Einer von Tausenden, die sich seit Jahren pausenlos engagieren, ist der ehemalige Direktor des Amtsgerichtes von Cottbus, Wolfgang Rupieper. Er spricht an vielen Schulen über Themen wie Rechtsradikalismus, Rockerkriminalität, Cyber-Mobbing - freiwillig, ehrenamtlich, unentgeltlich. "Ich möchte die Jugendlichen mit unserem Rechts- und Wertesystem vertraut machen", sagt Rupieper. Wenn die Jugendlichen erst vor einem Richter stehen, dann ist es schon zu spät. Am liebsten gehe er in die fünften und sechsten Klassen. "Ich kann den Jugendlichen zeigen, wo bestimmtes Verhalten hinführen kann", erläutert Rupieper. 34 Jahre habe er am Gericht in Abgründe geschaut.

Vor allem das Thema Rechtsex tremismus liegt dem ehemaligen Richter am Herzen. In Diskussionen möchte er vermitteln, dass bestimmte Entscheidungen Konsequenzen haben können. Und zwar nicht nur für einen selbst, sondern auch für die Familie, Freunde und Bekannte. Auch sei es schwierig, wieder auszusteigen, wenn man erst mal irgendwo reingeraten ist. Bevor Rupieper an eine Schule geht, bekommt er vom jeweiligen Klassenlehrer einen umfangreichen Fragenkatalog zugeschickt. Darauf stehen Themen, über die die Schüler reden wollen. "Ich bleibe so auch auf einem aktuellen Stand. Die Arbeit mit den Schülern ist also auch für mich eine Bereicherung", sagt er.

In Brandenburg ist das freiwillige Engagement besonders hoch. Wie hoch, wird alle fünf Jahre durch eine Erhebung im Auftrag der Bundesregierung erfasst. Danach sind die Quoten für die Mark in den vergangenen Jahren äußerst stabil und liegen über dem bundesdeutschen Durchschnitt. So gab 2004 und 2009 jeder Dritte über 14 Jahre an, ehrenamtlich tätig zu sein. Damit liegt Brandenburg mit 33 Prozent gemeinsam mit Sachsen in der Spitzengruppe in Ostdeutschland, wo im Durchschnitt 30 Prozent der Bevölkerung ehrenamtlich tätig sind. Schlusslicht ist mit 26 Prozent Sachsen-Anhalt.

Auch volkswirtschaftlich ist die Schar der Freiwilligen interessant. Laut Engagementatlas der Prognos AG werden in Deutschland monatlich im Schnitt 16,2 Stunden pro Person freiwillig gearbeitet. Das entspricht in etwa 3,2 Millionen Vollarbeitsstellen. Legt man, wie in der Studie, einen Stundenlohn von 7,50 Euro zugrunde, entspricht das einem Arbeitswert von 35 Milliarden Euro.

Um noch mehr Bürger für ein ehrenamtliches Engagement zu gewinnen, gibt es in Sachsen seit 2010 die Ehrenamtskarte. Deren Inhaber können zu besonders günstigen Konditionen Museen und Freizeiteinrichtungen besuchen. Mehr als 70 Institutionen beteiligen sich bereits an dem Projekt, etwa 200 000 Karten sind im Umlauf.

In Brandenburg steckt ein ähnliches Projekt noch in den Kinderschuhen. Ende August hatten der Chef der Staatskanzlei, Albrecht Gerber, und die Präsidentin des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Karin Genrich, eine erste Partnervereinbarung für die neue Karte unterzeichnet. Die erhält, wer sich mehr als 20 Stunden pro Monat oder fünf Jahre lang mehr als zehn Stunden pro Monat engagiert.

Auch in Brandenburg sollen Besitzer der Karte Rabatte und Vergünstigungen bekommen. "Die Träger sollen von ihrem Engagement profitieren. Deshalb werben wir auch um Mitstreiter", sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) im Vorfeld der Ehrung am Samstag. Laut Staatskanzlei konnten 50 Unternehmen als Partner gewonnen werden. Damit verbinde sich natürlich die Hoffnung, dass sich noch mehr Brandenburgerinnen und Brandenburger freiwillig engagieren, um das Land weiter voranzubringen, so Platzeck weiter.

Auch Maik Rätzel ist ehrenamtlich tätig. Er ist Präsident des Großräschener Carneval Clubs (GCC). Als er das Amt in der Saison 2008/2009 übernahm, war er mit 28 Jahren der jüngste Karnevalspräsident Brandenburgs. Heute zählt der Verein 100 Mitglieder. Seit elf Jahren richtet der GCC auch den Behindertenkarneval für den gesamten Landkreis Oberspreewald-Lausitz aus. "Das ist eine der schönsten Veranstaltungen im Jahr", sagt Rätzel. Die Freude der Teilnehmer sei unvergleichlich.

Und das sei es auch, was für ihn seine Arbeit so wichtig macht. Hauptberuflich ist Rätzel Qualitätsmanager. "Meine ehrenamtliche Arbeit ist ein guter Ausgleich zum Berufsalltag", sagt er. Dabei kam er im Jahr 1997 eher durch Zufall zum Karnevalsclub. Seine damalige Freundin war in der Funkengarde. "Und heute bin ich durch und durch Karnevalist. Ohne geht es nicht mehr", sagt er und lacht.

Zum Thema:
Ministerpräsident Matthias Platzeck und Landtagspräsident Gunter Fritsch (beide SPD) laden jedes Jahr kurz vor Weihnachten Ehrenamtler aus dem ganzen Land in die Potsdamer Staatskanzlei ein, um sich für deren Engagement zu bedanken. Auch 19 Lausitzer waren stellvertretend für Tausende Ehrenamtler in Potsdam: Heike Konzack (Cottbus), Sarah Herz (Senftenberg), Dr. Hermann Borghorst (Cottbus), Reinhard Haasner (Schenkendöbern), Barbara Winkler (Cottbus), Monika Hermann (Falkenberg), Wolfgang Richter (Calau), Wolfgang Rupieper (Cottbus), Carla Ziegner-Zschiedrich (Finsterwalde), Jörg Hennersdorf (Doberlug-Kirchhain), Manfred Hummel (Straupitz), Heidemarie Konzack (Cottbus), Bärbel Sindt (Cottbus), Horst Bernstein (Altdöbern), Vanessa Jordan-Heinrich (Raddusch), Thai Thao Tran (Cottbus), Lutz Kurzenberger (Cottbus), Günter Quiel (Guben), Bianca Urban (Märkisch Buchholz).