In der Lausitz warten Kassenpatienten rund 33 Tage länger auf einen Facharzttermin als Privatpatienten. Das ist das Ergebnis einer Studie, die der Brandenburger Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen am Montag in Potsdam vorstellte.

Für die Studie riefen Mitarbeiter der Umweltpartei in landesweit 250 Facharztpraxen an, und baten um einen Termin. Einmal stellten sie sich dabei als Kassenpatient vor, ein zweites Mal als Privatpatient. Im Landesdurchschnitt mussten die gesetzlich Versicherten dabei 24 Tage länger auf einen Termin warten, als die Privatpatienten.

Einen der größten Unterschiede erlebten die Tester in einer Hautarztpraxis in Cottbus: Dort seien neue Kassenpatienten gar nicht erst angenommen worden, während Privatpatienten innerhalb der nächsten drei Tage vorgelassen wurden. Nur in rund 30 Prozent der Praxen wurden Kassen- und Privatpatienten gleich behandelt.

Doch auch in Brandenburg herrscht gerade Wahlkampf. Weswegen die Umweltpartei die neue Studie keineswegs zufällig vorstellte: Schließlich fordern die Grünen derzeit eine Abschaffung der Zweiteilung von Privatversicherungen und gesetzlichen Krankenkassen. Stattdessen soll es eine gemeinsame Bürgerversicherung für alle geben. "Wir sind mittendrin in der Zwei-Klassen-Medizin", so Baerbock. "Vielerorts orientiert sich die Terminvergabe aufgrund der unterschiedlichen Honorarordnungen nicht am Beschwerdebild, sondern an der Art der Versicherung."

Der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, Ralf Herre, bestätigte auf Nachfrage der RUNDSCHAU, dass es in manchen Praxen in der Tat kürzere Wartezeiten für Privatpatienten gebe. Allerdings könne dies nicht so pauschalisiert werden, wie in der Studie der Grünen. "Wenn ich einfach nur einen Termin für eine Vorsorgeuntersuchung will, ist es relativ egal, wann dieser Termin ist", so Herre. Aus der Studie der Grünen gehe aber gerade nicht hervor, was für eine Art Termin die Anrufer erbeten hätten.

Dagegen sieht sich Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke) von der Studie in ihrer Politik bestätigt. "Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen, was ich seit Langem kritisiere: Die Gesundheitspolitik der schwarz-gelben Bundesregierung hat die Zwei-Klassen-Medizin manifestiert und die Ungerechtigkeiten verschärft", so Tack gegenüber der RUNDSCHAU. Es sei ein falscher Weg, die private Krankenversicherung für alle zu öffnen. Vielmehr müsse "die gesetzliche Krankenversicherung als solidarische Bürgerversicherung gestärkt und ausgebaut werden".

Bei einer Erkrankung müsse es in erster Linie und die Behandlung der Symptome und nicht um die Kassenzugehörigkeit gehen. "In Notfällen muss jedermann sofort und ohne Frage nach Kassenzugehörigkeit geholfen werden", sagte die Ministerin weiter.