Bei der BASF in Schwarzheide gibt es überhaupt keine Kompromisse. Auf dem Großteil des Geländes gilt absolutes Rauchverbot. „Weil wir ein Chemieunternehmen sind, das erleichtert die Sache etwas“ , sagt Pressesprecher Paul-Gerhard Thiele. Auch in den Büros ist der Griff zum Glimmstängel tabu. Wer eine qualmen will, muss eine der extra eingerichteten Raucherzonen aufsuchen.
Für Sandro Fiebig heißt das: Der Pressesprecher der Stadt Hoyerswerda muss raus in die Kälte. „Um die historische Bausubstanz zu schützen, darf bei uns im Rathaus und in den Büros nicht geraucht werden“ , sagt Fiebig, der dieses Schicksal mit den Angestellten der Senftenberger Firma PC Soft und der Finsterwalder Firma Kjellberg teilt. „In den Büros raucht bei uns niemand“ , sagt Kjellberg-Geschäftsführer Volker Krenk. „Aber das ist bei uns kein Problem.“
Extra-Pausen für die Zigarette zwischendurch gibt es nicht. „Jeder arbeitet bei uns nach bestem Wissen und Gewissen. Wer rauchen will, der geht eben“ , sagt PC-Soft-Geschäftsführer Wolfgang Jahn. „Das haben wir in bestem Einvernehmen unter den Kollegen und nach den gesetzlichen Bestimmungen geregelt.“
Die sind jetzt seit dem 3. Oktober 2002 in Kraft. Seither ist jeder Arbeitgeber nach Paragraph 3a Arbeitsstättenverordnung verpflichtet, „die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit die nichtrauchenden Beschäftigten in Arbeitsstätten wirksam vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch geschützt sind“ .
Das gilt auch für die Polizei. „Natürlich rauchen auch bei uns viele Kollegen“ , sagt der Cottbuser Polizeisprecher Berndt Fleischer. „Die einigen sich aber: Sobald einer im Büro dagegen ist, wird dort nicht gequalmt.“ In den Dienstwagen indes ist der Griff zum Glimmstängel ohnehin untersagt. „Damit niemand, der nicht raucht, beim Schichtwechsel in ein verqualmtes Auto steigen muss.“
Bei Vernehmungen drückt aber selbst die Polizei ein Auge zu. „Wenn einer der Verdächtigen starker Raucher ist, unterbrechen wir die Befragungen schon mal, damit er in der Raucherecke eine rauchen kann“ , sagt Fleischer.

In der Zelle darf gequalmt werden
In der Justizvollzugsanstalt Cottbus-Dissenchen herrschen da schon strengere Regeln. In der Zelle und im Fernsehraum darf rauchen, wer will. In der Küche, auf dem Flur oder draußen auf den Wegen müssen die Gefangenen aber darauf verzichten – genau wie ihre Wärter, die ihrem Laster nur im Aufenthaltsraum frönen dürfen.
In den meisten Gaststätten herrscht indes „Wildwest“ . Dort gilt in der Regel überall: „Feuer frei“ . EU-Gesundheitskommissar David Byrne hatte deshalb kürzlich öffentlich laut darüber nachgedacht, „europaweit rauchfreie Arbeitsplätze“ auch in Bars und Restaurants einzuführen. Bei der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, dem bayerischen Gesundheitsminister und einigen Bundestagsabgeordneten stieß er damit auf offene Ohren.
„Mein Ziel ist eine möglichst rauchfreie Gesellschaft – von der rauchfreien Schule bis zur rauchfreien Gaststätte“ , tönte sofort Bayerns Gesundheitsminister Eberhard Sinner. „Das Nichtrauchen muss in der Öffentlichkeit der Normalfall sein“ , echote die Drogenbeauftragte Marion Caspers-Merk und kündigte sogleich an, erste Schritte einleiten zu wollen, um den Schutz von Nichtrauchern zu verbessern.
Bei Nichtrauchern wie Frank Lehmann erntet sie mit derlei Initiativen aber nur ein Kopfschütteln. Der sächsische Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) hat seit mehr als zehn Jahren eine nach der anderen „kommen und wieder gehen sehen“ . Die „übertriebene Regelungswut des Gesetzgebers“ und diese „ständigen Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte und das Lebensgefühl der Bundesbürger“ lehnt Lehmann ohnehin grundsätzlich ab. „Das Leben ist doch viel weiter als der Gesetzgeber, gerade beim Thema Rauchen.“
Ein generelles Rauchverbot in Gaststätten – für Lehmann undenkbar. „Die Zigarette gehört bei vielen zum Kaffee oder zum Cocktail einfach dazu. Und aus Angestellten- und Gästekreisen gibt es doch gar keine massiven Forderungen nach einem generellen Rauchverbot in Gaststätten.“
Auch dem brandenburgischen Dehoga-Präsidenten Thomas Badstübner geht das zu weit. „In vielen Lokalen, Restaurants und Hotels gibt es ohnehin schon Nichtraucher- und Raucherbereiche“ , sagt Badstübner, selbst ein „militanter Nichtraucher“ . „Ein völliges Rauchverbot ist vielleicht in dem einen oder anderen Lokal in Potsdam, Hamburg oder Berlin vorstellbar, wo der Gast zwischen zehn, zwölf Gaststätten nebeneinander wählen kann.“ Auf dem „Land mit nur einer Dorfgaststätte ist so ein Quatsch aber nicht durchsetzbar“ , sagt Badstübner und schreibt den Politikern ins Stammbuch: „Lasst mir doch die Leute in Ruhe.“

Gastgewerbe fürchtet Pleitewelle
Mit Dehoga-Präsident Ernst Fischer weiß sich Badstübner dabei auf einer Wellen-Länge. Fischer spricht gar von einem „Dolchstoß für die vielen kleinen Eckkneipen“ , sollte ein generelles Rauchverbot eingeführt werden. Das würde Tausende Arbeitsplätze kosten, prognostiziert Fischer.
In Sachsen, belegen Statistiken, qualmt etwa jeder Vierte, in Brandenburg ist es etwa jeder Dritte. Ralf Zeumke vom Dehoga-Kreisverband Cottbus zählt sogar jeden zweiten seiner Gäste zu den Rauchern. Deshalb hat er in seinem Restaurant Nichtraucher-Plätze eingerichtet. „Das kuriose daran ist aber, dass die leer bleiben, weil die Nichtraucher sich meist lieber zu den Rauchern setzen“ , erzählt Zeumke, der „massive Umsatzeinbußen“ befürchtet, sollte der Gesetzgeber tatsächlich den blauen Dunst völlig aus den Lokalen vertreiben.
„Dann würde ich meine Stammkunden verlieren“ , schwant auch seinem Calauer Dehoga-Kollege Uwe Böttcher. „Ich könnte den Ratskeller wahrscheinlich zumachen.“