Die Teilnahme ist freiwillig und wir haben mehr Anmeldungen als Plätze.
 Lutz Ritter, e-LiS-Lehrer in der JVA Cottbus-Dissenchen


Die multimediale Welt macht auch vor Brandenburgs Strafvollzug nicht Halt. Dort können sich Gefangene im Rahmen von EU-Bildungsprojekten mit Hilfe von Computern Wissen aneignen. Das soll ihnen helfen, nach der Entlassung eine Ausbildung oder Arbeit zu bekommen sowie den Anschluss an die sich rasant entwickelnde Informationsgesellschaft nicht zu verpassen.
Eines der Programme ist das Computer-Projekt e-LiS, an dem sich die Brandenburger Justiz seit 2002 beteiligt. "Mit diesem Bildungsprojekt unterstützt die EU wichtige Resozialisierungsbemühungen des Strafvollzuges, die mit Landesmitteln allein nicht realisierbar wären", sagt Justizministerin Barbara Richstein (CDU).
Innerhalb des Projektes holen etwa die jüngeren Gefangenen ihren Schulabschluss nach oder lernen Englisch. "Mitte Januar waren durch das e-LiS-Projekt von den 2260 Gefangenen im Land Brandenburg 418 in schulische und berufliche Maßnahmen einbezogen", berichtet Klaus Auer, Abteilungsleiter im Potsdamer Justizministerium. Das e-LiS-Programm läuft bis 2005 mit regionalen Schwerpunkten in den Haftanstalten von Brandenburg, Berlin und den norddeutschen Bundesländern. Kooperationen gibt es mit Frankreich, Österreich und anderen ausländischen Partnern.
"In Brandenburg konnten wir beim e-LiS-Projekt auf die Erfahrungen des TELiS-Programms (Telelernen im Strafvollzug) zurückgreifen, das in ausgewählten Kursen des Erwachsenenvollzuges praktiziert wird", erläutert Elisabeth Theine, Fachreferentin im Justizministerium für die Gefangenenbildung. "Ein freier Zugang ins Internet ist im Strafvollzug aber nicht möglich, da wir den Missbrauch von Informationen nicht verhindern können", schränkt sie ein.
"Die Brandenburger Justizverwaltung legt besonderen Wert darauf, multimediales Lernmaterial für Lern-Sondergruppen zu erproben und neu zu entwickeln", sagt die Sprecherin des Ministeriums, Dorothee Stacke. "Insbesondere Jugendliche sowie Frauen und Männer im Strafvollzug mit großen Bildungsdefiziten sollen sich durch das Medium Computer neu für schulisches Lernen und für Ausbildung interessieren."
Einer der e-LiS-Lehrer ist Lutz Ritter, der in der neuen Justizvollzugsanstalt (JVA) im Cottbuser Stadtteil Dissenchen arbeitet. "Unsere Schulklassen bestehen aus zehn bis zwölf meist jungen Leuten und in 50 Prozent der Kurse nutzen wir das Computerprogramm", erzählt der 61 Jahre alte Pädagoge, der seit 1999 im Strafvollzug lehrt. Zurzeit laufen in der Anstalt unter anderem Computer-Kurse, Deutsch für Ausländer, Englisch für Anfänger und ein Englisch-Elementarkurs. "Die Teilnahme ist freiwillig und wir haben mehr Anmeldungen als Plätze", berichtet Ritter.
Nach den Worten des Cottbuser Anstaltsleiters Günter Tübben werden von den 550 Strafgefangenen dort 50 Jugendliche in verschiedenen Gewerken qualifiziert. "Wir haben in dem Neubau bessere technische Möglichkeiten für das e-LiS-Programm." Das bestätigt Ute Koch, die in der Cottbuser JVA mathematische Fächer und Technologie unterrichtet "e-LiS macht den Unterricht abwechslungsreicher, auch wenn die Vorbereitung aufwändiger ist."
Zuspruch kommt zum Beispiel von jungen Strafgefangenen in Cottbus. "Durch den TELiS-Kurs wurde mir die Möglichkeit gegeben, mich auf den Vorkurs für die 9. Klasse vorzubereiten", erzählt einer. Die Arbeit am Computer mache ihm viel Spaß und sei eine willkommene Abwechslung. Ein anderer Teilnehmer an dem Programm meint: "Der TELis-Kurs mit seinen vielfältigen Inhalten gefällt mir sehr gut. Ich möchte den Kurs auch nutzen, um mich in der Anstalt auf den Erwerb des Europäischen Computer-Führerscheins vorzubereiten."
Damit die Lehrkräfte immer auf dem neuesten Stand sind, werden sie vom Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft (IBI), dem Brandenburger e-LiS-Träger, fortgebildet. Gemeinsam mit den anderen beteiligten Bundesländern baut das IBI eine Lernplattform für einen länderübergreifenden Fachaustausch auf.