Auf ihren Aufliegern ruht die Hoffnung der Lausitzer Bergbausanierer: Sanierungsschiffe, die innerhalb der nächsten Monate und vielleicht auch Jahre dafür sorgen sollen, dass sich die ph-Werte in den Lausitzer Bergbaufolgeseen von sauer in neutral wandeln.

Der Plan klingt simpel: Innerhalb der kommenden Wochen, veranschlagt sind 50 Werktage, werden die Schiffe zunächst auf dem Bernsteinsee unterwegs sein und zweierlei ins Wasser einbringen. „Wir beginnen mit zirka 10 000 Tonnen Kalkmehl“, sagt Wolfgang König, Projektleiter Seenkalkung bei der Firma Rheinkalk. Dieser Stoff wird durch Silofahrzeuge angeliefert und per Schlauchverbindung in den Bauch des Schiffs gepumpt. Dieses verteilt das Kalkmehl auf dem gesamten See. In einem zweiten Schritt wird Kalkhydrat in das Wasser eingebracht. Ziel ist, den ph-Wert auf bis zu 6,5 ansteigen zu lassen. Zunächst werden laut König Eisen- und Aluminiumbelastungen neutralisiert, ehe sich etwas am ph-Wert ändert. Der beträgt der LMBV zufolge im Bernsteinsee zurzeit 2,9. Das bedeutet: Das Gewässer ist zurzeit noch extrem sauer.

„Der Vorteil dieser Methode ist, dass wir uns teure Bauten sparen und jede Ecke des Gewässers erreichen können“, sagt LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber. Der Kostenaspekt sei in diesem Fall von entscheidender Bedeutung. Würden Gebäude wie Grubenwasserreinigungsanlagen errichtet, müssten diese irgendwann zurückgebaut werden – ein zusätzlicher Kostenfaktor.

Dass gerade der Bernsteinsee für die Lausitzer Premiere ausgewählt wurde, war eine bewusste Entscheidung. Da später auch das Restloch Burghammer für die Niedrigwasseraufhöhung der Spree eingesetzt wird, muss das Wasser ph-neutral sein.

Was in der Lausitz Neuheit ist, ist in Skandinavien bereits ein alter Hut. In Schweden, wo die Konstrukteure der Sanierungsschiffe zu Hause sind, wird diese Technik bereits seit rund 30 Jahren angewandt. Dort gibt es Hunderte Seen, die natursauer oder durch sauren Regen sauer geworden sind. Sie werden regelmäßig nach diesem Prinzip behandelt. Auch für die LMBV ist das Bekalken per Schiff kein Neuland mehr. Die Premiere dieser Technik in Ostdeutschland hatte es in Thüringen bereits gegeben. Auch in der Lausitz hatte im Dezember ein erster Probelauf stattgefunden.

Der Bergbausanierer betrachtet das Projekt als Qualitätsoffensive für das Seenland. Jedoch müsse der Versuch im Bernsteinsee erst zeigen, wie effektiv das System ist, sagt Manfred Kolba, Sanierungsbereichsleiter Lausitz der LMBV.