betriebliche Gesundheitspolitik“ . Angesichts der Prognosen ist das Thema allerdings brisant und drückt sich nicht zuletzt in den Diskussionen um die Rente mit 67 aus.

Immer mehr ältere Arbeitende
Vor allem die neuen Bundesländer und eben auch der Landstrich zwischen Spree, Neiße und Elbe sind von einer zunehmenden Vergreisung der Bevölkerung bedroht. Nach Angaben des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie (Inifes) besteht die große Herausforderung in der dramatisch zunehmenden Zahl von Personen im höheren Erwerbsalter. Demnach wächst in Regionen rund um Berlin die Zahl der 55- bis 64-Jährigen in den nächsten 20 Jahren um bis zu zwei Drittel. Im Bundesdurchschnitt dagegen wird nur mit einem Drittel gerechnet.
Südbrandenburg, so sagen Berechnungen, dürfte etwa in der Mitte dieser Spannbreite liegen. „Auf dem ersten Blick“ , so Inifes-Professor Ernst Kistler, „könnte das ein wenig beruhigen“ . Allerdings, so verwies er gegenüber der RUNDSCHAU, sei der Altersdurchschnitt der Bevölkerung bereits jetzt sehr hoch. Deshalb, so Kistler, werde weiterhin eine große Anzahl älterer Arbeitnehmer auf den Markt drängen und angesichts fehlenden Nachwuchses stärker gefragt sein. Die betriebliche Gesundheitspolitik gewinne allein aus diesem Grund an Bedeutung.
Das Modellprojekt wird getragen von der Bertelsmann Stiftung, der IHK und Handwerkskammer Cottbus, der Initiative Neue Qualität der Arbeit (inqa), den Krankenkassen AOK und IKK, dem Arbeits-, Gesundheits- und Sozialministerium in Potsdam sowie als regionalem Ansprechpartner der Wirtschaftsentwicklungs- und Qualifizierungsgesellschaft (Wequa) Lauchhammer. Ziel ist es, Initiativen auf diesem Gebiet zu entwickeln und zu vernetzen sowie Erfahrungen zu vermitteln.
Der Start des Projektes verlief allerdings wenig euphorisch. Über 1000 Unternehmen der Region hatten IHK und Handwerkskammer eingeladen, große Firmen ebenso wie Kleinbetriebe. 53 hatten sich für die Auftaktveranstaltung in dieser Woche angemeldet, nur 29 waren gekommen. Und diese Zahl bröckelt im Laufe der Informationsveranstaltung noch Stück für Stück ab.
„Es ist schon erstaunlich, wie das Problem des demografischen Wandels in der Praxis vor sich hergeschoben wird“ , so Inifes-Experte Kistler weiter. Und das offensichtlich nicht nur in der Lausitz und der Elbe-Elster-Region, sondern bundesweit, wie er mit einem Beispiel aus Bayern belegte. So ist dort laut Inifes-Erhebungen der Anteil der Betriebe mit mindestens einem Arbeitnehmer ab 50 Jahren zwischen den Jahren 2002 bis 2006 stabil bei 60 Prozent geblieben. Maßnahmen für ältere Arbeitnehmer in diesen Unternehmen seien jedoch, so Kistler, zunehmend Fehlanzeige.

Gesundheitshilfe erwünscht
Kein Wunder, dass sich nach Erkenntnissen der Bertelsmann Stiftung ein Viertel der Beschäftigten überhaupt nicht vorstellen kann, bis zum Alter von 67 Jahren auf dem jetzigen Arbeitsplatz durchzuhalten. 86 Prozent wünschen sich von Firmenchefs, bei der Erhaltung ihrer Gesundheit unterstützt zu werden.