Die Geschichte des Hainewalder Schlosses kennt Jürgen Böhme im Schlaf: „Überraschend zu Vermögen gekommen, entdeckten die Herrschaften von Kanitz und Kyaw Hainewalde als Herrensitz und schufen eine Vielzahl eindrucksvoller Bauten“ , erzählt das Mitglied des Fördervereins Hainewalder Schloss e.V. von den Anfängen. Neben dem zwischen 1749 und 1755 errichteten Schloss zählte dazu auch die berühmte Kanitz-Kyawsche Gruft, die nach Plänen von Pöppelmann und Permoser errichtet wurde.

Investor gesucht
Hainewalde erwarb sich schnell den eines „Sanssouci der Lausitz“ . Doch die Herrschaft verarmte: „1927 musste das Schloss an die Gemeinde Großschönau verkauft werden“ , fährt Böhmer fort. Diese ist noch heute Eigentümerin des Schlossareals auf dem Gebiet der Nachbargemeinde. Die Nationalsozialisten richteten in dem Schloss ein Schutzhaftlager ein und zu DDR-Zeiten wurde es als Kinderheim und Wohnhaus genutzt. „Obwohl mehrmals seit der Wende versucht wurde, das Hainewalder Schloss zu privatisieren, verfällt es immer mehr“ , bedauert Böhmer. Der Förderverein will das nun ändern und hat sich deshalb den weitestgehenden Erhalt des alten Gemäuers auf die Fahnen geschrieben. „Denn das Schloss ist akut bedroht“ , warnt Böhmer. Besonders der Ostflügel weise gravierende Schäden auf und müsse dringendst gesichert werden: „Wenn das nicht bald gemacht wird, droht der Flügel abzurutschen“ , weiß Jürgen Böhmer. Auf bis zu 30 Millionen Euro schätzt er die Sanierungskosten. Der Verein selbst könne aber nicht im entferntesten daran denken, eine Summe in dieser Größenordnung aufzubringen. „Wir möchten einfach verhindern, dass das Schloss zusammenfällt“ , erklärt Jürgen Böhmer das oberste Ziel des Vereins. Und natürlich hoffen die Mitglieder für den Aufbau des Schloss auf einen Investor, „der genügend Kleingeld auf der Kante liegen“ habe.

Malerisches Panorama
Böhmer erinnert sich gut - Interessenten habe es schon einige gegeben. „Doch die sind allesamt wieder abgesprungen“ , bedauert Böhmer.
Das Schloss aber wirkt nicht nur von außen groß und wuchtig - es ist für Ortsunkundige auch durchaus möglich, sich darin zu verlaufen. An jedem zweiten Sonnabend bietet der Förderverein deshalb Führungen bis hinauf ins oberste Turmgeschoss an.
Von hier oben genießen Besucher das Panorama auf das im Tal der Mandau gelegene Dorf. Doch auch der Blick direkt nach unten ist interessant: Dort steht an der Rückseite des Schlosses die abgenommene und mit Aluminium verkleidete Turmhaube. „Wann die wieder nach oben kommen kann, steht derzeit leider in den Sternen“ , bedauert Böhmer und hofft auf Hilfe.

Service Veranstaltungen im Schloss
  An folgenden Terminen veranstalten die Mitglieder des Fördervereins des Hainewalder Schlosses e. V, wieder Schlossführungen : Samstag, 26. August, 14.30 Uhr (mit Kaffeetafel); 9. September, 10 Uhr; 23. September ab 14.30 Uhr (mit Kaffeetafel), 7. und 21. Oktober jeweils 10 Uhr.
Weitere Veranstaltungen : Sonntag, 27. August, 19 Uhr, Kaminabend ; Sonntag, 10. September, ab 10 Uhr, Tag des offenen Denkmals mit vielen Aktionen.
Die Anfahrt : über Löbau, auf der B 178 bis Herrnhut, von dort über Ruppersdorf zur B 96, auf dieser weiter in Richtung Zittau bis Mittelherwigsdorf, dort die Abzweigung nach rechts in Richtung Hainewalde wählen.