Das kleine Dorf Hohendorf im Amt Golßener Land (Dahme-Spreewald) hat gewissermaßen seinen eigenen Franz Beckenbauer. Der heißt zwar Randolf Krug, organisiert aber, wie der große Kaiser, ebenfalls eine Fußball-Weltmeisterschaft. Zeitgleich zu den Spielen in München, Hannover, Leipzig oder Berlin kämpfen im 80-Seelen-Ort Topp-Mannschaften wie Deutschland, England oder Argentinien gegen die Außenseiter aus Costa Rica, Trinidad und Tobago sowie die Elfenbeinküste. Stammtisch-Truppe, Frauenmannschaft, Straßenkicker – wer Lust hat an zwei vergnüglichen Wochenenden, kann mitmachen, und seine Gegner austänzeln wie die echten Brasilianer, verspricht Krug. Einzige Bedingung: „Die Spieler müssen mindestens 15 Jahre alt sein.“

Quartiere auf dem Feld
Das Organisationskomitee (OK) hat seine Arbeit inzwischen aufgenommen und ist laut OK-Chef "hundertprozentig davon überzeugt, dass alles gut klappt". Am 27. Mai wird den Teilnehmern das Land zugelost, das sie vertreten. Dann müssen die sich nur noch das nötige Outfit zulegen, verspricht Krug für das Kleinfeldturnier einfache Regeln sowie Spaß und Unterhaltung. Die Mannschaftsquartiere könnten gleich hinter dem Sportplatz auf einem freien Feld aufgeschlagen werden.

In Hoyerswerda gibt es eine Mini-WM. Kicker aus sechsten und siebenten Klassen von sieben Grundschulen wollen ihre Helden küren. Weil allerdings nur 24 Teams zusammengekommen sind, mussten die letzten acht der Fifa-Rangliste weichen. Stadtsportbund und Kulturfabrik haben die Organisation in die Hände genommen. Die Auslosung ist bereits erfolgt. Inzwischen beschäftigen sich die Klassen mit ihren Ländern: die 7 a der Mittelschule Lohsa mit Paraguay, die 7 c des Foucault-Gymnasiums mit der Elfenbeinküste, die Förderschule Kopernikus mit Japan oder die 6 a aus Burgneudorf mit Spanien. Thomas Delling, Kultur- und Sportbürgermeister hebt hervor, dass die Schüler damit zeigen, dass Hoyerswerda keine ausländerfeindliche Stadt ist. "Wir sind an anderen Ländern interessiert und begegnen ihnen offen", formuliert Delling eine Botschaft der Mini-WM.

Natürlich werden die Besten in Hoyerswerda wie in Hohendorf belohnt. In Hohendorf steht die Siegprämie bereits fest: "Die Weltmeister erhalten Tickets für den Bundesliga-Knaller Hertha BSC gegen Schalke 04 im Olympia-Stadion", verspricht der gebürtige Berliner Randolf Krug.

Ein Besuch im WM-Endspielstadion ist allemal eine schöne Sache, selbst wenn die Tickets der Herthaner im Moment weniger heiß begehrt sind wie die zu den WM-Spielen. Bei den Müllers aus dem Luckauer Ortsteil Zöllmersdorf steigt mit jedem Tag das WM-Fieber. Schließlich hatten sie in der ersten Bestellphase vier Eintrittskarten für das Spiel Deutschland gegen Polen in Dortmund ergattert. Die Müllers sind eine fußballverrückte Familie. Ina (44) und Gerd Müller (49) verpassen kein Heimspiel von Hertha BSC, "selbst wenn wir gegenwärtig Frust schieben", wie Ina Müller bekennt. Auch für die WM gingen nicht alle Träume in Erfüllung. Auf alle Spiele der Deutschen einschließlich des Finales in Berlin hatten die Luckauer gehofft. Am Ende waren es "nur" vier Tickets.

Wie bei Jürgen Klinsmann musste im Kader der Müllers gesiebt werden. Anders als beim Nationaltrainer, der den alten Christian Wörns ausbootete, musste mit Sohn Nick (25) der Nachwuchs zu Gunsten von Schwester und Schwager seiner Mutter weichen. "Der ist noch jung, kann vielleicht noch eine Weltmeisterschaft live erleben", begründet Ina Müller die Wahl. Nick habe seine Abservierung allerdings " sehr sportlich genommen", lobt Ina Müller.

WM-Spielplan als Speisekarte
Langsam auf WM-Touren kommt in Spremberg die Mannschaft von Torsten Linke. Im Restaurant "InselPerle" seines Hotels "Stadt Spremberg" soll das WM-Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" kulinarisch umgesetzt werden. Der WM-Spielplan bestimmt die Speisekarte, verrät Linke. Spielen Italien, Mexiko oder Spanien, gibt es Bruschettas, Chili con carne oder Paella. Zum Finale am 9. Juli will Linke in seinem Menü-Angebot gerne Eisbein mit Sauerkraut und Meerrettich aus dem Spreewald sowie brasilianisches Feuersteak mit Mais-Mango-Salsa offerieren.

Fußball in der Kirche
Von einem Endspiel Deutschland gegen Brasilien träumt auch Linkes Gastronomie-Mitbewerber Hans-Michael Metag vom Hotel Georgenberg. Schon jetzt hat er sich die Übertragungslizenz der Spiele auf Großleinwand im Saal des Hotels gesichert. "Das ist kein billiger Spaß. Ich hoffe aber, dass von den Gästen das eine oder andere Bierchen mehr getrunken wird", sagt Metag. Wichtiger ist ihm die Langzeitwirkung. Er hofft, dass durch WM-Übertragungen in der Sportsbar "viele Leute das Ambiente unseres Hauses kennen lernen und später einmal wiederkommen".

Auf ein volles Haus, nämlich in der Oberkirche in Cottbus, hofft Pfarrer Christoph Polster. Im Kirchenschiff soll es in den WM-Tagen hoch hergehen aber auch Nachdenkliches geben. Ausgewählte Spiele, die auf einer Großleinwand gezeigt werden, sollen mit einer besonderen Geschichte verbunden werden. Pfarrer Polster und die Mitglieder einer Arbeitsgruppe denken an Theater ebenso wie an Podiumsdiskussionen über Schattenseiten des Fußballs und wie man ihnen begegnen kann. An einer Konzeption werde gerade gearbeitet, die dem Gemeindekirchenrat vorgestellt werde, erläutert Polster. Die Kirche könne ein guter Ort sein, sich dem Thema Fußball anders zu nähern als in einem Stadion oder auf dem Marktplatz.

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