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| 02:49 Uhr

Lausitzer Kupfer-Suche geht in die zweite Runde

Der Mitarbeiter Enrico Heilig von der Firma Angers Söhne Bohr- und Brunnenbau GmbH begutachtet in Spremberg (Spree-Neiße) das Bohrgestänge zum Start der Kupfererkundungsbohrung. 2009 ging es los.
Der Mitarbeiter Enrico Heilig von der Firma Angers Söhne Bohr- und Brunnenbau GmbH begutachtet in Spremberg (Spree-Neiße) das Bohrgestänge zum Start der Kupfererkundungsbohrung. 2009 ging es los. FOTO: Z1022 Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
Spremberg/Weißwasser. Der polnische Konzern KGHM (Kombinat Górniczo-Hutniczy) will seine Kupfer-Pläne für Weißwasser forcieren. Auf der Hauptversammlung in Polen soll eine Kapitalerhöhung durchgewunken werden – auch über eine Kooperation mit den Spremberger KupferSuchern wird immer intensiver nachgedacht. Alexander Dinger

Zweite Runde in der Kupfersuche: Der polnische Konzern KGHM plant derzeit die zweite Etappe seiner Kupfer-Erkundungen rund um Weißwasser (Landkreis Görlitz). Es wird damit gerechnet, dass bei der Hauptversammlung in Polen der Aufsichtsrat des Konzerns die Kapitalerhöhung für Etappe zwei der Kupfer-Suche durchwinken wird. Das bestätigte die Weißwasseraner KGHM-Chefin Jola Dmowska auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Wenn die Finanzierung steht, soll im Mai mit den Planungen der weiteren technischen Arbeiten wie geophysischen Messungen begonnen werden. Diese sollen bis 2014 andauern.

KGHM ist nach eigenen Angaben der größte Kupfer-Förderer weltweit. Der polnische Konzern erwirtschaftet Milliardenumsätze. Rund 18 000 Mitarbeiter beschäftigten die Polen. Bisher habe das Unternehmen 13 Millionen Euro in Probebohrungen um Weißwasser investiert, um nach dem begehrten Bodenschatz zu suchen. Es sei ein Vorkommen von 300 Millionen Tonnen nötig, um das Erz in einem Bergwerk zu fördern. Die Firma KGHM hatte 2007 die Erlaubnis erhalten, in Ostsachsen nach Kupfer, Blei, Zink, Silber und weiteren Rohstoffen zu suchen.

Auch bei der Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL) stehen offenbar Veränderungen an. Kurz vor Ostern will Minera-Chefin Audra Walsh aus Washington nach Spremberg (Spree-Neiße) kommen. Walsh will sich auch mit dem Spremberger Bürgermeister Klaus-Peter Schulze (CDU) treffen. Um was es bei dem Treffen gehen soll, konnte Schulze nicht sagen. Minera S.A. ist der Mutterkonzern des Lausitzer Bergbauunternehmens. Als Walsh das letzte Mal in Spremberg war, verkündete sie, dass KSL auf die Bremse treten muss, sechs von zehn Mitarbeitern entlassen werden müssen und der Zeitplan gestreckt werden soll. Als Grund nannte sie damals die globale Großwetterlage: fallende Preise am Rohstoffmarkt und Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten.

Kurz nach der Bekanntgabe waren Gerüchte aufgekommen, dass KSL hinter den Kulissen mit KGHM verhandelt. "Es ist im Moment zu früh, um über die Kooperation zwischen den beiden Gesellschaften zu sprechen", sagte Dmowska auf erneute RUNDSCHAU-Nachfrage. An Spekulationen, ob es zu einer engeren Kooperation oder Übernahme der Spremberger Kupfersucher durch die Polen kommen wird, wollte sich Bürgermeister Schulze nicht beteiligen. Die Stadt habe gut daran getan, sich nicht nur auf Kupfer zu konzen trieren. So sei derzeit der Bau einer zweiten Papierfabrik im Gespräch. "Ich würde es natürlich begrüßen, wenn es zu einer Kooperation kommen würde", sagte Schulze. Die Polen hätten wichtige Kenntnisse im Kupfer-Bergbau. Schulze erklärte, dass er ein Schreiben an die brandenburgische Staatskanzlei geschickt habe. Darin fordert er, dass die Zusammenarbeit der polnischen Grenzregion mit der Euroregion Spree-Neiße-Bober intensiviert wird, so der Fachkräfteaustausch - auch von Kupfer-Experten - vereinfacht werden kann.

"Die KSL und die KGHM pflegen ein nachbarschaftliches Verhältnis", sagte KSL-Sprecherin Pia Verheyen auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Man stimme sich in regelmäßigen Abständen über den jeweiligen Projektfortgang ab. "Für die Zukunft sind auf der einen oder anderen Ebene aber auch Kooperationen möglich", sagte sie weiter. Um welche "Ebenen" es sich handelt, sagte sie nicht. Derzeit arbeitet die Kupferschiefer Lausitz GmbH mit der Landesplanungsstelle in Cottbus am Raumordnungsverfahren. Bei diesem Verfahren werden beispielsweise alle Umweltaspekte des Projekts erörtert. Anschließend soll das Planfeststellungsverfahren kommen, das für die weiteren bergrechtlichen Genehmigungsverfahren erforderlich ist. Der letzte Schritt wäre dann die Bergwerksplanung und -errichtung.

Bislang hat der US-amerikanische Konzern Minera S.A. etwa 30 Millionen Euro in die Kupfer-Erkundungen rund um Spremberg gesteckt. Ein Großteil des Geldes wurde in die zahlreichen Genehmigungs- und Erkundungsmaßnahmen investiert. So wurden Dutzende Bohrungen und seismische Untersuchungen rund um Spremberg durchgeführt.

Der ehemalige KSL-Chef Thomas Lautsch hatte bei seiner Verabschiedung im vergangenen Jahr noch gesagt, dass man das Projekt "erfolgreich auf die nächste Stufe bringen" werde. Zugleich hatte er betont, dass das Gesamtprojekt nicht auf der Kippe stehe, man sich vielmehr auf die Suche nach Kooperationspartnern begebe.

Um das Kupfer-Projekt in der Lausitz zu stemmen, müssten mehr als eine Milliarde Euro investiert werden. Bei KSL geht man davon aus, dass allein die Planungsphase wahrscheinlich 100 Millionen Euro kosten werde. Von einer ähnlichen Summe geht auch KGHM in Weißwasser aus. Experten vermuten, dass in der Spremberger Region 130 Millionen Tonnen Kupfererz gefördert werden können. Dieses Erz enthält ungefähr zwei Prozent des Metalls in Form eines Kupfersalzes. Zur Aufbereitung muss es gemahlen werden, wobei sich das Volumen verdoppelt. Abgetrennt und zur Verhüttung weiterverkauft wird ein Konzentrat mit etwa 25 Prozent Kupfer. Zurück bleibt lediglich ein Brei von Gesteinsmehl.