Im ostsächsischen Rothenburg macht die Mosterei Neubert ihren Kunden für die laufende Saison ein neues Angebot. Die Traditionsmosterei hat sich eine mobile Presse zugelegt und wird zu Obstbauern, die mehr als 2000 Kilogramm zu verarbeiten haben, direkt auf den Hof kommen. "Wir sind zuversichtlich, dass dieses Angebot auch angenommen wird", sagt Geschäftsführerin Konstanze Neubert der RUNDSCHAU.

Im Landkreis Görlitz habe es in den letzten drei Jahren nur mäßige Obsternten gegeben. "Immer wieder kam im Frühjahr der Frost in die Quere", erinnert sich die Chefin. Doch 2015 sehe es endlich wieder nach einer guten Ernte aus. Drei Tage in der Woche werden auf dem Hof des Rothenburger Unternehmens die Früchte auch von Kleingärtnern zu Most verarbeitet. "Wer es wünscht, der bekommt bei uns den Saft aus den eigenen Äpfeln."

In Rothenburg sind die ersten Früchte bereits durch die Presse gegangen. Im gesamten Freistaat und in Brandenburg stehen die Mostereien größtenteils aber noch in den Startlöchern. Mit dem Start der Apfelernte in wenigen Wochen ist es dann aber endgültig mit der Ruhe vorbei. Etwa ein gutes Dutzend Betriebe steht nach Angaben des Naturschutzbundes Brandenburg im Land bereit, um köstliche Säfte herzustellen - für einige ist es nur ein Saisongeschäft. Landwirte und Obstbaumbesitzer wissen, dass sie schon im Vorfeld Termine vereinbaren sollten. Denn schnell sind die Betriebe ausgebucht. Etwa 500 Kilogramm Obst ergeben etwa 30 Flaschen Saft.

Die Aussichten für Brandenburgs Apfelernte sind gut, aber nicht rekordverdächtig. "Wir nehmen alles, was angeboten wird", sagt Daisy Gräfin von Arnim, Chefin der Mosterei "Apfelgräfin" aus dem Boitzenburger Land (Uckermark).

Landesweit wird eine Erntemenge von etwa 22 500 Tonnen erwartet; 2014 wurde ein Spitzenwert von 28 900 Tonnen erreicht. Äpfel stehen beim Baumobst mit 90 Prozent an der Spitze. Dann folgen Pflaumen, Süßkirschen, Sauerkirschen, Birnen und Mirabellen. Dazu wurden im Vorjahr etwa 1544 Tonnen Strauchobst wie Johannisbeeren, Himbeeren, Kulturheidelbeeren und Brombeeren geerntet.

Der Gartenbauverband Berlin-Brandenburg erwartet 2015 ein durchschnittlich gutes Obstjahr. Um an den Rekord des Vorjahres heranzukommen, "ist es zu trocken", erklärt Geschäftsführer Andreas Jende. In großen Anlagen, wo die Bewässerung fehle, "wird die Fruchtgröße darunter leiden". Aber abgerechnet werde zum Schluss, sagt Jende. Zunächst würden die Früchte in den Frische-Verkauf gehen. Was in Größe und Aussehen nicht den Vorgaben und Kundenwünschen entspricht, geht in die Konservenfabriken und Mostereien.

Größter Saftproduzent im Land ist die Bauer Fruchtsaft GmbH in Bad Liebenwerda (Elbe-Elster). Die Mosterei verarbeitet nicht nur Äpfel von Anbaubetrieben. "Obst wird auch von vielen Privatleuten angenommen", sagt Marketing-Chefin Heike Monien. "Manche haben nur zwei oder drei Obstbäume im Garten, andere eine Streuobstwiese." Eine Rentnerin etwa bringe immer ihre Äpfel mit dem Fahrrad vorbei. Das Unternehmen öffnet in der Saison in der Region 15 Annahmestellen und kauft Obst an.

Besonders experimentierfreudig ist der Linumer Landhof in Nordbrandenburg: "Wir mischen Äpfel mit Birnen, Sellerie oder Roter Bete", sagt Mitarbeiterin Regine Scholz-Berg. Steckenpferd des Betriebes seien aber sortenreine Apfelsäfte. Verarbeitet werden beispielsweise die Sorten Cox Orange, Boskop oder Elstar von eigenen Bäumen.

Patricia Christmann, Chefin der Mosterei Brüssow (Uckermark), berichtet schon von guten Terminabsprachen. Kunden können ihr bei der Arbeit über die Schulter schauen. "Für viele Stammkunden ist das ein Erlebnis, sie helfen sogar mit", schildert Patricia Christmann Erlebnisse aus den Vorjahren. Gemeinsam werden die Früchte gewaschen und sortiert.

Gerd Spiller, Chef der Neuruppiner Mosterei, nutzt die Ruhe vor der Ernte, um seine Maschinen auf Vordermann zu bringen. Bald kämen wieder Privatleute mit den geernteten Äpfeln: manche mit ein paar Eimern, andere mit einem vollen Autoanhänger. Nach zwei bis drei Tagen können sie den Saft gegen einen Obolus abgefüllt in Flaschen abholen.