An den großen Autobahn-Grenzübergängen in Frankfurt (Oder) und Görlitz-Ludwigsdorf herrscht seit gestern Stress pur. Busse und Pkw mussten nach Auskunft von Jens Schobranski, Sprecher der Bundespolizei in der Oderstadt, auf der A 12 bis zu fünf Stunden auf die Abfertigung warten. Auch auf der Stadtbrücke in Frankfurt (Oder) standen die Autos stundenlang Stoßstange an Stoßstange auf den beiden Abfertigungsspuren. „Das Verkehrsaufkommen ist enorm. Wir haben alle verfügbaren Kräfte an den Kontrollstellen im Einsatz“ , so Schobranski.
Auch am Übergang im sächsischen Görlitz-Ludwigsdorf müssen alle mit langem Anstehen rechnen, die über diesen Grenzabschnitt nach Polen einreisen wollen, um in ihre Heimatorte zu gelangen, Freunde und Bekannte im Nachbarland zu besuchen oder schnell noch günstige Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Bis zu zwei Stunden Wartezeiten für Lkw, Busse und Pkw registrierte die Görlitzer Bundespolizei. „Am Übergang Stadtbrücke herrschte dafür fast gähnende Leere“ , berichtet Sprecher Michael Engler. „Sogar Einheimische aus Görlitz und dem Niederschlesischen Oberlausitz-Kreis“ standen in den Schlangen, wundert er sich.
Schobranski wie Engler vermuten, dass an diesen beiden Nadelöhren bis heute Abend das Einfädeln zur Abfertigung weiterhin ein stundenlanges Geduldsspiel bleiben wird. Grund seien das Lkw-Fahrverbot in Deutschland und anderen Ländern zu den Feiertagen sowie die Rückreise von Arbeitnehmern aus Polen, Tschechien, der Ukraine, Weißrussland und anderen Staaten.
Als Puffer zu den überlasteten Abfertigungsstellen in Frankfurt (Oder) und Görlitz-Ludwigsdorf erwiesen sich gestern die Grenzübergänge in der Lausitz. In Guben, Gubinek, Forst, Bad Muskau und Podrosche mussten Besatzungen von Bussen, Lkw und Pkw nur bescheidene zehn bis 30 Minuten lang mit den Fingern unruhig auf Lenkräder oder Sitzlehnen trommeln.
Schobranski warnt davor, bei Wartezeiten die Fahrzeuge zu verlassen, um sich auf der Fahrbahn die Beine zu vertreten. „Man bringt sich damit in Gefahr und verzögert den Ablauf nur noch zusätzlich“ , sagt der Sprecher der brandenburgischen Bundespolizei. Sein Kollege in Görlitz, Michael Engler, stellt den Mitgliedern der Auto-Lkw-Busse-Wartegemeinschaft allerdings in puncto Disziplin ein gutes Zeugnis aus. „Es gibt mal den einen oder anderen Hupton aus der Lkw-Schlange. Der kann aber auch andere Ursachen als Unmut haben“ , so Engler.
Die Bundespolizei empfiehlt ihre Stau-Telefone, um sich über die aktuelle Situation zu informieren und möglicherweise Ausweichrouten über Lausitzer oder sächsische Grenzübergänge zu wählen.
Auch der Allgemeine Deutsche Automobil Club (ADAC) rechnet sowohl heute wie auch am kommenden Silvester-Wochenende mit lebhaftem, abschnittsweise auch dichtem Verkehr. Die Bundesautobahnen 13 und 15 rund um das Spreewald-Dreieck werden dennoch gut befahrbar sein, stellt eine Sprecherin des ADAC Berlin-Brandenburg in Aussicht. Allgemein ruhig dürfte es am Heiligabend sein. Sollte es wider allgemeiner Wettervorhersagen schneien, rechnet der ADAC am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag auf den Routen in die deutschen Mittelgebirge und in die Alpen mit erhöhtem Verkehrsaufkommen. Der ADAC erinnert daran, dass Autofahrer in Deutschland bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Winter- oder Ganzjahresreifen fahren müssen. Absolutes Muss bei Fahrten in die Alpen sind neben der richtigen Bereifung Schneeketten im Kofferraum.
Internet: www.adac.de
Stau-Telefone der Bundespolizei: Frankfurt (Oder): 0335/562 47 777 Görlitz-Ludwigsdorf: 03581/362 6 620