Dass Rechtsextreme heutzutage nicht mehr an Glatze und Springerstiefeln zu erkennen sind, ist auch für Egbert Schneider keine Neuigkeit. "Aber genau das ist das Problem", sagt der Lehrbeauftragte der Lausitzer Wasser GmbH & Co. KG (LWG). Momentan ist er für 35 Azubis aus Cottbus und dem Umland verantwortlich, größtenteils Anlagenmechaniker. Wenn einer von ihnen braunes Gedankengut verherrlicht, dann will er das gleich mitbekommen. Und solche "menschenfeindlichen Umtriebe" im Keim ersticken, erklärt Schneider selbstbewusst.

Dabei helfen soll ihm und anderen Ausbildern in Lausitzer Unternehmen der Workshop "Rechtsextremismus". Zum zweiten Mal hat ihn die IHK Cottbus am Dienstag organisiert - und zwar als einzige Kammer im Land Brandenburg. "Die Ausbilder kennen häufig die Symbolik im rechten Milieu nicht genau. Außerdem verhalten sich Szenezugehörige ohnehin recht unauffällig am Arbeitsplatz", erklärt IHK-Sprecher Nils Ohl die Motivation für den Workshop. Personalverantwortliche und Pädagogen sollen dort für das Thema sensibilisiert werden, ergänzt er.

Infos rund um den braunen Sumpf erhalten sie von Profis. Und die seien angesichts der virulenten rechten Szene in Südbrandenburg auch nötig, erklärt Michael Hüllen von der Abteilung für Verfassungsschutz des Innenministeriums. Der Referent des Cottbuser Workshops erklärt, dass diese Strukturen mit Bands, Locations und "freien Kräften" im Kammerbezirk über Jahre gewachsen sind. Im gesamten Bundesland schätzt der Verfassungsschutz das rechtsextreme Potenzial auf rund 1150 Personen.

Das Problematische daran ist, dass abgesehen von einigen Modelabels, wie Thor Steinar, kaum ein Rechtsextremist an seinem Äußeren zu erkennen ist. Deshalb rät Hüllen den Unternehmern bei Gesprächen genau hinzuhören: "Sobald rassistische Äußerungen fallen, muss sich der Ausbilder mutig und kritisch dagegenstellen." Zwar seien Angehörige rechter Subkulturen bemüht, im Unternehmen nicht aufzufallen, aber gerade Heranwachsende seien in ihrer Einstellung noch prägbar, so der Extremismusexperte.

Sollte sich ein Mitarbeiter allerdings nicht von seiner rechten Weltanschauung abbringen lassen, bedeutet das nicht automatisch die Kündigung, weiß auch IHK-Sprecher Ohl. "Leider ist die Palette legaler Meinungsäußerungen auch in dieser Richtung breit", erklärt er. Speziell in kleineren Unternehmen sei dies arbeitsrechtlich nicht geregelt. Im Einzelfall könne sich ein Arbeitgeber aber beispielsweise auf die "Wahrung des Betriebsfriedens" berufen.

Bevor es soweit kommt, sei vor allem Präventionsarbeit in jungen Jahren gefragt, meint Jörn Meyer, Leiter des Cottbuser Vereins Jugendhilfe. Als Workshop-Teilnehmer hat ihn vor allem die Professionalität der Szene schockiert. Gerade die internetaffinen Jugendlichen würden über hochwertige Videos und Blogs mit rechter Erlebniswelt verführt. Als Beispiel nennt er die Seite des verbotenen Neonazi-Netzwerkes "Spreelichter". "An solche Drahtzieher kommen wir nicht ran, aber wir können Jugendliche mit Streetwork oder im Fan-Projekt frühzeitig davor bewahren, dieser antidemokratischen Ideologie zu verfallen", sagt Meyer.

Das sieht auch LWG-Ausbildungsleiter Egbert Schneider so. Allerdings sei es natürlich nie ausgeschlossen, dass ein Auszubildender seine rechte Gesinnung erst lange nach Einstellung im Betrieb zeigt, sagt er. Zwei Fälle hat er in seiner 27-jährigen Ausbilderzeit bisher erlebt. Beide "harmlos", da die Jugendlichen nicht auf ihren Standpunkten beharrten. Man dürfe ihnen keineswegs sofort den Rücken kehren, sondern müsse sie in Gesprächen überzeugen, erklärt Schneider. "Aber wenn keine Einsicht erkennbar ist, bin ich nicht mehr bereit, mit solchen Leuten zusammenzuarbeiten."

Der Workshop "Rechtsextremismus" findet am 12. Februar in Königs Wusterhausen statt.