Es ist der Marktplatz für 1000 Ideen, obwohl es im ersten Moment wenig spektakulär aussieht. Es sind die typischen Messestände mit Infozetteln und aufgeklappten Laptops, Männer in Anzügen tauschen Visitenkarten aus. Ein Gespräch hier, ein Gespräch dort. Doch diese Messe namens ZuseExpo ist eine Innovation - so wie viele Lösungen, die im Saal der Hoyerswerdaer Lausitzhalle gezeigt werden. Es ist der Versuch, eine IT-Messe in der Lausitz zu etablieren.

IT in der Lausitz? Das gibt es. Das Geheimnis: Viele Unternehmen tauchen in der täglichen Wahrnehmung kaum auf, weil sie überregional und außerhalb der Öffentlichkeit tätig sind. Das ist zum Beispiel beim Senftenberger Software-Anbieter Zedas der Fall, der bis Ende August PC Soft hieß. "Wir zeigen hier Flagge", sagt Ulrich Lieske, Prokurist des Unternehmens. Für die Lausitzer, die Aufträge in der halben Welt haben, ist es die Chance, sich genauer umzusehen. "Es ist spannend zu sehen, welche Firmen es in der Region noch gibt", sagt Lieske. Auch er hat festgestellt: Viele erfolgreiche Unternehmen, die aus der Lausitz kommen, nehmen sich kaum wahr. Für Zedas ist diese Messe jedoch auch eine Chance, Kontakte mit den Hochschulen der Region zu vertiefen. Absolventen der BTU Cottbus-Senftenberg und der Hochschule Zittau/Görlitz sind für die Senftenberger Software-Experten interessant. Für Zedas können das Mitarbeiter von morgen sein.

Messe-Chef Sven Reichel schlendert schon am frühen Nachmittag mit einem Lächeln durch den Saal. Seine Idee, eine IT-Messe für die Lausitz und Ostdeutschland auf die Beine zu stellen, scheint geglückt. "Hauptsache ist, dass die Anbieter hier die Kontakte knüpfen können, die sie sich erhofft haben. Dann hat sich die Messe gelohnt", sagt Reichel. Der Geschäftsführer der Firma Larus aus Senftenberg ist mit der Messe ein Wagnis eingegangen. Denn im Vorfeld seien viele Firmen skeptisch gewesen, ob seine Idee funktioniert. Doch schon nach wenigen Stunden zeigt sich: Es entstehen neue Kontakte. Zudem kann sich Reichel auf die Unterstützung der Wirtschaftsinitiative Lausitz (Wil) verlassen, die die Prämierung ihres Lausitzer Existenzgründer Wettbewerbs (Lex) im Rahmen der ZuseExpo veranstaltet. So haben auch die geladenen Gäste, unter ihnen viele Unternehmer aus der Lausitz, die Möglichkeit, sich die Messe und die Anbieter genauer anzusehen.

Ein Beispiel für eine Innovation auf der ZuseExpo liefert Erik Jähne. Der 24-Jährige ist noch Student an der Hochschule Zittau/Görlitz, arbeitet jedoch schon seit mehreren Jahren an seiner Zukunft. Sein Spezialgebiet: Software für Drohnen, um sie vielseitig einsetzbar zu machen. Nach seiner Bachelorarbeit zu diesem Thema sitzt er nun an seiner Masterarbeit und hat bereits bei einem Software-Engeneering-Unternehmen in Görlitz einen Job gefunden. Mögliche Anwendungsgebiete seines Multicopters, einer speziellen Drohne, sieht er unter anderem in der Forstwirtschaft. Eine Drohne kann von oben einen Schädlingsbefall bei Bäumen feststellen. Sie könnte auch Ultraschallfotos liefern, um zu kontrollieren, ob Windradflügel feine Risse haben. Die Anwendungsgebiete scheinen endlos. Bis zur Serienreife dauere es jedoch noch einige Zeit, sagt Lars Rönisch, leitender Laboringenieur im Fachbereich Informatik der Hochschule Zittau/Görlitz. Welchen Nutzen die Multicopter-Entwickler von der Hoyerswerdaer Messe haben? "Neben uns ist der Stand eines Chip-Herstellers. Vielleicht ist das für uns interessant", sagt Rönisch. Er sieht bei der ZuseExpo das Potenzial, dass sich ostdeutsche Unternehmen besser miteinander vernetzen und voneinander profitieren können.

"Wir sind da, um uns den Kunden zu zeigen", sagt Norbert Oehmichen. Der Vertriebsleiter der Hoyerswerdaer Firma AVI rechnet während der Messe zwar nicht mit neuen Aufträgen, aber damit, Kontakte knüpfen zu können. "Im Nachgang werden wir sehen, welchen Nutzen man daraus ziehen kann", sagt er. AVI bietet Automatisierungslösungen für Unternehmen an und ist neben dem Schwerpunkt Lausitz in ganz Deutschland tätig.

Torsten Kaden findet die Messe in Hoyerswerda sinnvoll. Er ist Netzwerkmanager des SIBB, des Interessenverbands für Unternehmen der IT- und Internetwirtschaft in Berlin und Brandenburg. Auch er hat festgestellt, dass es IT-Unternehmen in Berlin und Brandenburg oft schwer haben, wahrgenommen zu werden. Viele der IT-Anbieter würden unterschätzt. "Wichtig ist, dass Unternehmen von außen, die nach IT-Lösungen suchen, zu solch einer Messe kommen", sagt Kaden.

Zum Thema:
Die Messe: Die ZuseExpo in der Lausitzhalle Hoyerswerda ist die erste Messe in Ostdeutschland, die IT- und Softwareunternehmen aus Berlin, Brandenburg und Mitteldeutschland zusammenbringt. Es ist eine Fachmesse, die einerseits die IT-Unternehmen bekannter machen soll. Andererseits soll sie Unternehmen die Möglichkeit geben, auf der Messe gezielt nach Anbietern für IT-Lösungen zu suchen. Zudem ist angedacht, dass sich Unternehmen der Region besser miteinander vernetzen.Die ZuseExpo läuft noch bis zum heutigen Donnerstagnachmittag. Der Eintritt kostet für Besucher 25 Euro, Schüler und Studenten kommen gegen Vorlage eines Schüler- oder Studentenausweises kostenlos auf die Messe.Der Name: Die ZuseExpo erinnert an den Erfindergeist von Konrad Zuse, der in den 1920er-Jahren in Hoyerswerda sein Abitur abgelegt hat und nach der Wende Ehrenbürger der Stadt geworden ist. Zuse hatte 1941 den ersten Großrechner entworfen und gilt als Computervater. Zuses Sohn, Professor Horst Zuse, hat der Messe seinen Namen gegeben. In Hoyerswerda entsteht in der Neustadt zurzeit das neue Zuse-Computermuseum, in dem einige von Konrad Zuses Rechnern zu sehen sein werden.Der Organisator: Der Senftenberger Unternehmer Sven Reichel, Geschäftsführer der Larus GmbH, hat die Messe initiiert. Er entwickelt individuell angepasste Softwarelösungen für den Mittelstand.