sie in der Landschaft landet. Es dauert Jahrzehnte bis sich das Material auflöst und selbst dann bleiben Mikroplastikteilchen übrig, die in Flüssen und Gewässern Schäden anrichten.

In Schwarzheide wird deshalb geforscht, um eine biologisch abbaubare aber gleichzeitig hitzebeständige Verpackung zu schaffen, die so stabil ist wie die 0815-Plastik, aber bei Weitem nicht so umweltschädlich. Es wird aber nichts ganz Neues erfunden, sondern Vorhandenes modifiziert. „Die Bioplastikverpackungen bauen sich auch nach und nach ab, aber schneller und es bleibt keine Mikroplastik zurück“, so Thomas Büsse. Solche Verpackungen können zum Beispiel aus polymerisiertem Zucker bestehen. Dessen Abbaustoffe seien ungiftig.

Bei der Produktion von herkömmlicher Plastik werden zudem viele Ressourcen, allen voran Erdöl, verschwendet. Deshalb wird im Verarbeitungstechnikum Biopolymere auch nach Möglichkeiten gesucht, Bioplastik ressourcenschonend herzustellen, aus Agrar- oder Lebensmittelabfällen. Doch die Forschung ist noch längts nicht abgeschlossen.

 Und so wird es auch beim Cottbuser Stadtfest wieder Plastikbecher geben. Allerdings hat der Veranstalter, die Coex GmbH, vor zwei Jahren mit der Stadt Cottbus ein Konzept zur Müllvermeidung ausgearbeitet, nachdem ein Stadtverordneter das angestoßen hatte. Statt im Restmüll zu landen, werden alle Becher eingesammelt und größtenteils recycelt.

„Es ist auch denkbar, dass wir künftig komplett auf Hartplastikbecher umsteigen“, sagt Manuela Damm von der Coex GmbH. Diese Mehrwegbecher würden etwa von den Betreibern der Cocktailbar-Buden bereits benutzt. Um das im großen Umfang zu ermöglichen, wäre eine Spülstation vor Ort nötig. Auch müsste das Ganze logistisch bewerkstelligt werden.

Die Tourismus, Kultur & Stadtmarketing Lübben GmbH (TKS), Veranstalter des Spreewaldfestes, möchte in diesem Jahr nachhaltiger werden. „Es gibt Überlegungen ein Pfandsystem einzuführen“, sagt Peggy Nitsche von der TKS. Aktuell gäbe es Gespräche, wie das genau aussehen soll. Auch wie die angefallenen Plastikbecher dann entsorgt werden, stehe noch nicht fest. Fest steht aber: Der Plastikmüll soll nicht im Restmüll landen.

Janine Jurisch vom Cottbuser Partyservice Jurisch stellt mit Blick auf die neue geplante EU-Regelung fest: „Das wäre für uns sehr schlecht.“ Sie fragt sich, worin sie dann ihre Gulaschsuppe verkaufen soll. Bisher benutzt sie Plastikteller.